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21

Dienstag, 8. September 2015, 17:40

Disziplin


Andenus kniff für einen Moment die Augen zusammen und fuhr sich über die Adlernase. Er war jetzt über 20 Stunden auf den Beinen und die Müdigkeit schlich sich wie eine Krankheit in seine Glieder. Die Zeilen auf dem Datapad begannen bereits zu verschwimmen als er sich mit einem Schwung erhob, um seine müden Knochen zu vitalisieren.

Die Verhandlung auf Tessavara waren so anstrengend wie erwartet. Kein Wunder, der Prozess zog sich nun schon seit einigen Jahren hin. Die Mission war eigentlich recht klar: Das Vara-System im Midle-Rim war relativ reich an Rohstoffen. Besonders der Treibstoff Anthrazit konnte in großen Mengen gefördert und exportiert werden, was dem System beachtlichen Wohlstand brachte. Obwohl die Planten von Vera schon seit Jahrhunderten mit der Republik Handelsbeziehungen pflegten, waren sie nie offiziell Teil der Republik.

Doch die vermehrte Einsatz von Hypermaterie als Treibstoff für Schiffe, ließ die Preise für Anthrazit sinken und zwang Tessavara und die anderen Planeten dazu, die Nachfrage auf andere Art und Weise zu stärken. Ein freies Handelsabkommen, das vor allem Zölle zwischen dem Vara-System und der Republik abbauen sowie verschiedene Handelsbarrieren verringern sollte, war deshalb schon seit Jahren in Planung und Andenus war schon früh Teil des aufreibenden Prozesses. VTIP war nämlich alles andere als beliebt bei den Bürgern des Systems, da sie befürchteten in den Krieg hineingezogenen zu werden und die lokale Wirtschaft zu schwächen, wenn die mächtigen Konzerne der Republik dort aktiv investieren könnten. Immer wieder wurde der Verhandlungsprozess dadurch unterbrochen, der sowieso schon wegen schwer zu vereinbaren Handelsgesetzen und –richtlinien verkompliziert wurde.

Andenus war während seiner Zeit im Galaktischen Senat Teil der Referenten, die an dem Handelsabkommen arbeiteten, doch erst jetzt begann erst die heiße Phase. Der Vertrag war bereits verfasst, verschiedene legale Angleichungen teilweise schon durchgeführt, und die aktuelle Regierung sprach positiv über VTIP. Dennoch stockten seit ein paar Monaten die Verhandlungen, nicht zuletzt deswegen weil die Bürger den Beteiligten mangelnde Transparenz vorwarfen und ihren Bürgerprotest effizient zu organisieren wussten. Aus diesem Grund wurde Andenus herangezogen, der nicht nur die Details des Vertrages kannte, sondern auch als Jedi den Anschein von Überparteilichkeit verkörperte.

Die Marathonsitzungen verliefen meist gleich: Anfangs schien man sich einig, doch dann tauchten Detailfragen auf, die die Parteien spalteten. Andenus musste mehrfach eingreifen und in aufreibenden Zweiergesprächen einen Kompromiss schaffen, den beide Seiten als Vorteil auffassen würden. Das war mühsam und forderte ihm viel diplomatisches Geschick ab.

Jetzt hatte er allerdings die Verhandlungen bis morgen vertagt – alle brauchten Ruhe und der Jedi stellte keine Ausnahme dar. Die luxuriöse Wohnung in einem Hotel auf Tessavara war ausladend und bequemer als es der Jedi bevorzugte, doch hatte Anendus keine Kraft mehr ein einfaches Zimmer zu verlangen.

Er lehnte sich über den antiken Schreibtisch und speicherte seine Notizen für den nächsten Tag. Danach entledigte er sich des Mantels und hing ihn auf einen der Bügel in den Schrank. Er rieb sich einen Moment die Schläfen und kehrte zu seinem Datapad zurück, um eine Nachricht an Rüstmeister Ramsey aufzusetzen. Alle Informationen deuteten darauf hin, dass Kifdas Golems bald im Taron-System Einsatz finden könnten und die Gefahr bestand, dass ein weiteres System in die Hände des Imperiums fiel – sollten die Jedi scheitern. Andenus wusster, er war schon mehrfach gescheitert, wenn es gegen den Sith-Lord ging, doch diesmal wollte er vorbereitet sein. Er hatte eine Liste von Ausrüstung erstellt, die er auf die Mission nehmen würde und die hoffentlich den nötigen Unterschied machen würden, um das System zu retten und – wenn es die Macht wollte – Kifdas zu stellen.

Nachdem er die Nachricht vollendet und abgeschickt hatte, erhob er sich und schüttelte den Kopf, um die Müdigkeit zu vertreiben. Er hatte die letzten Tage in Konferenzsälen gesessen und sein gewöhnliches Trainingsregimen nicht aufrecht halten können. Nicht mal zum Meditieren war er gekommen – ein Umstand den er in der Unruhe seines Geistes wahrnehmen konnte.

Er nahm deshalb den Gürtel samt Lichtschwert ab und legte ihn neben das Datapad auf den Schreibtisch.

Andenus schloss die Augen und begann tief einzuatmen. Mit jedem Zug seiner Lunge, spürte er Ruhe einkehren und er begann sich Stück für Stück der Macht zu übergeben. Als er sein Alchaka-Ritual begann und seine Arme und Beine sich mit schneller Geschwindigkeit in die vertrauten Positionen begaben, fühlte er wie er zu sich kam und sein Geist mit der Macht in Einklang stand.
Andenus Dexter| Story: Der Preis der Pflicht

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22

Montag, 28. September 2015, 13:35

Nachgeschmack des Sieges


Andenus betrachte die Rüstung, die vor ihm auf der Pritsche lag. Die verkohlten Einschlaglöcher, die das Geschütz zu verantworten hatte, hinterließen den Eindruck, dass Andenus nur mithilfe der Macht überlebt hatte.

Da sein Machtschild und die hochwertige Rüstung von CoreArms den Großteil der Hitze neutralisieren konnten, hatte die Wucht des Treffers dem Jedi lediglich ein paar Rippen gebrochen wie ihn der Feldarzt assistierte. Es tat dennoch höllisch weh, da seine Haut von Lord Kifdas Fragenrunden vernarbt selbst bei geringer Hitze aufzuschreien schien. Die Wunde am Oberschenkel war zwar etwas tiefer, aber dafür der Knochen nur geprellt, was den Ritter für den Moment zu einem Gehstock verdonnerte, aber rasch verheilen sollte.

Obwohl er kein Meister in Dingen der Heilung war, beherrschte er Selbstheilung zu einem angemessenen Maße und anstatt sich wie üblich in der Bewegungsmeditation zu verlieren, entschied er sich für eine ruhende Heilungstrance, um den Genesungsprozess zu beschleunigen.

Für den Moment trug er zivile Kleidung und nur das Lichtschwert an seinem Gürtel markierten ihn als Jedi-Ritter, denn seine Robe hatte Andenus aus Platzgründen auf Tython zurückgelassen.

Die neusten Berichte indizierten, dass das Imperium sich zurück zog. War dies Mission deshalb als Erfolg zu verbuchen? Andenus tat sich schwer mit dieser Einschätzung, zu hoch waren die Verluste der Armee und auch die Jedi waren schwer geschunden. Zwar hatte das Einsatzteam überlebt, aber sowohl Hisoka als auch Ritterin Deikan waren schwer verwundet worden. Er schätzte zwar nicht lebensgefährlich, aber dennoch empfindlich genug für Narben – körperliche wie seelische.

Ob die direkte Konfrontationstaktik die richtige war, hinterfragte er sich kritisch. Es hatte eine Möglichkeit für die Agenten eröffnet, doch dann waren sie ziemlich in die Bredouille gekommen. Er strich sich über den Bart. Sowohl Ritterin Deikan als auch Hisoka hatten Fehler gemacht, aber sie waren es nicht, die zu ihren Verletzungen führten – das musste er in seine Verantwortung nehmen. Er hatte im entscheidenden Moment in die Offensive geschaltet – was die Ritterin und die Padawan ungedeckt hinterließen. Ein kurzes Gefühl der Trauer überfiel ihn, als er den Jedi gedachte.

Andenus fuhr sich über die Adlernase.

Der Ritter vertraute der Macht, das die beiden Jedi schnell genesen würden und Tython war wohl der beste Ort dafür.

Er trat aus dem Zelt in das provisorische Lager der Armee. Nochimmer gab es versprengte Feindesgruppen, hauptsächlich xestunische Soldaten, die aber ohne die Unterstützung des Imperiums keine große Mühe bereiteten. Der Plan sah vor im Laufe des Tages Xestun selber einzunehmen und in Kürze fand die Einsatzbesprechung dazu statt. Während die meisten Jedi wieder nach Tython zurückgekehrt waren, entschied sich Andenus vor Ort zu bleiben. Neben den letzten Offensivaktionen stand auch Aufbauarbeit an, und wenn die Republik aus ihrem Einsatz und Opfer das meiste Kapital schlagen wollte, half es, einen Jedi-Diplomaten vor Ort zu haben.

Die Lage war zwar noch immer unübersichtlich, und die Bevölkerung misstraute der Republik immer noch etwas, dennoch schätzte Andenus die Chancen als gut ein, die Lage zu Gunsten der Republik zu wenden und zu stabilisieren.

Der Jedi tauchte seine Hände in den metallernen Bottich, der auf einem kleinen Tisch stand, und spritzte sich das Wasser ins Gesicht, um die bleierne Müdigkeit zu bekämpfen. Neben seinen Verletzungen, einem Muskelkater, dem Leid der Bevölkerung und seiner Freunde, und der generellen Anspannung im Kriegseinsatz, hing ihm auch noch der wenige Schlaf der Mission davor sowie die Gedanken an das merkwürdige Holcrons nach.

Nyadar eine Je’daii schien mehr als nur ein Torwächter zu sein – so zumindest die Worte von Meisterin Derak. Dieses Wesen hatte noch Zugang zur realen Welt, zum Jetzt, und prophezeite eine große Gefahr für sich und eine Umwälzung der Machthierarchie in der Galaxis. Dass sie so vorsichtig sprach, schien Andenus ein Zeichen, dass ihre Prophezeiung nicht den kommenden Sieg der Republik verkündete. Würde das Imperium siegen? Oder passierte etwas, das fern seiner momentanen Gedanken war. Den Jedi beschlich ein ungutes Gefühl.

Er schüttelte sich – wie um die dunklen Gedanken zu verscheuchen und trat aus dem Zelt heraus. Die feuchte Luft erfrischte ihn auf eine angenehme Art und Weise, auch wenn er matschigen Boden überqueren musste, um zum Kommandozelt zu kommen.

Was auch immer käme, mit Vertrauen in die Macht würden sie jede Prüfung bestehen.
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23

Donnerstag, 1. Oktober 2015, 15:51

Ein Hauch Frieden


Andenus bewegte sich durch die Trümmer, die vor einigen Tagen noch Refetel waren. Wie ein dumpfer Bass klang das Sterben all der Seelen in der Macht nach, die hier ihr Leben ließen. Die Kakophonie des Leids und der Angst hatten sich in der Macht festgesetzt wie stickiger Rauch in einem fensterlosen Raum.

Andenus schritt durch den Schutt und die Stiefel knirschten hörbar auf dem steinernen Grund.

Die Gebäude ähnelten nunmehr Ruinen und die Löcher, die in den Häuserwänden aufklafften, erinnerten an tödliche Wunden, die Refetel dahinrafften. Nur wenige Wesen wandelten noch auf den Straßen, die in der Stadt einst Handel und Wohlstand schufen. Die Bewohner, die nun langsam zurückzukehren begannen, würden ihr Leben aus dem Nichts aufzubauen haben gemeinsam mit der Erinnerung an die Gefallenen.

Zumindest waren die Kämpfe größtenteils versiegt und auch die Offensive zur Einnahme Xestuns war erfolgreich abgeschlossen worden. Hochrangige Militärs wurden festgesetzt und in allen Städten des Planeten kam es zur sorgsamen Ermittlungen nach imperialen Unterstützern. Es fiel den Jedi und den republikanischen Truppen zu den Zorn der Bevölkerung und der refetelischen Militärs gegenüber den Aggressoren etwas abzuschwächen, um Exekutionen zu vermeiden, die wegen des verhängten Kriegsrecht legal wären. Sie wurden für den Moment festgesetzt, bevor sie in einem Prozess verurteilt werden sollen. Dieser würde aber wohl etwas auf sich warten lassen müssen, denn zuerst stand die Bewältigung der humanitären Probleme im Vordergrund. Die Republik hatte Hilfsgüter gesendet, die an zentralen Punkten Refetels verteilt wurden. Durch das beherzte Eingreifen konnte eine humanitäre Katastrophe verhindert werden, aber in den düsteren Gesichtern der Bewohner ließ sich ohne Zweifel erkennen, dass die Stadt in dem Krieg viel verloren hatte.

Andenus und Varanon waren in dieser Zeit sehr beschäftigt. Von Hilfsdiensten, Einsätzen gegen versprengte Truppen und den Ermittlungen innerhalb des Regierungsapparats war viel zu tun. Ihre Hauptaufgabe war aber vermehrt die repräsentative Vertretung republikanischer Interessen. Sie sollten die Hilfe symbolisieren, die die Republik Sataron zu Teil werden ließ und sprachen aus diesem Grund mit den verschiedenen Regierungen der Städte. Hauptfokus lag dabei darauf, die Zusammenarbeit der republikanischen und heimischen Kräfte zu verbessern und die punktuellen Hilfeleistungen der Republik zu größtmöglicher Wirkung zu verhelfen. Das bedeutete viele Treffen, viele Gespräche, viele Abstimmungen. Andenus bemerkte, dass sich der Padawan zwar fähig in Militärtaktik erwiesen hatte, aber in Sachen Diplomatie noch zu lernen hatte: Man merkte ihm oft an, dass er sich nicht ganz wohl fühlte und die langen Monologe von Politikern nicht gerade Spannung bei ihm induzierten. Andenus würde das ansprechen, wenn sie wieder auf Tython waren.

Die Nachrichten, die er aus dem Tython-System erhalten hatte, beunruhigten ihn. Der Stützpunkt auf Ska Gora war Opfer eines mysteriösen Angriffs geworden. Die Details waren aus der Ferne schwer einzuordnen – dennoch schien das, was auch immer die Je’daii befürchtet hatte, schneller einzutreten als gedacht. Ihm war die ganze Sache mit dem Stützpunkt und dem Holocron immer noch nicht ganz geheuer, aber der Angriff zeigte deutlich, dass die Sicherheitsmaßnahmen gerechtfertigt waren. Welche Geheimnisse auch immer Nyadar verbarg, sie zu schützen reihte sich nun zu seinen Pflichten ein.

Pflichten. Andenus hatte im Laufe der letzten Zeit einige davon gesammelt. Lord Kifdas spann irgendwo noch immer seine dunklen Netze, die Ausbildung junger Jedi hatte weiterzugehen, Padawan Niraals Entwicklung ebenfalls und seine philosophische Arbeit ruhte nun auch seit einiger Zeit wegen der vielen Einsätze.

Der Ritter fragte sich, ob er unbewusst so viel auf sich nahm, um dem veränderten Gespür für die Macht näher zu kommen. Seit der Gefangenschaft war die Macht für Andenus unklarer, unschärfer geworden, aber zugleich auf eine spirituelle Art und Weise tiefer. Dadurch, dass er sich mit ganzer Kraft in den Dienst des Ordens stellte, hoffte er mehr Verständnis für die Macht zu erlangen und die neue Ebene, auf der er sie Begriff. Diese Ebene war etwas zutiefst persönliches, etwas das außerhalb des Verstandes war – und Andenus immer noch ein Rätsel. Obwohl diese Begründung durchaus sinnvoll schien, glaubte Andenus nicht daran, dass es der einzige Grund für seinen Eifer war.

Vielmehr war es Verantwortungsbewusstsein, das ihn antrieb. Er war mit der größten Gabe gesegnet, die das Universum zu bieten hatte: Machtsensitivität. Und das verpflichtete ihn alles zu tun, um die Galaxis zu einem besseren Ort zu machen. Das erforderte Opfer – von ihm und von anderen. Ritterin Deikan und Hisoka, Meister Gegorius und Ritter Jarok, sie alle waren im Dienste des Ordens verwundet worden, während er relativ schadlos verblieb. Kifdas Terror hatte ihn gezeichnet und unfassbares Leid zugefügt, doch in den Monaten danach wurde er persönlich geschont während andere leideten. Es war auch ihre Pflicht das auszuhalten, dennoch bereitete ihm die Zunahme der Verletzungen auf den Missionen Sorge.

Als er über den zerstörten Platz schritt, an die Jedi und all die Gefallen dachte, passierte etwas, das sich im Nachhinein nur schwer beschrieben ließ: Obwohl Tod, Schmerz und Furcht noch immer auf dem Platz verweilten und Sorge Andenus Geist beschwerte, spürte er plötzlich Frieden. Frieden und Harmonie in einer Intensivität, wie er sie nicht mal bei der Meditation erlangte.

Er blieb stehen und nahm diesen Augenblick auf. Dort wo Krieg, wo Leid war, schenkte ihm die Macht diesen kleinen Moment des Friedens. Andenus verstand es nicht, aber er nahm ihn an und saugte ihn auf. Er spürte wie sein Geist erwachte, seine Muskeln erstarkten.
Andenus setzte den Weg fort – die Schritte leichter als zuvor.
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24

Sonntag, 15. November 2015, 17:24

Eine lange Nacht


Andenus ließ sich auf der Treppe nieder. Mit der rechten Hand wischte er sich Schmutz aus dem Gesicht und zerrieb ihn zwischen den behandschuhten Fingern. Er spürte das Gewicht der Rüstung nicht, auch wenn er sie schon seit einigen Tagen trug. Wenn man ehrlich war, hatte er sie seit Widerauflammen des Kalten Krieges kaum abgelegt. Der Mantel hing in nassen Fetzen an ihm herunter, an vielen Stellen versengt und durchlöchert.

Der Ritter war noch am Leben und wenigstens ein kleiner Teil der Truppe, die er auf zeramischen Boden kommandierte. Der Plan schien erst aufzugehen, durch präzise Attacken konnten sie die imperialen Nachschubrouten unterbrechen, doch sie vermochten es rasch Verstärkung zu versammeln und brachten der Republik und Andenus Trupp einige Verluste ein.

Doch dabei hatten sie einen Fehler gemacht. Sie hatten ein Ionenflak leicht bewacht gelassen und Andenus Squad konnte es einnehmen. Jetzt waren sie nur noch ein versprengter Haufen von sechs Leuten und sollten das Flak bis zum Morgen halten, bis Verstärkung eintraf.

Der Jedi fühlte sich alt. Die Anstrengungen des langen Krieges hatten die Gesichter seiner Kameraden gezeichnet, die leer vor sich hinsahen. Zuviel Leid hatten sie alle erfahren müssen, zu viele Freunde verloren und Verletzungen erlitten. Andenus fragte sich, ob auch er diese Leere im Blick hatte, ob auch er den Schmerz des Krieges nach Außen trug. Er war ein Jedi und musste seinen Trupp anführen, Hoffnung stiften, Mut machen – auch wenn er einfach nur erschöpft war. Nicht einmal körperlich, denn noch immer war seine Physis von Jahren des Trainings so gestählt wie es nur möglich war. Vielmehr geistig, denn die vielen Kämpfe dieses Jahres – und der Jahre zuvor – setzten dem Ritter mehr und mehr zu. Ordo, Peldam, Coruscant, Xasel, Sataron … und natürlich Festelan: alle diese Orte standen für Gefechte, für Verluste, für Leid.

Andenus klagte nicht, es war schließlich seine Pflicht und er wusste dass jeder Jedi in diesem Krieg einen Unterschied machte. Doch je länger der Kampf anhielt, desto mehr Jedi fielen. War Tython noch in den Zeiten des Kalten Krieges ein lebendiger Ort, voller Jedi, die studierten, meditierten , rasteten oder ausbildeten, war es mittlerweile sehr ruhig geworden. Noch immer waren Padawane und Anwärter dort, doch viele Meister und Ritter hatten den Planten verlassen, um den Krieg gegen das Imperium zu gewinnen. Das Gefühl von Kontemplation war dem von Anspannung gewichen, nicht erst seitdem das Imperium den Tempel angegriffen hatte. Wie lange könnte dieser Krieg noch weitergehen, bevor der Orden vollständig zerrieben war? Bis keiner mehr blieb, um alle die Lehren weiterzugeben, die die Jedi seit Jahrtausenden pflegten?

Mit einem Kopfschütteln versuchte er die dunklen Gedanken zu vertreiben und seinen Geist auf die Macht zu fokussieren. Er spürte ihren vertrauten, sanften Griff um sich und schaute zu seinen Leuten, von dem alle bereits Zuviel des Krieges gesehen hatten. Sie konnten die Macht nicht spüren, sie bauten auf die Republik, auf das Oberkommando, auf die Jedi. Auf ihn.

Der Ritter atmete ein und erhob sich.

Das Imperium würde versuchen, die Handvoll Soldaten, die verblieben waren, auszulöschen, um das Ionengeschütz unter ihre Kontrolle zu bekommen. Andenus würde das nicht zulassen.

Er legte Entschlossenheit in seine Aura, als er mit kräftiger Stimme zu den Soldaten sprach:

„Soldaten, Brüder, es ist spät, wir sind müde, unser Gemüter schwer. Doch wir dürfen jetzt nicht nachgeben. Wir müssen alles mobilisieren, um diese Nacht zu überstehen. Es wird hart, doch wir haben eine Chance. Die Macht ist mit uns, wir werden es schaffen.
Doch wir müssen diesen Stützpunkt befestigen. Ruht Euch noch ein paar Minuten aus, sammelt euch, doch dann werden wir Vorbereitungen treffen.
Vorbereitungen für den Sieg. Für die Republik“

Die Soldaten riefen zurück und klopften mit ihren Gewehkolben auf den Boden.

Andenus verbannte alle Zweifel, ob er den morgigen Tag erleben würde, aus seinem Geist und konzentrierte sich auf die nächsten Aufgaben. Es würde eine lange Nacht werden.
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25

Mittwoch, 18. November 2015, 12:03

Vom Kodex und Kriegsmüdigkeit


Es roch immer noch nach verbranntem Fleisch. Andenus befand sich in einem provisorischen republikanischen Lager, gut 1.000 Kilometer vom Ionengeschütz entfernt, doch die Eindrücke der Nacht dort, hatten sich tief in seinen Geist gegraben.

Andenus Trupp konnte das Flak die Nacht über halten, aber es war die Hölle. Die engen Gänge der Anlage verschafften den Verteidigern zwar einen Vorteil, doch sie waren zu wenige, um daraus das größte Kapital zu schlagen. Franklin, Segujia und Pak waren gefallen, Sergio und Te’keio schwer verwundet. Alle anderen waren alle zumindest leicht verletzt, auch Andenus hatte etwas am rechten Arm und am Rücken abbekommen. Doch die Verletzung beschäftigen den Jedi, sondern das Wissen wieder viele Leben genommen zu haben.

Es waren gewöhnliche Soldaten, die das Imperium zur Offensive gerufen hatten, und deshalb einzeln für Andenus kein Problem. In tiefer Bewegungsmeditation versunken schnitt sich sein Lichtschwert durch die Männer und Frauen, die sich ihm entgegenwarfen. Am Anfang bemühte er sich noch, nur zu verletzen, doch es waren zu viele und er musste zu schnell reagieren, um das Prinzip aufrecht halten zu können. Ein Jedi war für einen normalen Soldaten ein fürchterlicher Gegner – er war zu schnell, zu präzise, zu mächtig für sie.

Andenus hatte sich einmal vorgenommen jeden, der durch seine Klinge starb, im Kopf zu behalten und die Gefallenen zu zählen, aber spätestens nach dieser Nacht war dies ein Ding der Unmöglichkeit. Er hatte keine Ahnung, wie viele er zur Macht geschickt hatte und das Unwissen schnürte seinen Brustkorb zu. Es war sein Gewissen, das unter diesem Druck stöhnte, und Andenus dachte an all diejenigen, die nach der langen Nacht ihren Ehemann oder Bruder, ihre Mutter oder ihre Tochter nie mehr sehen würden. Wie konnte all das Leid einer höheren Sache dienen?

Waren sie noch Friedenshüter, wenn sie solches Leid billigend in Kauf nahmen? Oder waren sie den Sith nicht schon viel näher gekommen, als gedacht?

Der Ritter rief sich den Kodex in den Geist und mit dem rezitieren der vertrauten Zeilen, spürte er etwas Ruhe und Sicherheit einkehren.

Es gibt keinen Tod, es gibt die Macht.

Der Krieg hatte dem Philosophen Idealismus geraubt und es schmerzte ihn, dass ihm das mehr und mehr bewusst wurde. Sie unternahmen nicht mehr gute Handlungen, sondern Handlungen mit einem hoffentlich gutem Ausgang. Im Krieg konnte man nicht nach der moralisch besten Handlung suchen, dafür war Krieg in sich selbst zu grauenhaft. Er führte alle nahe an die Dunkelheit, weil er die schlimmsten Seiten der Lebewesen zu Tage förderte.

Es gibt keine Leidenschaft, es gibt Gelassenheit.

Und dennoch kämpften sie noch. Um die Republik zu verteidigen, für die Freiheit des Einzelnen und Gleichheit vor dem Gesetze. Doch sie führten nicht nur Krieg gegen des Imperium, sondern auch innerliche Gefechte gegen und zugleich für die Republik.

Die Disziplin der Jedi, ihre Unnachgiebigkeit, Beständigkeit und Machtvertrauen stellten das Gewissen der Republik dar, das mit jedem Tag im Krieg wichtiger wurde. Doch zugleich wurden sie immer weniger, der Orden schwächer und schwächer. Dieser Widerspruch mussten die verbliebenen Jedi aushalten, ihn sogar umarmen – denn nur so blieb die Republik ehrlich.

Es gibt kein Chaos, es gibt Harmonie.

Harmonie war die Antwort der Jedi auf diesen Widerspruch. Solange sie mit sich und der Macht im Einklang waren, würden sie auch in der absoluten Dunkelheit, Licht bringen können. Und auch ein Funken reicht, um ein Feuer zu entfachen.

Andenus erhob sich von der Pritsche und legte Stück um Stück seine Rüstung an. Die Griffe waren routiniert, und bereits in wenigen Minuten war der Jedi voll gerüstet.

Er nahm das Lichtschwert in der Hand, fühlte das vertraute Gewicht und hing es an den Gürtel. Auch dafür war es ein Symbol, für den Kampf der Jedi mit sich selber, mit ihren Idealen und mit der Republik.

Zeram war unter republikanischer Kontrolle, doch im System war das Imperium noch immer stark. Besonders auf Gulla hatte das Militär empfindliche Verluste zu verbuchen und es bräuchte ein kleines Wunder, wenn sie mit ihren geschundenen Kräften noch einen Schlag durchführen könnten.

Es war Zeit für die Lagebesprechung. Andenus richtete seinen Geist auf die aktuelle Lage und seine Züge verhärteten sich in Erwartung der kommenden Tage.

Es war seine Pflicht und er würde alles geben, um Republik und Orden zu schützen.
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26

Mittwoch, 23. Dezember 2015, 15:08

Harmonie


Der Ritter fühlte sich merklich erfrischt als er die metallernen Gänge der Devincourt entlangschritt. Nicht nur sein Körper hatte sich von den kurzen Wochen auf Tython erholt, besonders sein Geist war durch die Zeit der Kontemplation wach und so klar wie seit Jahren nicht mehr. Vielleicht war es nicht so sehr der Geist als vielmehr die Seele, die erstarkt war.

Er hatte geplant seine Regenerationszeit auf Tython zu verbringen, doch sah sich genötigt nach Coruscant aufzubrechen, als er auf die Schriften eines antiken Philosophen gestoßen war, der noch vor der Entdeckung der Macht Weisheiten aufschrieb, die Andenus Jahrtausende später tief berührten. Kern der Theorie war „Harmonie“ und dass alles auch „metaphysische Atome“ in sich trug. Die Gedanken des Weisen waren einleuchtend und ließen sich wie maßgeschneidert in seine eigenen Überlegungen zur Macht einordnen. Leider hatte das Archiv auf Tython nicht alle Schriften des Philosophen, der nur als G.W.L. bekannt war, weswegen er an die philosophische Fakultät der Universität Coruscant reisen musste, um das erhaltene Gesamtwerk studieren zu können.

In dem kleinen Kämmerchen, das man ihn als Gastdozenten benutzen ließ, war der Krieg, die Konflikte, die Sith und alles andere in den Hintergrund getreten. Nur das Studium der Macht, nur der eigene Intellekt und die Meditation existierten für den Jedi-Ritter – unterbrochen durch das Anfertigen von Notizen und Anmerkungen.

Die Macht war eine Kraft der Harmonie und alles was die Jedi taten, war auf diese Harmonie ausgerichtet. Dieser einfache Gedanke dröhnte in Andenus Geist wie Donnerhall und aus dieser grundlegenden Einsicht zog er Kraft all das Unheil zu ertragen, dass ihm widerfahren war und noch wiederfahren sollte.

Es gab eine Ordnung der Dinge und diese war harmonisch – wenn er selbst in einem Zustand der Harmonie befand und für Harmonie eintrat, würde auch Harmonie folgen. Und Harmonie war der Wille der Macht. All das Leid das er ertragen, all die Leben, die er nehmen musste, waren im Dienste der Macht, im Dienste der Harmonie.

Diese Einsicht beflügelten den Jedi und stärkten ihn im Angesicht der unheilbringenden Visionen, die die Seher vermehrt von sich gaben. Andenus hatte seine Regenerationszeit nicht nur Philosophie studiert, sondern auch härter als sonst das Training mit dem Lichtschwert durchgeführt. Wenn tatsächlich etwas kommen sollte, wollte er in der besten Verfassung sein sich dem entgegen zu stellen – mit Körper, Seele und Geist.

Mit einem Zischen öffneten sich die Tür zur Brücke. Andenus trat mit gewohnt undurchsichtiger Miene ein und warf einen Blick auf das Planeten-Hologramm. Das Xalos-System war zwar stabilisiert, doch das Imperium konnte noch immer wichtige Gebiete unter Kontrolle halten. Der hohe Rat hatte auf Andenus Bitten, fünf weitere Jedi für das Xalos-System bereitgestellt. Zwar waren zwei davon Padawane und einer nicht älter als 16 Sommer, doch in Zeiten des Krieges war selbst ein unerfahrener Jedi-Padawan eine wichtige Kriegsressource. Der Admiral hatte auch einige weitere Kriegsschiffe samt einiger Fighter-Staffeln organisieren können.

Andenus übernahm in Abwesenheit von Meister Heruba das Briefing, der gerade die Crew der neuen Schiffe instruierte.

Der Ritter wartete einen Moment, bis sich alle Jedi mit der Karte vertraut gemacht hatten und erhob dann das Wort. Wenn die Macht mit ihnen war, würden sie siegreich sein.
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Sonntag, 27. Dezember 2015, 12:48

Im Schützengraben


Andenus atmete in die Handschuhe vor seinem Gesicht, um seine vor Kälte erstarrten Zügen etwas zu wärmen. Während der Rest seines Körpers durch die hochwertige Rüstung vor den eisigen Temperaturen geschützt war, fror sein Haupt. Die bissig kühle Feuchtigkeit, die nachts hereinbrach, machte das Ausharren im Schützengraben zehrend. Besonders die einfachen Soldaten, die nicht die teure Ausrüstung der Jedi hatten, mussten unter dem kalten Klima leiden. Zudem schien es Andenus leichter zu fallen mit Harmonie im Geiste den Strapazen des Fronteinsatzes zu trotzen. Die kurzen Stunden Schlaf – unterbrochen vom widerkehrenden Geheul der Geschütze - genügten dem Ritter, sich zu regenerieren – auch wenn die Erschöpfung langsam Einzug hielt.

Seit zwei Wochen war er bereits auf Gulla und die Tage waren sich in ihrer Monotonie ähnlich. Es ging immer darum eine neue Position im Feindesgebiet einzunehmen, Schützengraben zu übernehmen, Versorgungslinien zu unterbrechen und gegnerische Lager zu zerstören oder für sich zu nutzen. Das erforderte viele Kämpfe und unzählige zurückgelegte Kilometer. Ein Jedi war auf dem Schlachtfeld mindestens so wertvoll wie am Planungstisch, wenn nicht gar wertvoller – das war der Grund warum Andenus und die anderen Jedi das Kommando für verschiedene Einheiten übernommen hatten. Er war kein brillianter Taktiker wie sein ehemaliger Meister, doch hatten ihm die Erfahrungen des Krieges und das Studium alter Meister genug gelehrt, um seinen Intellekt auch in militärisch-taktischen Dingen einsetzen zu können. Hier im eisigen Dreck, wo jeder Moment der letzte sein könnte, war kein Intellekt, keine Philosophie gefragt, sondern nur Disziplin, Kampfgeist und Standfestigkeit.

Der Ritter spürte die unsicheren Blicke der Soldaten auf sich und nahm ihre Zermürbung wahr. Sie waren schon so lange im Krieg und hatten so viele Fronten gesehen, dass sie von Zeit zu Zeit eher wie Droiden als wie Lebewesen agierten. Er konnte es ihnen nicht verdenken und machte sich keine Illusionen, das es ihm ähnlich gegangen wäre, hätte er sich nicht sein ganzes Leben darauf vorbereitet, die Macht als Begleiter und Philosophie als Fundament.

Andenus kannte nichts anderes als den Krieg, sein ganzes Leben als Jedi hatte er gegen das Imperium gekämpft. Er selbst wäre gerne ein Gesandter geworden, jemand der mit Worten und Verstand Konflikte löste anstatt mit Schwert und Ausdauer. Doch Meister Eron Valkaris sah das Talent des jungen Padawan, sich in Bewegung mit der Macht zu vereinen und das Potential darin für den Lichtschwertkampf. Auch wenn er bei seiner zweiten Meisterin vermehrt in diplomatischen Dingen geschult wurde, war sein Weg klar: Er würde als Jedi ein Verteidiger sein, jemand, der sich dem Übel stellte und es niederrang oder dabei starb. Das symbolisierte das Blau seiner Klinge –die Unbezwingbarkeit des Guten, das ewige Feuer, das in den Jedi loderte, um die Unschuldigen zu schützen und Frieden zu schaffen. Das war seine Bestimmung und er würde sie mit Freude erfüllen.

Der kalte Wind heulte durch den Graben und der Ritter nahm im Augenwinkel wahr, wie einige Soldaten sich stärker in ihre Jacken eingruben. Der Krieg hatte nicht nur die Moral der Truppen angegriffen, auch die Ausrüstungslage war mangelhaft. Auch wenn Fabriken am laufenden Band Waffen, Rüstungen und Militärisches Gerät ausspuckten, waren viele Soldaten an der Front nicht optimal ausgerüstet. Und dennoch kämpften sie. Die meisten für die Werte der Republik, für die Freiheit des Einzelnen, für Rechtstaatlichkeit und Demokratie.

Andenus hatte bereits einige Männer und Frauen verloren, doch mit einer Prise Unwohlsein stellte er fest, dass ihn der Tod der Soldaten nicht mehr so anfocht wie noch vor Jahren. Es hatte sich eine Gewöhnung eingestellt – die er zwar mit dem Argument sie seien jetzt eins mit der Macht zu relativieren versuchte, aber dennoch einen bitteren Geschmack in seinem Mund hinterließen. Ihre Seelen würden Einzug in die Macht finden, daran zweifelte er nicht, doch hätte jeder von den Gefallen noch soviel Gutes in der Welt der Lebenden leisten können.
„Meister Dexter...“ hörte er neben sich. Sergeant O’Really lehnte sich zu ihm. „wir bekommen gerade Nachricht rein, dass der Feind sich unser Position nähert. Wir sollten uns bereit machen“

Der Jedi nickte und wies die Soldaten in knappen Befehlen an, sich bereit zu machen. Dann hielt er einen Moment inne, er konnte die herannahenden Imperialen in der Ferne spüren, dch wurden ihre Auren von einem Punkt voller Zorn überschattet. Ein Sith bildete die Vorhut der Truppen.

Andenus wusste was er zu tun hatte und sagte zu O’Really: „Sergeant, das ist mein Kampf. Behaltet die Flanken im Auge und eröffnet das Feuer sobald mein Lichtschwert erlischen sollte.“ Der Soldat nickte und Andenus machte einen Satz aus dem Graben heraus.

Im Nebel konnte er den Sith nicht sehen, aber durch die Macht spürte er ihn und der Jedi war sich bewusst, dass ihn sein Gegner ebenso wahrnahm. Nur noch wenige Meter trennten sie, als Andenus das Zischen zweier Lichtschwerter vernahm. Das tödliche Rot der beiden Klingen setzte sich klar vom Nebel ab und Andenus zögerte nicht, ebenfalls sein Lichtschwert zu aktivieren.

Der Sith stürmte auf ihn zu und der Jedi antwortete mit klassischen Soresu-Sequenzen. Er spürte das Adrenalin durch seine Venen pumpen, doch achtete darauf es nicht die Kontrolle übernehmen zu lassen. Viele Jedi vertrauten auf Adrenalin und nutzen es im Kampf, Andenus aber hinderte der Botenstoff sich ganz auf die lebendige Seite der Macht einzulassen, die seine Klinge zu führen hatte. Das war der Grund warum er auch im Kampf völlige Ruhe ausstrahlte und fast meditativ die gegnerische Klinge abwehrte.

Der lodernde Hass des Sith brandete an die ruhende Harmonie des Jedi – einer schäumenden Flut gleich, die auf einen stoischen Felsen trifft.

Er nutzte Machtgeschwindigkeit, um die beiden Klingen mit seiner einzigen abwehren zu können. Sein maskierter Gegenüber war ein fähiger Kämpfer, doch Andenus war geübt im Kampf gegen zwei Klingen, gegen Hisoka und letztens gegen Meister Vandorack hatte er seine Technik weiter verbessern können.

Mit knappen und kraftsparenden Bewegungen wehrte er die Angriffe des Siths ab, ohne viel Grund zu verlieren. Normalerweise würde er einfach warten bis sein Gegner ermüdetet, der in einer Mischung von Juyo und Ataru versuchte den Jedi niederzuringen. Doch die Truppen waren im Anmarsch und er sollte sich in eine defensive Position begeben, bevor sie eintrafen.

Mit einem Machtstoß warf er den Angreifer einige Meter zurück und schaltet in einer fließenden Bewegung auf die präzisen Streiche des Makashi. Mit der Macht verstärkt ging er in den Gegenangriff über und zwang seinen Gegner mit beiden Klingen abzuwehren, da sonst seine rohe Kraft die einhändig geführten Klingen mühelos durchbrochen hätten.

Der Sith versuchte einen Angriff, doch Andenus sah in kommen und trennte dem Feind mit einer schnellen Bewegung die linke Hand ab. Sein Gegner heulte auf und Andenus trat ihm gezielt in die Magengrube, was den Sith zurückfallen ließ. Einen kurzen Moment kontemplierte der Jedi, ob er seinen Gegenüber leben lassen sollte, doch kam zu dem Schluss, dass es die Mission zu sehr gefährden würde.
Das hatte also der Krieg mit ihnen gemacht, dachte der Jedi bei sich als er mit einem schnellen Streich den Sith eins mit der Macht werden ließ: Die Frage ob ein Leben ausgelöscht werden sollte oder nicht, war nicht mehr von Prinzipien getrieben, sondern von der praktischen Notwendigkeit, die der Krieg forderte. Wenn das Überhand nahm, und ihre Entscheidungen nur noch auf Praktikabilität nicht aber auf Moral basierten, waren sie korrumpiert und einen Schritt weiter in die Richtung, die sie zu bekämpfen hatten.

Das Lichtschwert immer noch aktiviert kehrte er zu den Soldaten zurück, außer Atem von dem intensiven Lichtschwertkampf.

„Meister Dexter, gut Euch wohlauf zu sehen.“
„Sergeant, wie ist die Lage?“ Andenus deaktivierte das Schwert.
„Der Rest der Truppen dürfte maximal zwei Klicks entfernt sein, unsere Sensoren werden aber gestört.“
„Befestigt Position Aurek und Besh und konzentriert euch auf die Sicherung der Korridore A bis D. Ich werde Korridor E und F abdecken.“
„Verstanden, Meister Jedi“

Andenus atmete kurz durch und sammelte sich. Die warme Luft aus seinen Lungen wurde zu Rauchwolken in der kalten Nacht. Dann richtet er seinen Blick nach vorne und spürte wie sich seine Kieferknochen anspannten.

Auch heute würden sie siegreich sein. Die Macht war mit ihnen.
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28

Dienstag, 5. Januar 2016, 18:12

Belagerung


Der Ritter betrachtete den holografischen Lageplan vor sich. Die Stadt Hijabi, welche die Einheiten der Republik einnehmen sollten, lag in schimmernder Schemen vor seinen Augen und Andenus prägte sich die Eigenheiten aufmerksam ein.

Sie waren in der letzte Woche gut vorrangekommen und konnten die verstreuten Truppen des Imperiums zurückschlagen. Auch sie hatten einige empfindliche Verluste zu erdulden, aber noch immer in der Überzahl gegenüber dem Imperium – wenn die Informationen korrekt waren. Die Überreste der imperialen Armee in diesem Sektor, hatten sich nach Hijabi zurückgezogen und sich befestigt, um der Republik einen möglichst aufreibende Belagerung aufzuzwingen. Die Stadt befand sich in einer passablen Verteidigungsposition und es würde nicht einfach sein dort einzudringen ohne sich selbst völlig aufzureiben.

Warten und aushungern war die andere Möglichkeit, doch diese Option würde an der unschuldigen Zivilbevölkerung, die das Imperium besetzt hielt, das größte Leid anrichten.

Andenus ließ seinen Blick durch die Anwesenden schweifen. Sergeant O’Really ,Captain Bara’vulla, die eine 100 Mann starke Truppe anführte und mit der sich Andenus Einheit vor einigen Tagen vereint hatte, und Varanon.

Der Ritter warf einen Blick auf den etwas abseitsstehenden Padawan, der die Karte aufmerksam zu studieren schien. Er hatte vor einer Woche einige leichte Verletzung erlitten und war nach der Zwangspause erst kürzlich wieder zu ihnen gestoßen. Obwohl Varanon ganz ander war als Hisoka, zeigte auch er manchmal die Übereifrigkeit, die er noch von seiner ehemaligen Padawan kannte. Beide trauten sich sehr viel zu und vertrauten ihren Fähigkeiten noch zu sehr, was zu Fehleinschätzung führen konnte. Varanon hatte sich eigenmächtig einigen Soldaten entgegengestellt und in die Offensive geschaltet, bevor Andenus bereit war. Der Ritter vermochte Schlimmeres zu verhindern als er das Feuer auf sich zog und den Padawan deckte, dennoch war es unnötig gewesen. Allerdings würde der Fehler dem Padawan helfen, es beim nächsten Mal besser zu machen. Er würde lernen müssen auch in solchen Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren und der Macht im Augenblick zu folgen, wenn er die Prüfungen bestehen wollte.

Dennoch hatte der eifrige Padawan Fortschritte gemacht. Andenus konnte die Anstrengung und Auszehrung des langen Fronteinsatzes aus den Zügen Varanons lesen und zugleich das innere Feuer, das sich entzündet, wenn man viel Leid gesehen hat. Die harschen Umweltbedingungen taten ihr übriges, um dem jungen Varanon zuzusetzen. Dennoch hielt er sich gut, diszipliniert, aufmerksam und mit scharfen Verstand analysierend – ohne aufdringlich zu sein, sondern gehorsam. Andenus schien es, dass er durch die Erfahrungen der letzten Woche ernster und fokussierter geworden war – erwachsener war wohl die akkurateste Entscheidung. Es war gut, dass er nach den Jahren des Studiums die Härte des Jedi-Lebens kennenlernte und der Ritter achtete darauf auf den Padawan keine Rücksicht zu nehmen. Er wusste, dass er ihn auch im Training hart antrieb, aber er hatte bereits zu viele Jedi im Krieg fallen sehen – sein Padawan würde er bestens rüsten. Er musste ein Schmunzeln unterdrücken, als er sich an die harten Übungsstunden erinnerte, die er mit Meister Eron hatte und wie oft er sich gelobt hatte, etwas nachlässiger mit seinem eignen Padawan zu sein. Jetzt machte er es genauso und konnte verstehen, wieso der alte Echani ihn konstant überfordert hatte.

Andenus riß sich aus seinen Gedanken und konzentrierte sich auf die Stimme der Captain. Sie votierte für einen direkten Angriff, der Sergeant war dagegen und für Aushungern. Der Ritter strich sich nachdenklich über den Bart. Hinter seiner hohen Stirn arbeitete der Verstand einen Weg zu finden, der so wenig Leid wie möglich verursachte und zugleich die größten Siegchancen hatte.

„Wir könnten versuchen mit den Bewohnern über offene Koms zu sprechen und ihnen mitteilen, dass die Stadt umzingelt ist, die Republik aber freies Geleit aus der Stadt verspricht. Das Imperium wird das nicht zulassen wollen und vielleicht bringt es die Bewohner dazu einen Widerstand zu organisieren. Das könnte ihre Kräfte binden, da sie an zwei Fronten kämpfen müssenn und uns einen weniger verlustreichen Einstieg ermöglichen.“

Andenus sprach den risikoreichen Plan aus.

„Aber das gefährdet die Bewohner doch noch mehr, oder etwa nicht. Meister?“ sagte der Padawan.

„Die Bewohner sind alle bereits in größter Gefahr. Wir geben ihnen einen Grund ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Und dann diese Sache möglichst schnell beenden zu können.“

Andenus wusste, dass das eine ziemlich kalte Herangehensweise war und noch vor einigen Jahren hätte er sich geschämt eine Idee wie diese vorzutragen. Doch er hatte die Notwendigkeiten, die der Krieg denen aufzwang, die Entscheidungen treffen mussten, akzeptiert. Es gefiel ihm nicht einfache Leute zu den Waffen zu rufen, damit sie die Stadt einnehmen konnten, doch alle anderen Pläne waren entweder zu riskant oder noch grausamer. Wie so häufig gab es keine gute, keine „helle“ Entscheidung.

Der Hüter runzelte die Stirn und schluckte den metallernen Geschmack herunter, der sich in seinem Mund gebildet hatte.

Die folgende Diskussion mit den Offizieren verlief angeregt, aber am Ende wurde dieser Plan in Grundzügen beibehalten. Man würde versuchen die lokale Bevölkerung zum Kampf gegen das Imperium zu animieren und dann an richtiger Stelle zuzuschlagen.

Doch nicht per Kom sollte das Unterfangen stattfinden, sondern persönlich. Andenus und Varanon würden versuchen unentdeckt einzudringen, um „offene Ohren“ zu finden und die generelle Informationslage zu verbessern.

Es war für die Jedi extrem riskant, doch für alle anderen nicht sonderlich risikoreich. Die Macht würde zeigen, ob sie erfolgreich waren oder in den kalten Straßen Hijabis eins mit der Macht würden.

Andenus nickte Varanon zu, es galt sich vorzubereiten.
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29

Montag, 11. Januar 2016, 16:00

Ruhe vor dem Sturm

Andenus aktivierte das Musikstück auf seinem COM-Link und die wogende Walzermelodie erklomm sanft die Baumwipfel. Der Jedi nahm die Kälte nicht wahr, die von dem Stein ausging auf dem er saß, sondern ließ sich mit geschlossenen Augen durch die Töne treiben.

Die Nachricht, dass der Kontakt zu Ritterin Deikan abgebrochen war und sie nun mitten auf dem Schlachtfeld auf sich alleine gestellt war, hatten den Jedi doch getroffen. Die treue, pflichtbewusste Freundin würde ihm hier auf Tython fehlen. Es war ein Hauch Egoismus in dieser Feststellung und Andenus war sich dessen durchaus bewusst, auch wenn er dem nicht ganz so viel Bedeutung zumaß. Egoismus war ein Charakterzug mit dem ihn die Macht verschont hatte, sein Pflichtbewusstsein war zu groß für Selbstbezogenheit. Dennoch tat es gut, diese Emotion für einen Moment frei zu lassen.

Mit einem Schmunzeln erinnerte er sich an ihre Beharrlichkeit – egal ob es sich dabei um seinen Genesungsplan oder seine Einstellung Ihr gegenüber ging. Mit welchem Stursinn sie ihre Finger in – metaphorische - Wunden legen und zugleich unter all dem Pflichtbewusstsein eine so sanfte Person sein konnte, war für Andenus faszinierend. Möge diese Beharrlichkeit und Standfestigkeit ihr weiterhin gute Dienste leisten und sie zu einer guten Kraft des Hellen machen. Wenn es der Wille der Macht war, würde er sie wiedersehen und wenn sie eins mit der Macht werden sollte, würde sie endlich Frieden in dieser unruhigen Zeit finden.

Ein sanftes Lächeln kräuselte seine Lippen. Er war hier völlig machtlos, denn egal wie er sich fühlte und was er tat – es hätte keinen Einfluss auf die Lage der Ritterin. Deswegen durfte er der Macht und dem Talent der Jedi vertrauen, welchen Ausgang das auch immer haben sollten. Das hatte er auch Padawan Aquae gesagt, die die Nachricht von Ritter Deikans Kontaktabbruch getroffen zu haben schien. Seit er mit Aloncor darüber gesprochen hatte, hatte er die Padawan vermehrt beobachtet. Es war nicht seine Aufgabe über sie zu urteilen, doch wollte er sichergehen, dass sie dem Leben als Jedi gewachsen war. Wie auch Hisoka war sie einst eine Sith, und sogar ein Lord – das musste Spuren hinterlassen haben. Es war allerdings kein Misstrauen, dass er gegenüber der Frau empfand, sondern eher eine Mischung von Respekt und Vorsicht. Und wenn Aloncor ihr vertraute, dann war das für Andenus genug – schließlich war er der Empath von den beiden.

Das Sparring, das er mit der Padawan daraufhin durchführte, war dennoch aufschlussreich. Andenus betrachtete Kämpfe, Sparrings und Dulons anders als viele andere, denn dort schlug die Prägung seines alten Echani-Meisters an. Der Ritter konnte in den Bewegungen des Kampfes „lesen“ und vermochte dadurch im Kampf ein Abdruck des Charakters zu erfassen. Was er las stimmte ihn positiv – sie war eine gute und hingebungsvolle Kämpferin mit technischer Finesse und kluger Taktik in Soresu, doch zugleich schien sie eine gewisse Skepsis gegenüber der Bewegungsmeditation auszuzeichnen. Es war als ob sie sich noch nicht ganz von der Technik des Verstandes in die Arme der Macht begeben konnte, unsicher war sich dort befand. Das war ein Kampf, den sie noch mit sich ausfechten musste, doch Andenus war zuversichtlich, dass es die wache Padawan bestehen würde.

Die Musik endete und es folgte ein zweites Lied, das den typischen Walzer etwas flotter interpretierte. Andenus fühlte die Ruhe und Gelassenheit wieder zu sich zurückkehren, als er in der Kälte auf der Lichtung nahe des Tempels saß und Tythons reiche Machtfülle wie glasklare Luft in sich aufsog.

Die Mission auf Gulla war erfolgreich gewesen, auch wenn sie anders änderte als gedacht. In Hijabi fanden die beiden Jedi tatsächlich keine Widerständler, zu sehr waren sie von Angst geprägt. Aber wie die Macht so spielte, konnten sie dennoch Kapital aus dem Einsatz schlagen. Varanon und er entdeckten zwei relativ unbewachte Routen, die bei einer Offensive genutzt werden konnten, und konnten selbstgebaute Sprengsätze an zwei Kommunikationsverstärkern anbringen. Damit vermochten sie Hijabi zu befreien, auch wenn sie Verluste zu verzeichnen hatten. Und anstatt froher Kunde wartete am Ende die Botschaft, dass Jabbu vom Imperium eingenommen wurde. Wann auch immer die Republik einen Schritt voran machte, zwang sie das Imperium an andere Stelle einen Schritt zurück. Wie sollte dieser Krieg jemals enden, wenn es keine klaren Siege mehr gab und beide Seiten so vorsichtig agierten?

Wenn Mesterin Derak und Nyadar Recht behielten, würde sich das sowieso bald ändern. Laut ihnen zog eine neue Kraft in den unbekannten Regionen auf, die das Imperium und die Republik gleichsam anzugreifen gedachte. Was für eine Macht konnte es sein, die es mit beiden Parteien aufnehmen konnte. Andenus schauderte leicht.
Kräfte sammeln – das war das Gebot der Stunde. Ruhe lag in der Luft und Andenus ahnte, dass sich diese bald in einen kräftigen Sturm wandeln würde.

Was auch immer kommen würde, der Ritter würde bereit sein.
Wieviele Schlachten er auch immer schlagen musste, er würde nicht wanken.
Wieviele Jedi auch immer fielen, er würde aufrecht stehen.
Das war seine Bestimmung.
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30

Freitag, 22. Januar 2016, 17:26

Rückflug


Andenus spürte wie ihn eine leichte Übelkeit überkam und sich in seinem Kopf ein dumpfes Gefühl ausbreitete. Trotz all der Jahre, die er mittlerweile auf Schiffen verbracht haben durfte, leidete er noch immer an Unwohlsein wenn sich ein Raumgefährt erhob oder einen Hypersprung durchführte. Es war nicht nur die Zunahme von Geschwindigkeit, die seinen Mangen rebellieren ließ, sondern auch die Leblosigkeit der Umgebung. Auf Raumschiffen herrschte die Technik und nicht wie auf der Planetenoberfläche die Natur. Die gefilterte Luft schmeckte künstlich, Gravitation war graduell anders, keine Pflanzen oder Tiere belebten seine Machtwahrnehmung. Für einen Jedi, der in den Augenblicken der Lebendigen Macht lebte, die von der Fülle des Moments, des Selbst und des Lebens um ihn herum bedingt wurde, war ein Raumschiff ein trostloser Ort.

Der Ritter war allerdings geübt genug, dass ihn dieses Unwohlsein nicht lange im Griff behielt. Mit geschlossenen Augen versank er in den ersten Minuten des Fluges in sich und kräftigte sich an seinem Inneren, seiner Seele, um sich und seine Umwelt wieder in Harmonie zu bringen. In diesem Moment war das sogar etwas schwieriger als sonst, da ihn die Bilder von Avast noch lebhaft in der Erinnerung hafteten. Nicht nur die Bilder, auch der deutliche Abdruck in der Macht, den das Leid des Planeten hinterlassen hatte. Andenus hatte schon viele solcher Planeten gesehen und dennoch kostete es ihn immer noch viel Kraft die Wucht der Emotionen von sich zu schütteln, die solcherlei Zerstörung hinterließ. Während der Mission war sein Geist fest, seine Disziplin gestählt durch die Lebendige Macht, doch danach spürte er die Barrieren bröckeln und sah sich dem Leid ausgesetzt dessen er Stunden zuvor Zeuge war. Er hatte in diesen Fällen eine gewisse Routine entwickelt, um wieder zu sich und zu Harmonie zu finden, doch obwohl die Schritte dafür fest in seinem Geist verankert waren, dauerte es einige Zeit, bis er sich wieder gefunden hatte.

Die Übelkeit ebbte ab, er öffnete die Augen und begann die Mission zu analysieren. Dass der Rat die unbekannte Bedrohung ernst nahm, die sich in den Visionen der Seher und Nyadars Prophezeiung manifestierte, sah man an der Zusammenstellung der Einsatzgruppe. Zwei Meister, fünf Ritter und zwei Padawan waren eine deutliche Antwort auf den Notruf, vor allem wenn man von der geringen Zahlen der Jedi gedachte, die abrufbar waren. Dass sie „nur“ Katastrophenrettung betrieben konnten, warf ein interessantes Licht auf den Aggressor. Er hatte keine Außenposten errichtet und soweit Andenus sehen konnte, auch keine Ressourcen akquiriert. Warum also angreifen?
So ein Vorgehen widersprach der Vernunft und Zerstörung aus reiner Lust schien auch nicht mehr der gewöhnlicher modus operandi des Imperiums, das, wie auch die Republik, mit schwindenden Ressourcen zu kämpfen hatte. Der Jedi fuhr sich gedankenverloren über die Hakennase. Das waren sehr wenige Erkenntnisse – das musste Andenus gestehen. Zumindest konnte er sich ein besseres Bild von seinen Mitstreitern machen.

Sein Blick richtete sich auf Ritter Djerak, dessen gerunzelte Stirn und angespannten Kiefer einen gewissen Missmut erkennen ließen.
Er war zu Beginn etwas mit Meister Vandorack aneinandergeraten, als sich die Koordination hinzog. Aufgrund seiner Erfahrung und momentanen Rolle schätze ihn Andenus als einen klugen Geist ein, was militärische Strategie und Taktik anbelangte, und das war wohl der Grund warum er deutlich wurde, als wertvolle Zeit verstrich. Andenus war ruhig geblieben, ganz der Soresu-Anwender, der er war, und wartete lieber ab, während Ritter Djerak deutlich seine Meinung sagte. Diese Deutlichkeit ... vielleicht war der Ritter ja ein Djem-So-Anwender, jemand der mit Kraft und Bestimmung seine Meinung vertrat. Es schien jedenfalls zu passen. Vielleicht würde er mit ihm darüber einmal sprechen, im Moment sah er nicht danach aus, als ob er reden wollen würden. Ob es an der Mission lag oder ob der Ritter Fliegen ebenso „schätze“ wie Andenus, stand in den Sternen.

Meister Vandorack – Andenus Blick schweifte weiter – hatte scheinbar wie die Missionsleitung inne gehabt. Seine Miene wirkte ebenfalls verschlossen, warum wusste der Philosoph nicht. Ihn konnte er etwas besser einschätzen, schließlich hatten sie schon gegeneinander gesparrt und der Kampf offenbarte viel über das eigenen Selbstverständnis. Der Meister benutze Juyo, eine Form, die Andenus mißachtete. Emotionen in dieser Intensität zuzulassen und dann noch im Kampf anzuwenden ... eine Narretei und eines Jedi nicht würdig. Kaum den Gedanken zuende gedacht, scholt sich Andenus für diese Arroganz. Es war nicht an ihm, über andere zu richten, besonders wenn sie Meister waren. Unabhängig davon, ob er meinte, dass sie den Kodex falsch interpretierten. Vielleicht war es gerade diese Juyo-Mentalität die den Meister zu Beginn zögern ließ im Versuch seine Emotionen unter Kontrolle zu halten. In dem Bemühen sich zurückzuhalten, überspannte er den Bogen und wurde deshalb zögerlich. Interessanter Gedanke...

Ritter Jarok. Den jungen Ritter konnte er nicht sehen, er war wohl im Cockpit. Ihn kannte Andenus schon länger und hatte bereits eine Mission mit ihm absolviert. Er hatte etwas Kompromissloses an sich, das dem Denoner imponierte. Es war diese Kompromisslosigkeit von Form V, die aus ihm sprach und mit ihm manchmal auch durchzugehen schien – was er letzte Mission schmerzlich erfahren musste. Zumindest waren die Brandwunden gut verheilt, schien es Andenus. Und vor allem war er froh, dass Ritter Jarok mit dabei war, da er ein exzellenter Pilot war – ein Talent das dem Ritter aus offensichtlichen Gründen gänzlich abging.

Ritterin Prawl war schwierig einzuschätzen. Sie schien auf eine Art und Weise verbissen und auch in ihr nahm er diese Kompromisslosigkeit wahr, die auch Ritter Jarok auszeichnete. Wohl auch eine Djem-So-Anwenderin, dachte er bei sich. Ihre Augen hatten etwas Stierendes an sich – es war ein Blick der keine Fehler duldete. Den Schmerz der Verwundung, die sie erlitten hatte, schien sie zu ignorieren, denn ihre Züge spiegelten dieselbe Verbissenheit wie zu Beginn der Mission.

Waren das die Ritter, die der Krieg hervor brachte? Waren das Ritter, die der Orden brauchte? Andenus war sich bewusst, dass es ebendiese Standfestigkeit brauchte um den langen Krieg zu überstehen, dennoch stimmte es ihn traurig, dass die Gelassenheit der einzelnen Ordensmitgliedern darunter zu leiden hatten.

Meister Gregorius saß nicht weit von ihm. Seine Miene war undurchschaubar als er sich mit der Hand über die unrasierte Wange fuhr. Andenus kniff leicht die Augen zusammen, um den alten Meister zu lesen, doch er konnte ihn nicht einordnen. Er hatte sich bisher als klug, weise und weitsichtig erwiesen, auch wenn er die Führung Meister Vandorack überließ. Der Ritter wusste, dass er ein Ataru-Spezialist war, jemand, der nicht nur Beweglichkeit im Kampf zeigte, sondern auch im Geist. Doch wie er ihn so betrachtete, könnte er auch alles andere verkörpern. Er lächelte gerade Hisoka zu, anscheinend hatten sie eben etwas besprochen.

Hisoka schien es gut zu gehen. Er vermochte ihre Emotionen nicht mehr so wahrzunehmen, wie früher, als er noch ihr Meister war, doch wirkte sie ... irgendwie fidel. Andenus runzelte die Stirn als er darüber nachdachte mit welcher Leichtigkeit sie den Terror des Planeten an sich vorbeiziehen ließ, wie fokussiert sie war und sich nicht von irgendetwas ablenken ließ. Das war eigentlich etwas Gutes, doch Andenus war sich unsicher, ob sie nur vor dem Leid, das auch sie durch die Macht spüren sollte, weglief oder sich damit zu einem anderen Zeitpunkt auseinandersetzte. Ihr Reifegrad schwankte sehr als sie sein Padawan war, insofern schien ihm Vorsicht angemessen.

Mit der jungen Ritterin Tinala Baan hatte er zu wenig Zeit verbracht, um sich ein Urteil zu erlauben. Sie wirkte gehorsam und zielgerichtet, aber darüber hinaus blieb sie für den Jedi ein unbeschriebenes Blatt.

Padawan Jedora T’an kannte er ebenfalls zu wenig. Dennoch wirkte sie reifer als Hisoka, obwohl sie nicht viel älter sein konnte. Sie schien sich ihrer Rolle in der Galaxis klarer, ihrer Bestimmung näher zu sein als seine ehemalige Padawan. Sie übernahm die Initiative, wenn es notwendig war und hielt sich zurück wenn sie keinen Beitrag leisten konnte. Das war ein wichtiges Gespür für einen Jedi, denn Timing war häufig alles.


Eine interessante Truppe hatten die Meister zusammengewürfelt. Und obwohl sie zumindest einigen Wenigen Linderung und Hilfe bringen konnten, waren sie doch zu spät gekommen.

Andenus Miene spiegelte wie üblich Neutralität als er seine Hand zu einer Faust ballte und sich leicht straffte. Dass der Feind ihnen heute entgangen war, war kein gutes Zeichen. Alles deutete daraufhin, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis er sich zeigte.

Würden sie bereit sein?

Andenus warf einen Blick zu seinen Ordensgeschwistern.

Mit der Macht würden sie alles bestehen, was die Zukunft brachte.
Andenus Dexter| Story: Der Preis der Pflicht

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31

Samstag, 30. Januar 2016, 13:40

Machtvertrauen

Andenus spürte wie die Macht heilend durch seinen Körper pulsierte. Sie war nicht warm, nicht kalt sie war einfach. Es gab keinen Sinn, der das Gefühl der Macht beschreiben konnte, sie war komplex und simpel, erfrischend und beruhigend, fokussiert und allumfassend. Der Jedi nahm wahr, wie die Schmerzen nachließen, dass sie nur noch Dumpf seinen Geist zu okkupieren vermochten.

Die Macht war das stabile Element in einer Situation, in der Vertrautes zu einer Fratze verkam.

Tython war zu einer Todesfalle, der Tempel zu einem Grab mutiert. Der Planet, der wie kein anderer von der Erhabenheit der Macht durchsetzt war, bat den Jedi keinen Schutz, es schien so als ob er selbst verrohte. Andenus spürte wie Machtstürme durch die weiten Flächen des Planeten brachen, als ob der Planet selber Teil des Krieges war, den die Jedi eine Dekade lang von ihm fernhalten konnten. Die Macht, die Tython aus jeder Pore atmete, war übersäht vom Leid der Verwundeten, von der Furcht der Unsicheren und dem Zorn der Gerechten. Andenus musste kein Empath sein, um diese Eindrücke aufzunehmen, die sich glühendem Eisen gleich, das Fleisch versengt, in die Macht gebrannt haben. Der Tempel selber, der friedliche Zuflucht sein sollte, war zu ihrem letzten Stand geworden. Leichen türmten sich in den Gängen – die Macht rief alle zu sich zurück: Kind, Padawan, Ritter, Meister. Er hatte Freunde gesehen, mit denen er noch vor Tagen über Philosophie sprachen, Jünglinge, die keine zehn Jahre alt waren, wie sie vom Tod entstellt und mit verzerrter Miene diese Welt verlassen hatten. Das Sterben so vieler machtsensibler Wesen in so kurzer Zeit ließ die Macht vibrieren, erschauern, so schien ihm und machte sie unkenntlich. Es war als ob sein Geist sich vor dem Leid zu schützen suchte, das die bloße Wahrnehmung der Macht versprach, als ob er Abstand suchte. Es kostete Andenus starke Disziplin sich nicht zu verschließen, sondern die Macht in ihrer Fülle aufzunehmen. Der Ritter spürte wie seine Seele sich in Schmerzen wand als die Macht voll der Emotionen der letzten Stunden in ihn eintrat, doch jetzt war nicht der Zeitpunkt sich von der Macht abzuwenden, jetzt war der Zeitpunkt sich ihr zu ergeben.

Der Boden erbebte und Putz bröselte auf den Jedi herab, doch er nahm nichts wahr. Er war in sich gekehrt während die Macht langsam seine Verletzungen heilte. Kleinere Verletzungen, das war das einzige, was er vom Kampf trug.

Er hätte fallen sollen wie die anderen Jedi, die sich dem unbekannten Feind entgegenstellen sollten. Es war ihm unerklärlich wie er so unverwundet die Invasion überleben konnte. Erinnerungsfetzen brachen hervor, wie das Shuttle auf sie feuerte, Raketen in ihre Richtung flogen und seine Klinge sich mit einer Lichtschwertlanze kreuzte – sie alle verschwammen vor seinem inneren Auge, nur eine Situation war ihm in den Geist geritzt geblieben: Mit den Kräften fast am Ende, Meister Gregorius blass und ausgelaugt, Ritterin Raryks und der zabrakischer Ritter Nelur verwundet mussten sich den Feinden entgegenstellen. Der Sieg war aussichtlos und in diesem Moment, war seine Bestimmung so klar wie selten zuvor. Er sammelte alle Macht, zwang seinen Körper sich zu stählen und den anderen die Chance zur Flucht ermöglichen und stürmte auf die drei Gestalten zu, wohlbewusst, dass das sein letzter Moment in dieser Welt war. Was es auch immer war, das der Meister tat als er sein Bewusstsein opferte, um alle von den Beinen zu reißen – das war der Moment, der sein Leben rettete.

Nur Dank der Macht hatte er überlebt. Doch warum er? Warum nicht die anderen? Warum wurde er geschohnt, wenn seine Freunde vergingen?

Andenus wusste es nicht.

Und nun? Tython war verloren, Flucht die einzige Möglichkeit, um den Orden zu retten. Die Meister hatten einen Plan entworfen, der riskant war, aber zumindest die Chance auf Erfolg versprach. Eine Gruppe der verbliebenen Jedi sollte die Kräfte des Feindes auf sich konzentrieren, damit die anderen zur Infinity fliehen konnten. Die Jedi, die sich dem Feind entgegenstellten, würden sterben, damit die anderen leben konnten.

Es gab Freiwillige für das Selbstmordkommando und Andenus wünschte sich ein Teil davon zu sein. Er hätte bereits vor einigen Stunden sein Leben für die anderen lassen sollen, vielleicht war das der Grund warum ihm die Macht noch ein paar weitere lieh.

Padawan Coopra wollte sich ebenfalls dafür melden, doch Andenus hatte ihr den Rat gegeben in sich zu gehen, und ihre Motivation zu erforschen. Viele meinten es wäre ihre Pflicht zu sterben, die Pflicht tapfer zu sein. Doch das war nicht die Pflicht der Jedi: Der Macht dienen, das war ihre Aufgabe. Er hatte der jungen Padawan den Ratschlag Meister Urrs mitgegeben, über den er sich auch als er einst Padawan war den Kopf zerbrochen hatte:
„Tapferkeit im Kampf beweist nichts. Tapferkeit überhaupt beweist nichts. Ein Jedi sollte bereit sein, Furcht, Bedauern und Ungewissheit fortzuschieben, und entweder kämpfen, fliehen, aufgeben oder sterben.“

Nie waren Meister Urrs Worte wichtiger als diesem Moment als sich Andenus fragte, warum er bleiben wollte. War es nicht der einfachere Weg sich heute der Macht zu übergeben als das ewige Joch des heutigen Verlusts mit sich zu tragen? War es nicht eigentlich Feigheit nicht mit dem Leid leben zu wollen, die sich als Tapferkeit und Opferbereitschaft maskierte? Es war für ihn schwerer zuzulassen, dass andere für ihn ihr Leben gaben als selbst das seine zu opfern. War er stark genug, das zu ertragen? Ihr Opfer anzunehmen, um den Orden in sich weiterleben zu lassen? Das war die alles entscheidende Frage. Nur wenn er stark genug war, nur wenn Jedi genug war würde er sich der Gruppe anschließen können, die die Flucht versuchte.

In diesem Moment wurde ihm seine eigene Unvollkommenheit bewusst, seine Schwächen. Wie sollte er das entscheiden? Es gab hier keine richtige, keine falsche Entscheidung - nur die eigene Entscheidung un die Notwendigkeit mit den Konsequenzen zu leben.

Just jetzt spürte er die Macht in seinem Geist. Nicht den Teil, durch den das Leid vibrierter, und auch nicht das Element, das die Stürme auf Tython verursachte, sondern so etwas wie eine persönliche individuelle Macht, die sich durch gegen all die anderen Eindrücke und Gedanken durchzusetzen vermochte und ihm ein Hauch Frieden schenkte. Vielleicht hatte ihn die Macht nicht behütet, damit er sein Leben jetzt opferte, sondern dass er sein Wissen weitergab, dass er die Philosophie und all das Wissen der Jedi zu denen trug, die noch lernen mussten. Ob er stark genug war, das Opfer all der Jedi zu tragen, wusste er nicht. Aber er wusste, er würde nicht alleine sein. Die Macht war mit ihm – immer.

Andenus öffnete die Augen. Vier Stunden waren vergangen, er sollte Eodoo als Koordinator ablösen, damit dieser ein paar Stunden Ruhe bekam. Er erhob sich und rückte die Rüstung, die ungewohnt und etwas zu groß für ihn war, zurecht.

Etwas hatte sich verändert, Andenus zweifelte nicht, zauderte nicht mehr. Er war sich sicher was er war und was er zu tun hatte: Er war ein Ritter und würde der Macht folgen – immer und überallhin.
Andenus Dexter| Story: Der Preis der Pflicht

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32

Montag, 8. Februar 2016, 14:43

Familie


Andenus stand abseits und blickte unter der Kapuze hindurch auf das Haus herab. Es war nicht prachtvoll, aber die Tatsache alleine, dass man sich auf Coruscant ein Haus leisten konnte, zeugte von einem gewissen Reichtum. Noch dazu in dieser Lage mit einem kleinen Garten, in dem gerade zwei Kinder Fangen spielten. Der Jedi forschte in ihren Gesichtern und meinte die prägnante Nase seiner Schwester zumindest im Jüngeren wahrzunehmen.

Der Ritter wusste nicht, warum er hierher gekommen war. In all den Jahren, die er Teil des Ordens war, hatte er selten das Bedürfnis gehabt, seine Familie zu sehen. Zu fremd waren ihre Welten geworden und Andenus wollte bewusst keine enge Bindung mit ihnen eingehen – zu groß die Gefahr sich davon ablenken zu lassen.

Doch heute, wo der Terror des zerstörten Tythons und der verlorenen Freunde in seinem Geist schwer wogen, hatte er das Bedürfnis etwas unbeschädigtes, etwas Ganzes, zu sehen. Die letzten Tage hatte er das schicksalshafte Geschehen auf Tython mitgetragen, doch hart darum gekämpft seine innere Ruhe zu bewahren, gerade weil er die unruhigen Blicke der Jüngeren wahrnahm. Doch dieser Kampf mit sich selber, mit der Erinnerung daran wie tief sich das Leid in die Macht gebrannt hatte, war kräftezehrend und auslaugend und für den Moment dominierte den Jedi der Moment der Schwäche. Die Bilder der verstümmelten Jünglinge, der Geruch von verbranntem Fleisch gemischt mit glühendem Metall, die Stumpfheit seiner Finge in den Handschuhen – all das wurde von der dominanten und grausamen Wahrnehmung in der Macht flankiert, die das Sterben wie ein reißender Strom begleitete.

Andenus spürte wie sich sein Körper anspannte, als die Sinneswahrnehmungen hochkamen und konzentrierte sich auf die spielenden Kinder vor sich. Er hatte seine Nichten nie kennengelernt, er kannte nicht einmal den Mann seiner Schwester, die er früher einmal wie niemand anderen geliebt hatte. Jetzt spürte er nichtmehr die Liebe von einst, sondern nur die Leere des zerstören Tempels.

War er in den Momenten des Schmerzes auf der Suche nach Bindungen, die ihm der Kodex verbat? Wollte er den Verlust seiner einen Familie mit dem Kontakt zu seiner anderen abschwächen? Was war es eigentlich, was er hier wollte?

Diese Fragen kollidierten hinter seiner hohen Stirn, doch eine Antwort blieb er sich schuldig. Es tat seiner geschundenen Seele einfach gut die Idyll von Familie wahrzunehmen, wo in ihrem provisorischem Hauptquartier größtenteils Traumatisierte anzutreffen waren.

Andenus schritt langsam zur Eingangstür, er wusste nicht was er sagen sollte, konnte immer noch nicht definieren, weswegen er gekommen war, doch etwas in ihm sehnte sich nach Familie – einfach einmal Bruder und Onkel sein zu können, nicht Jedi-Ritter, Lehrer, Krieger. Einfach einmal der Verantwortung, der Pflicht entfliehen und sich der Normalität zu ergeben.

Er hob die Hand, um die Klingel zu betätigen, doch hielt kurz inne. War das hinter der Tür tatsächlich noch seine Familie? Was verband sie mehr als Genetik und fast vergessene Erinnerungen?

Der Jedi zögerte.

Dann machte er auf dem Absatz kehrt und steuerte das Hauptquartier an, das Idyll langsam hinter sich lassend.

Seine Familie war der Jedi-Orden und das war der Ort, das waren die Wesen, wo er Kraft sammeln und Kraft spenden könnte.

Andenus schüttelte voller Unmut den Kopf. Ein Moment der Schwäche.

Es gibt keine Gefühle, es gibt Frieden.

Als sich die Wahrheit des Kodex in seinem Geist ausbreitete, spürte er wie er sich langsam aufrichtete, wie langsam die Anstrengung von ihm abfiel und die Macht ihr kakophonisches Echo für sanfte Vibration eintauschte. Er war einen Schritt heute gegangen, klein zwar, aber einen Schritt nichtsdestodennoch. Und wenn die Macht seine Schritte weiterhin begleitete, würden sie zu seiner Bestimmung führen.
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33

Dienstag, 1. März 2016, 11:33

Ganegra


Die blaue Klinge zischte auf das emporschnellende Schild und Andenus musste sich wegdrehen um den konternden Streich der Lichtlanze zu entgehen.

Schwer atmend machte der Jedi einen Kreuzschritt zurück, das Lichtschwert in Soresu-Bereitschaftshaltung. Sein Gegenüber – einer jener Zakuul – stierte unter dem Helm hervor und folgte mit einigen schnellen Stichen, die Andenus mit den kreisenden Bewegungen der Mynok-Form an sich abgleiten ließ.

Obwohl die Anstrengung dem Jedi ins Gesicht geschrieben stand, war er ganz bei sich. Durch ihn pulsierte die lebendige Macht und es war als ob sie es war, die seine Klinge gegen die unbeirrbaren Attacken des Anderen führte.

Er war jetzt zwei Tagen auf Brone und hatte keine Minute geschlafen. Der Kampf gegen den neuen Feind, dessen Namen sie nun zumindest kannten, zog sich auf diesem Planeten. Sie waren hoffnungslos unterlegen und schon nach kurzer Zeit war klar, dass Evakuierung der einzige Weg war, irgendetwas Positives auf dem verlorenen Planeten zu bewirken.

„Sie sollten starten“ brachte der Jedi hervor, während er sich der tödlichen Hieben erwehrte aber darauf achtete nicht zurückzuweichen. Andenus spürte , wie sich die Soldaten hinter ihm in die Frachter begaben und musste zur Seite schnellen als ihn sein Gegenüber mit einem Schildschlag überraschen wollte. Das überließ ihm eine Öffnung, doch er suchte sie nicht, um seine Defensive nicht zu gefährden. Er hatte einen anderen Plan...

Seine Sinne vibrierten Sekundenbruchteile bevor der Droide das Feuer eröffnete. Mit einem großen Satz brachte er sich aus der direkten Schusslinie und sah sich gezwungen, zum einen dem nachsetzenden Lanzenträger Paroli zu bieten, als auch dem anschwellenden Blasterfeuer zu entgehen. Lange würde er gegen beide Gegner nicht bestehen können.

Mit einer Drehung wich er den nächsten Angriffen aus und wich zurück – zwei, drei Blastebolzen gegen den Schildträger sendend. Ein weiterer Schuss verfehlte ihn nur um Haaresbreite und hinterließ ein klaffendes Loch in der Wand hinter ihm.

„JETZT“ hörte der Ritter den Soldaten rufen und Andenus machte sich bereit. Es schepperte – dumpf, metallisch, fremd - als die Barrieren der Abwasserschächte zurückglitten und schleifende Geräusche aus den Tiefen der Kanalisation den Raum einnahmen. Die Ganegra waren fürchterliche Wesen, mit Klauen und Stacheln bestückt – perfekte Raubtiere, die sich mit erschreckender Geschwindigkeit auf sie zubewegten.

Der Zakuul blickte sich um und versucht sein Schild gegen die Biester zu heben, als Andenus einen Angriff einleitete: In einer fließenden Bewegung glitt der Jedi-Ritter nach unten und trennte seinem Gegner die Füße unter dem Schild ab. Mit einem Schrei fiel der Zakkul vornüber und konnte sich dem gierigen Hunger der Ganegra nicht mehr erwehren.

Die Sekunden, die Kreaturen auf das leichte Opfer verwendeten, nutze Andenus und spurtete in Richtung der Frachter. Sein Geist war klar, rein und völlige im Fokus als er mit einem Satz auf eine Kiste sprang und sich dann abstieß um die verschwindenden Shuttles noch zu erreichen.

Wie in Zeitlupe schien er durch die Luft zu gleiten, das Gewicht der Rüstung spürend, als er den Arm ausstreckte und die Hand des Soldaten an der Rampe packte. Der Soldat zog ihn hinein und schloss das Verdeck – die Schreie der Gequälten zurücklassend.
„Gutes Timing, General“ sagte der Soldat, der sich seines Helmes erledigte und ein von Feuer gezeichnetes Gesicht offenbarte. Andenus hatte sich noch immer nicht daran gewöhnt, dass man ihn als hochrangigsten (weil einzig vorhandenen) Jedi mit General bezeichnete, aber er achtete darauf seine Reaktion nicht zu zeigen.

Noch immer klang die Harmonie nach, die er im Kampf spürte, weswegen er dem Soldaten nur knapp zunickte. Er fuhr sich über den Bart, der an einer Stelle durch einen Blasterschuss versengt wurde.

„Gute Arbeit, Lieutenant“

Andenus blickte in die Gesichter der Soldaten, die entweder von Erschöpfung leer gewischt oder von dem Schrecken der letzten Stunde verhärtet waren.

Sie hatten nur wenige retten können und die Tatsache, dass sie dem Feind nichts entgegenzusetzen hatten, hinterließ einen bitteren Nachgeschmack. Andenus vertrieb für den Moment die düsteren Gedanken und gab Anweisungen zu den Rendevouz-Koordinaten zu springen.

Ein weiterer Tag ging zu Ende. Ein weiterer Tag, den er wider aller Wahrscheinlichkeiten überlebt hatte.

Für ihn würde es also ein Morgen geben, für viele andere nicht.

Andenus schnallte sich an und spürte wie die Harmonie des Soresu-Kampfes der üblichen Flugübelkeit wich. Er schloss die Augen und dachte an bessere Tage: Den Frieden Tythons, die Weitläufigkeit des alten Archivs auf Coruscant und seine Zeit als Jüngling.

Als er sie wieder öffnete und die Nüchternheit des Shuttles wahrnahm, fokussierte sich sein Geist wieder, der begann Truppenstrategien zurecht zulegen, Taktiken des Feindes zu antizipieren und die nächsten Schritte abzuwägen.

Der Jedi war so versunken, dass er nicht bemerkte, wie ihn ein junger Soldat anstarrte, der ohne ihn den Tag nicht erlebt hätte.
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34

Mittwoch, 9. März 2016, 17:36

Unter Beschuss


„Ich habe da leider keine Wahl, Meister Jedi. Die Befehle der Obersten Heeresleitung sind klar.“ Der Vizeadmiral stoppte kurz und hob die Hände. „Wir sollen alle verfügbaren Mittel für den Angriff auf Thule sammeln und uns an den Rendezvous-Punkten treffen.“

Andenus runzelte die Stirn und strich sich über den Bart. Er hatte gehofft, dass Meister Balnam und die anderen die Kanzlerin und den Senat davon überzeugen würden, ihre Kräfte nicht völlig auf den Kampf gegen das Imperium zu konzentrieren, oder zumindest genug Zeit schaffen würden, um weitere Informationen über die Zakuul zu akquirieren. Aber seine Hoffnung wurde enttäuscht. Die meisten Schiffe, die nach dem Einsatz auf Brone noch gefechtstüchtig waren, hatten bereits ihre Reise zu den Truppensammelpunkten angetreten. Lediglich die Ruby Talon, ein Schiff der Hammerhead-Klasse unter Kommando von Vizeadmiral Josh Varuna, war zurückgeblieben, um eine noch ausstehende Späherstaffel zu eskortieren.

Der Jedi machte dem Militär keine Vorwürfe: Das Imperium war mehr als nur ein Gegner, denn die Ideologie der Sith korrumpierte die Macht selbst zu einem Instrument des Todes. Das war ein Sakrileg, das über die physische Welt hinaus Schaden anrichtete. Die Zakuul konnte er dahingehend nicht einschätzen. Viele schimmerten in der Macht eher grau als dunkel und was ihre Philosophie ausmachte, wusste der Ritter nicht.

Doch genau darin lag der Leichtsinn: Ohne mehr Informationen, was die Zakuul ausmacht, waren sie Ihnen ausgeliefert. Ihre militärische Macht schien den Kräften der Republik und des Imperiums weit überlegen zu sein, doch mehr wussten sie nicht. Es war ein Spiel mit dem Feuer, sie gewähren zu lassen, nur weil man das Imperium als Feind kannte.

„Könnt Ihr nicht ein Späherschiff entbehren, Vizeadmiral? Und ich breche nur mit Freiwilligen in den Unbekannten Raum auf.“ Andenus startete einen letzten Versuch.
„Verzeiht, General Dexter, aber dazu habe ich keine Befugnis.“ Der Offizier schüttelte entschuldigend den Kopf.

„Werdet ihr nicht auch im Kampf um Thule benötigt?“ Die Frage war ehrlich gemeint.

Andenus antwortete nicht. Jeder Jedi würde dort gebraucht werden, doch die Zukunft war nicht klar. Die Macht zog ihn nicht in eine Richtung, sondern überließ ihm die Entscheidung und Andenus erachtete es als wertvoller Informationen über die Zakuul zu suchen.

Ohrenbetäubendem Sirenengeheul riss den Jedi aus seinen Gedanken. Er warf einen Blick zum Kommandanten, der für eine Sekunde nur Verwirrung ausstrahlte. Dann eilte der Vizeadmiral zur Kommunikationsanlage und bellte hinein.

„Status? Was ist hier los?“
Die Stimme am anderen Ende der Leitung klang gehetzt:

„Sir, wir haben Zakkul-Schiffe auf den Sensoren. Sie müssen auf die Brücke“
„Alle Mann auf Gefechtsstationen. Ich bin auf dem Weg“

Röhrender Alarm begleitete die beiden als sie zur Brücke liefen. Zahlreiche Marines und Soldaten kamen ihnen entgegen, alle in die Richtung ihrer designierten Position.

„Bei der Macht...“ keuchte der Vizeadmiral als er die Anzahl der Schiffe auf dem Bildschirm erkannte.

Andenus hielt an sich, doch auch ihm war klar, dass sie bei dieser Übermacht hoffnungslos unterlagen waren.

„Können wir springen?“
„Der Hyperdrive ist noch nicht bereit“
„MACHEN SIE IHN BEREIT!“

„Angreifende Jäger auf vier Uhr“
„Grün und Gelb sollen sie abfangen“
„Verstanden“

„Mehr Energie auf die Schilde“
„Sir..:“
„AUF DIE SCHILDE, VERDAMMT!“

Die Kommandos und die Repliken wirbelten durcheinander wie bei einem Blastergefecht. Andenus stand wie die Ruhe selber in dem eifrigen Treiben als das Schiff von einem Geschoss getroffen wurde und erzitterte. Andenus fand das Gleichgewicht wieder, nur um kurz darauf zu Boden zu gehen als sie ein weiterer Schuss traf.

Die Lichter flackerten.
Das Geschrei nahm zu.

„Wir können nicht lange standhalten.“
„Schilde auf 80 Prozent“
„Gelb und Grün auf Abfangkurs“
„Schaden in Sektion 45-Besh“

Eine Reihe weitere Schüsse trafen das erhabene Schiff, gerade als sich der Jedi erheben wollte. Andenus fühlte sich hilflos, doch das war keine Situation, in der er helfen konnte.

„Kontakt zu 45-Besh verloren, irgendetwas scheint mit den Schotten nicht zu funktionieren.“
Vizeadmiral Varuna sah sich einen kurzen Moment um. Andenus erkannte das Signal und antwortete auf die nicht gestellte Frage.
„Ich kümmere mich darum“

Mit der Macht beseelt hastete er tiefer ins Schiffsinnere. Ein weiterer Treffer ließ das Schiff erben und Andenus wurde an die Wand geschleudert. Er schüttelte die Benommenheit ab, und setzte seinen Weg unbeirrt fort – immer darauf achtend den umhereilenden Soldaten auszuweichen.

Je näher er seinem Ziel kam, desto mehr Rauch schlug ihm entgegen. Anscheinend war Feuer in Sektor 45-Besh ausgebrochen und die Feuerschutzschotten waren nicht richtig aktiviert worden. Der Jedi duckte sich und kontrollierte seinen Atme, um unter dem Rauch hindurch zu tauchen.

Nach einigen Metern hatte er das Feuerschott erreicht unter dem dichter Rauch hervorquoll. Ein Droide war dort eingeklemmt – der Auslöser warum die Schutztür nicht schließen konnte.

Der Jedi aktivierte das Lichtschwert und zertrennte den Droiden, woraufhin das Schott donnernd herabfiel, und den Raum versiegelte.

Mit einem Krachen durchbrach ein gegnerisches Projektil die Schilde des republikanischen Schiffes. Die Wucht des Aufpralls riss den Jedi von den Füßen. Aus dem Augenwinkel sah er wie ein Soldat gegen eine Tür geschleudert wurde und mit unnatürlich verrenkten Gliedmaßen liegen blieb.

Funken sprühten von der Decke – der einzige Lichtquell neben der roten Notbeleuchtung.

„Evakuierungsbefehl. Alle zu den Escapepods“ tönte es verzerrt aus einem beschädigten Lautsprecher.

Andenus rief sich einen Moment das Lay-Out des Schiffes in den Geist und bewegte sich vorsichtig nach vorne, das stetige Schiffsbeben auszugleichen versuchend.

Ein weiterer Einschlag ließ das Schiff kippen und der Ritter wurde hart gegen die Wand geschleudert. Sein Kopf traf etwas metallernes und er spürte wie Flüssigkeit an seinem Gesicht herabtropfte. Er bewegte sich weiter nach vorne als die Gravitation nachließ und das Schiff zeitgleich vorne überkippte. Der Jedi wurde an die Decke geschleudert und spürte wie sich ein abgetrenntes Rohr sich in seinen Rücken bohrte. Das Gravitationsfeld aktivierte sich wieder und Andenus schlug dumpf auf den Boden auf.

Er biss sich auf die Lippen, um den Schmerz zurückzuweisen, der sich in seinem Rücken ausbreitete und humpelte vorwärts.

Er hatte es fast geschafft, irgendwo in seiner näheren Umgebung war Feuer ausgebrochen und der Rauch ließ seine Augen tränen. Mühsam stieg er über Leichen der Schiffsbesatzung, bis er ein freies Pod gefunden hatte.

Er verbannte den Schmerz aus seinem Geist und schnallte sich fest. Mit kraft og er den Hebel und er spürte, wie sich die Kapsel aus dem Schiff löste.

Andenus atmete einmal aus und fasste sich an den Kopf, wie um das Blut dort zu stoppen als die Kapsel von einem Schuss getroffen wurde und er durchgeschüttelt wurde. Er spürte wie die Kapsel zu kreisen begann und war sich sicher, dass seine Zeit als Jedi-Ritter beendet sei, als ihn ein Gegenstand am Kopf traf und er bewusstlos wurde.

Schwärze umfing ihn.
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35

Mittwoch, 16. März 2016, 11:41

Gerechter Kampf


Andenus blickte auf die Weite des Sternenfirmaments. Die Unendlichkeit, die sich über ihm erhob, stand im Gegensatz zur Enge, die er auf der Planetenoberfläche empfand. Er kannte nicht einmal den Namen des Sterns, auf den seine Rettungskapsel vor einigen Monaten gestürzt war.

Ritter Dresarius würde die ganze Situation dem absurden Humor der Macht zuschreiben – Andenus wog leicht amüsiert den Kopf.

Es war wirklich eine Situation, die einer gewissen Absurdität nicht entbehrte.

Der Jedi war schwer verwundet auf dem Planeten gelandet und sein Leben von Einheimischen – wohl unter der Führung der Macht – gerettet wurden. Die herrschende Spezies auf dem Planeten war eine Mischung aus Affen und Mensch, mit den muskulösen Extremitäten und dem Fell der ersteren sowie dem Verstand und Gebaren der zweiteren gesegnet. Diejenigen, die ihn pflegten, waren einfache Seelen, des Schreibens nicht mächtig und Andenus nur dank der Macht verständlich – denn ihre Sprache hatte er vorher noch nie vernommen. Ihre Art war freundlich, doch ihre Technologie einfach, was wohl der Grund war, warum er nur langsam genas.

Als die Macht ihm mehr und mehr Verständnis in der fremden Zunge gewährte, begann er ihre Kultur zu verstehen und die herrschenden Verhältnisse stimmten ihn nachdenklich. Denn obwohl der Planet von den Affenmenschen beherrscht wurde, die sich selbst als Simiae bezeichneten, war die Gesellschaft geteilt. Die Simiae mit weißem Fell –Massimi genannt – waren technologisch weiter fortgeschritten, trugen Blaster und flogen Gleiter, während die Simiae mit dunklem Fell als Unterwesen deklariert wurden, die hart auf den Feldern und in den Mienen arbeiteten ohne Rechte. Sie waren eher Sklaven als freie Bürger und fristeten ein trostloses Leben – fern der futuristischen Technologe, die das Leben der Massimi erleichterten. Andenus hatte viele Strömungen von Xenophobie kennengelernt, aber ein derartiger Rassismus innerhalb einer Spezies, die sich nur in ihrer Fellfarbe unterschied, war ihm noch nie untergekommen. Es entglitt Andenus Verständnis, wie man eine solche Haltung moralisch rechtfertigen konnte und bestürzte ihn wie tief sich das in die Kultur des Planeten gebrannt hatte.

Doch damit nicht genug, anscheinend war der Planet nicht frei von außerplanetaren Einflüssen. Es schien als ob Hutten irgendwie mit den Massimi in Geschäft waren denn sie wurden immer wieder in den Gebieten der Weißen gesehen. Von den einfachen Simiae wurden sie als eine Art Engel oder Götterboten verehrt, ein Teil der unterdrückenden Narrative der herrschenden Schicht, wie Andenus unzweifelhaft bewusst war. Im Zentrum dieses quasi-religiösen Kults standen Gladiatorenkämpfen, bei dem der Gewinner (natürlich aus der Klasse der Simiae) von den Engeln in den Himmel geflogen wurden.

Seine Retter waren dunkelfellige Simiae. Hier hatte wohl die Macht ihre Hand im Spiel, denn die Massimi drangen darauf alle Außerirdischen aus den Kapseln in Gewahrsam zu nehmen. Andenus blieb dieses Schicksal erspart, denn er war von rebellischen Simiae gefunden worden, die ihn im Geheimen pflegten. Ihr Anführer war von imposanter Figur und hörte auf den Namen Tallon. Und Tallon sah in dem Jedi einen wichtigen Faktor für den kommenden Bürgerkrieg.

Und so war es wohl auch der Macht zuzuschreiben, dass er sich hier befand in einem weiteren Konflikt, der gerade kurz davor war auszubrechen. Es war eigentlich seine Pflicht sich so schnell es ging von dem Planeten zu entfernen und den Kampf gegen das Imperium und die Zakuul fortzuführen. Doch zugleich war hier in einer Situation, die voller Unrecht war und ihn drängte einzugreifen. War es seine Pflicht alles daran zu setzen im Großen einen kleinen Unterscheid zu machen oder im Kleinen einen Großen? Es würde unter Umständen auch zu einem gewalttätigen Bürgerkrieg kommen, wie konnte er das mit sich vereinbaren. War es legitim für eine gute Sache Gewalt anzuwenden?

Andenus schüttelte den Kopf.

Es war schon lange keine Frage mehr. Gewalt gehört zu seinem Lebensinhalt seit er gemeinsam mit seinem Meister die Schwelle des Tempels hinter sich gelassen hatte. Und jetzt hier auf dem unbekannten Planeten würde es wieder Gewalt sein, die eingesetzt werden musste, um Freiheit für die Bewohner zu schaffen.

Der Jedi hatte Tallon mehrfach gebeten auf diplomatische Wege und friedliche Demonstrationen zu setzen, doch die Geschichte verlachte seine von friedlichen Idealen geprägten Vorschläge. Denn jeder Aufstand wurde bisher auf brutale Art und Weise zurückgeschlagen, die die Art der Konfliktlösung der Massimi aufzeigte.

Andenus war sich klar, dass er das hier durchziehen musste, dass er hier im Kleinen gebraucht wurde, dass die Macht ihn nicht umsonst hierher gesandt hatte. Er würde also wieder kämpfen. Wieder Leben nehmen. Für eine gerechte Sache.

Er hoffte, dass dieser Konflikt schnell beigelegt werden könnte und er schnell zu seinen Pflichten der Republik und dem Orden gegenüber zurückkehren konnte.

Es schien ihm unmöglich dem Krieg zu entfliehen, es war fast so als ob er Andenus folgte. Die beharrliche Notwendigkeit ständig zu kämpfen verhöhnte des Jedi Wunsch nach Frieden.

Vielleicht könnte er zumindest hier auf dem unbekannten Planeten der Simiae und Massimi etwas Frieden und Gerechtigkeit herstellen. Und sich dann danach dem gerechten Frieden in der Galaxis widmen.

Andenus richtete seinen Blick auf die Höhle, die er im Moment bewohnte und spürte, wie sich der alte Kampfgeist wieder zu regen begann, der ihn durch soviele Schlachten getragen hatte.

Solange er atmete, würde er für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit eintreten – egal welchen Preis es von ihm erfordertete.
Andenus Dexter| Story: Der Preis der Pflicht

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36

Mittwoch, 23. März 2016, 11:50

Versuchung


Das kunstvoll geschliffene Glas brach das einfallende Licht zu einer Myriade an Farben, die den gesamten Raum in Erhabenheit tauchten.

Andenus war sprachlos ob der Schönheit des Glaspalast und der puren Ästhetik, die er in sich vereinte. Wie konnten Wesen, die so von rassistischer Hässlichkeit durchzogen waren, so ein Kunstwerk gestalten?

Der Jedi befand sich im Zentrum der Hauptstadt des Planeten – ein Viertel, das von der Elite der Massimi bewohnt worden war. Hier überboten sich mächtige Glaspaläste an Luxus und Kunstfertigkeit, der im krassen Gegensatz zu der Einfachheit der Lehmhütten der Simiae stand.

Doch das würde sich jetzt ändern, der Bürgerkrieg war vorbei.

Der Konflikt verlief kurz und brutal. Nachdem Tallon im Geheimen die verschiedenen Gruppen der Simiae vereinigt hatte, startete der Überfall. Andenus Erfahrung in der Kriegsführung stellte sich als unschätzbar wertvoll heraus, als sie in einem koordinierten Streich ein Großteil der gegnerischen Truppen festsetzen konnten. Doch noch wertvoller war der Jedi auf dem Schlachtfeld selber: Ohne ein Gegenspieler wie die Sith und die Ressourcen des Imperiums hatten die Massimi mit ihren wenigen Blastern einem Jedi-Ritter wenig entgegenzusetzen. Andenus musste seinen Gegenüber häufig nicht einmal zur Macht schicken, sondern konnte ihn entwaffnen und so unschädlich machen. Diese völlige Überlegenheit begann den Jedi zu beseelen, es war ein gutes Gefühl seine Kraft dafür einzusetzen, den Konflikt schnell beizulegen.

Die Truppen der Rebellen machten schnell Fortschritte und nach wenigen Monaten standen sie vor den Toren der Hauptstadt. Auf Andenus Wirken hin, konnten sie weiteres Blutvergießen verhindern, indem die Massimi bedingungslos kapitulierten. Die Rebellen zogen triumphierend ein und brachen wie ein Sturm über die Stadt her. Obwohl Andenus versuchte dem Einhalt zu gebieten, begannen die Simiae, die seit Jahrhunderten versklavt waren und als niedere Wesen angesehen wurden ihre Rache an den Bewohnern der Stadt zu verüben. Der Ritter stellte sich wo er konnte dazwischen, doch er vermochte nicht überall zu sein und das Geschrei der Opfer dröhnte noch in seinen Ohren.

Jetzt saß er hier, auf einem bequemen Futon und blickte auf das Lichtspiel vor sich. Tallon hatte ihn vor eine Wahl gestellt: Er könnte eines der wenigen Shuttle nehmen, um vom Planeten abzureisen – sein Wunsch seit er hier vor einer gefühlten Ewigkeit hier gestrandet war. Oder er blieb hier und unterstützte die Simiae beim Aufbau eines neuen Staates. Tallon hat den Jedi sogar gebeten als König die Geschicke des Planeten zu lenken, da er die Furcht hatte, dass sich Sieger an ihren ehemaligen Peinigern rächen würden.

Andenus hätte die Macht hier etwas Gutes zu tun. Er wusste nicht wie die Galaxis dort draußen aussah, ob er als einzelner Jedi einen Unterschied machen könnte. Hier war sein positives Wirken gleich erfahrbar und sein Einfluss viel größer. Er könnte wie die antiken Denker es formulierten als Philosophenherrscher einen perfekten Staat bauen, in dem die Menschen in Frieden und Freiheit leben könnten. Er war das mächtigste Wesen auf dem Planeten und wusste mehr über Staaten, Gerechtigkeit, die Macht und Moral als alle anderen hier. War es nicht seine Verantwortung hier für Gutes zu sorgen?

Natürlich gab es einen Preis: Er müsste die Macht auf sich nehmen, politische Kontrolle ausüben. Aber der Krieg hatte ihn schon häufig zu einem grauen Akt gezwungen, um letztendlich das größere Gute zu stärken. War diese Entscheidung nicht dasselbe? War der Preis nicht vergleichbar klein für den Nutzen den sein Herrschen hatte?

Er könnte hier leben, in diesem beeindruckenden Palast und müsste nicht Teil eines Krieges sein, der niemals ein Ende zu finden schien. Keine Zakuul, keine Sith – nur Frieden.

Der Ritter stutzte einen Moment.

Plötzlich brach aus Andenus ein Lachen heraus, dass die erhabenen Glaswände reflektierten und den gesamten Raum vibrieren lies. Er lachte und lachte, und alle Sorgen schienen ihn für einen Moment zu verlassen. Tränen liefen ihm über die Wangen und er hustete als er sich verschluckte.

Der Jedi gehörte nicht zu denen, die man als sonderlich humorvoll bezeichnen würde, deswegen erstaunte es ihn selber wie sein Gelächter den weitläufigen Raum erfüllte.

Auslöser des Lachens war ein Moment der Klarheit, der ihm die Augen öffnete. Er wäre beinahe in die selbe Falle getappt, wie sein Vater. Es war die Absurdität der Situation, die sein Zwerchfell beben ließ. Er wollte nie so werden wie sein Vater, getrieben von Politik, Einfluss, Macht und Kontrolle. Und doch hätte er beinahe einen Schritt in diese Richtung gemacht. All die Jahre der Ausbildung umsonst, ein Schritt in Richtung der Dunklen Seite der Macht. Denn politische Macht korrumpierte, das war der Grund warum gerade Jedi keine politischen Ämter besetzen sollten.

Die Versuchung, die vor einem Moment noch übermenschlich schien, sah nun grotesk und klein aus – als sich Andenus Tränen aus den Augen wischte.

Er erhob sich und strich sich die grobe Leinentunika zurecht, die er trug. Er würde mit Tallon sprechen und so bald wie möglich ein Shuttle von diesem Planeten nehmen. Denn dort draußen lag seine Pflicht. Seine Pflicht als Jedi-Ritter.
Andenus Dexter| Story: Der Preis der Pflicht

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Harlen Gregorius (23.03.2016), Aloncor Torn (23.03.2016), Xine (23.03.2016), Deikan (23.03.2016), Jade-Lynx (24.03.2016), Adeia (26.03.2016)

37

Freitag, 1. April 2016, 10:35

Lazarus


Der Jedi-Ritter betrachtete seine Reflektion im milchigen Spiegel vor sich als er mit einer stumpfen Klinge seinen Bart stutzte. Früher trug er den Bart, um seinen jugendlichen Zügen mehr Autorität zu verleihen, doch die Jahre im Krieg und die Folter hatten sein Gesicht gezeichnet. Seine Augen lagen tiefer, umrahmt von kleinen Falten und auch seine Wangen waren eingefallener als noch in seiner Jugend. Die hohen Wangenknochen traten nun noch deutlicher hervor und die schmalen Lippen wirkten blutleerer als noch vor Jahren.

Heute trug er den Bart aus Gewohnheit.

Andenus tauchte die Klinge in einen Bottich warmen Wassers und begann routiniert seine Gesichtsbehaarung zu kürzen. Seit seiner Notlandung bei den Simiae hatte er sich nicht mehr rasiert und des Jedi Ordnungssinn störte sich an seinem ungepflegten Äußeren. Nicht, dass es hier auf Keldooine notwendig gewesen wäre.

Der Planet, der im Huttenraum genau an der Grenze zum Imperiumsgebiet lag, wurde täglich von neuen Flüchtlingen angesteuert, die entweder den Grausamkeiten der Sith oder den Folgen des Kriegs mit den Zakuul entkommen wollten. An der Ootnian Pabool Hyperroute gelegen, war Keldooine bereits früher ein guter Zwischenstopp für Reisende zwischen Imperiums- und Huttenraum gewesen, doch seit der Krieg wieder aufgeflammt war, fanden vor allem Flüchtende ihren Weg hierher. Zugleich nahm die absolute Zahl an Schiffen ab, da die Zakuul auch den Kampf mit den Hutten aufgenommen hatten, und versuchten Nal Hutta und andere wichtige Planeten mithilfe ihrer Kriegsschiffe von den wichtigen Handelsrouten abzuschneiden.

Das war zumindest Andenus Vermutung, die Informationslage war hier unübersichtlich. Es gab nur wenige Zugriffspunkte auf das Holonetz und der Jedi schätze, dass das meiste von den mächtigen Huttenclans – kajidics genannt – überwacht wurde. Die wenigen Nachrichten, die er hier erhielt, waren pro-huttisch gefärbt und die Quellen vieler Berichterstattungen waren, gelinde gesagt, zweifelhaft.

Dennoch hatte sich der Jedi einige Dinge zusammenreimen können: Anscheinend wurden Coruscant und Dromund Kaas vom Ewigen Imperium belagert, wichtige Schlachten wurden verloren und die Zakuul schienen mehr und mehr Kontrolle über die bekannte Galaxis zu haben. Andenus hatten keinen Zugriff auf Jedi-Kommunikationskanäle, die sowieso seit dem Angriff auf Tython funktionuntüchtig waren, und durch die Abschirmung Coruscants war es unmöglich eine versteckte Botschaft zum Orden zu senden.

Er war also auf sich gestellt. Der alter Frachter der Simiae hatte nur wenige Koordinaten in der Astrogationskarte gespeichert und ohne funktionierenden Hyperantrieb waren seine Möglichkeiten begrenzt. Keldooine schien ihm noch die sinnvollste Option, denn hier gab es genug Fremdlinge und innerhalb der Flüchtlingsmassen fiel der Mensch nicht auf.

Andenus hatte mit Absicht nicht die Haupstadt Kelda angesteuert, da er dort noch immer größeren Einfluss des Imperiums erwartete, sondern die kleine Hafen- und Handelsstadt Tueraa. Dort hatte er ein Problem: Er hatte keinen einzigen Credit bei sich, und auch nie gelernt mit Geld umzugehen. Als Jedi hatte er meistens Zugriff auf finanzielle Mittel, so dass er – in bescheidener Art und Weise – immer genügend Credits zur Verfügung hatte. Er benötigte nicht viel, doch auch er musste essen.

Seine einzige Möglichkeit: Den Frachter, mit dem er hergekommen war versetzen. Mit diesem würde er sowieso nicht hier wegkommen. Selbst wenn der Hyperantrieb funktionieren würde, war es zu riskant während der Gefechte umherzureisen.

Er brauchte ein paar Tage, doch konnte er den alten Frachter verkaufen – ungewiss ob er dafür für einen guten Preis erhalten hatte oder über den Tisch gezogen wurde. So hatte er zumindest ein klein wenig an Finanzen, um zu überleben und wenn er sparsam war, könnte er eine Weile hier bleiben.

In den ersten Wochen auf Keldooine spürte er eine innere Unruhe. Er war ein Jedi und folgte der Macht, doch was bedeutete das auf dem huttischen Planeten? Für gewöhnlich folgte er den Anweisungen des Rates oder begab sich an brennende Kriegsschauplätze, doch beides war hier nicht möglich. Er hatte keine Führung und Andenus brauchte Zeit mit dieser neugewonnenen Freiheit klar zu kommen. Es war nicht die dunkle Scheinfreiheit, die sich auf dem Planeten der Simiae offenbarte, sondern eine echte helle Freiheit. Es gab so viele Möglichkeiten hier Gutes zu tun und dem Kodex zu folgen, dass er nicht wusste wo er anfangen sollte. Ihm steckte der Krieg noch so stark in Geist und Knochen, dass es schwer war etwas anderes zu tun. Und etwas tun wollte er, das war seine Verantwortung, die aus der Freiheit erwuchs.

Obwohl er sich etwas anderes leisten konnte, entschied er sich in den Slums zu leben, die von Flüchtlingen bevölkert wurde. Hier war er verborgen vor den neugierigen Augen der Hutten und vereinzelter imperialer Spione und konnten den armen Seelen helfen, die vor dem Terror des Krieges flohen. Es half dort, wo er konnte, sei es bei der Versorgung mit frischem Trinkwasser, Ausbesserungsarbeiten an den Häusern und vermehrt in der Ausbildung. Viele der Ankommenden waren ehemalige Sklaven und konnten weder Rechnen noch Lesen oder Schreiben.

Andenus begann deshalb täglich die jungen und nicht mehr ganz jungen Flüchtlinge zu unterrichten. Sie nannten ihn Lazarus, warum wusste der Jedi nicht. Anscheinend war es eine lokale Legende von einem anderen Planeten, eine Art Lehrer oder Prophet. Andenus ließ den Namen zu, es war in jedem Fall sicherer nicht mit seinem richtigen Namen aufzutreten.

Lazarus also. Lazarus der Lehrer.

Es war zwar etwas ganz anderes, als die Jünglinge im Tempel zu unterrichten, aber er spürte wie er sich der Macht näherte, während er die Geister um sich herum bildete. Er spürte, dass er auf dem richtigen Pfad war, die Macht würde ihn lenken. Für den Moment hieß es geduldig sein und das Beste aus der Situation machen – dass er dabei Freude verspürte war ein willkommener Bonus, der seine vom Krieg geschundene Seele genesen ließ.

Der Ritter legte das Rasiermesser auf den hölzernen Beistelltisch und fuhr sich prüfend durch den gestutzten Bart. Dann nahm er einen feuchten Lappen und wusch sich das Gesicht.
Er blickte sich in der bescheidenen Behausung um und ein seltenes Lächeln stahl sich auf seine Züge.

Er war mit sich im Reinen – und die Macht mit ihm.
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38

Donnerstag, 7. April 2016, 13:06

Konsequenz


Actio – Reactio.
Ursache – Wirkung.
Handlung - Konsequenz.


Kausalität war ein leitendes Prinzip in der Welt. Und während sie in der Physik mathematisch beleg- und vorhersehbar war, wurde es um ein Vielfaches komplizierter, wenn die Handlungen des Menschen Teil der Gleichung wurden. Denn welche Effekte eine Handlung hatte, konnte man im besten Falle nur erahnen und musste im schlechtesten Falle damit leben einen Fehler gemacht zu haben.

Hatte Andenus einen Fehler gemacht?

Die Konsequenzen betrachtend, schien die Bestätigung auf diese Frage offensichtlich. Er war seines Lichtschwerts und seiner Freiheit beraubt worden. Doch die Betrachtung der Folgen alleine, war nicht ganz korrekt. Denn man hatte zu dem Zeitpunkt der Bewertung bereits mehr Informationen als zum Zeitpunkt der Entscheidung – und in diesem Moment konnte er nichts anderes tun als der Macht zu lauschen und den Leitlinien folgen, die Moral und der Kodex vorzeichneten.

Und das hatte er getan.

Er hatte nicht gezögert als Shealine von Skalvenhändlern entführt worden war. Die Albino-Twi-Lek schien das Interesse eines „Sammlers“ geweckt zu haben und als sich die Eltern verzweifelt an Andenus wandten, nahm er das Lichtschwert aus der Holztruhe in seiner spartanischen Behausung. Er würde nicht zulassen, dass die Freiheit von Einzelnen beeinträchtigt wurde.

Den „Sammler“ aufzudecken war kein einfaches Unterfangen. Andenus war kein Ermittler und er musste vorsichtig sein, nicht zu viele Fragen zu stellen, um ungewollte Aufmerksamkeit zu vermeiden. Keiner der bekannten Kajidics schien darin verwickelt und der Jedi konnte nur mühsam Stück für Stück die Puzzleteile zusammenfügen.

Ikkutell Whuudox war ein zurückgezogener Hutte, der als exzentrischer Sammler und exotischer Sklavenhändler galt. Er war unfassbar reich, doch er schien sich in die Alltagspolitik auf Keldooine nicht einzumischen – sondern nur in einem abgelegenen Anwesen sein Wirtschaftsimperium zu lenken.

Andenus kundschafte dieses Anwesen aus, dessen Größe fast dem tythonischen Tempel Konkurrenz machen konnte. Hier war er mehr in seinem Element – er zählte die Patrouillen, markierte Einstiegs- und Fluchtpunkte und suchte solange nach Hinweisen, wo sich die Sklavenquartiere befanden, bis er fündig wurde.

Doch trotz all der Vorbereitung, war es dem Jedi nicht gelungen unbemerkt einzudringen. Er scholt sich dafür nicht besser in Infiltration geschult worden zu sein – sondern vornehmlich als Krieger der Macht gedient hatte. Und selbst als Krieger blieb ihm bei der mächtigen Übermacht, die sich ihm entgegenstellte, nichts anderes übrig als das Lichtschwert zu strecken und sich Gefangennehmen zu lassen.

Die ersten Wochen in Isolation vergingen langsam, doch Ikkutell schien Interesse an dem Jedi zu finden. Er ließ ihm das Neuralband abnehmen – wohl ahnend, dass es dem fokussierten Geist eines Jedi nicht lange standhalten würde. Häufig sprachen der Ritter und der Hutte miteinander, über die Galaxis, Philosophie und die Macht. Ikkutell war ein angenehmer Gesprächspartner und gebildet und es war ihm wohl eine Freude einen Gesprächspartner auf Augenhöhe zu haben.

Dennoch war ihr Arrangement kein freiwilliges. Sollte Andenus versuchen auszubrechen oder gegen weitere festgeschriebene Regeln verstoßen, würde Ikkutell die für ihn weniger wertvollen Sklaven auf der Stelle töten lassen. Andenus erhielt im Gegenzug ein Mindestmaß an Freiheit und sogar Stift und Papier zum Schreiben.

Hatte Andenus einen Fehler gemacht, Shealine zu suchen und es mit Ikkutell aufzunehmen?

Nein, er war dem Kodex gefolgt und seinem von Moral durchtränkten Gewissen und damit musste er dem Willen der Macht so nahe kommen, wie nur irgend möglich. Daraus folgte, dass es ihr Wunsch war, dass er sich hier befand. Das „warum“ war ihm noch nicht klar, doch er würde bereit sein, wenn sie ihm ein Signal sandte.

Er gedachte der Jedi, die er seit fast anderthalb Jahren nicht mehr gesehen hatte und musste schmunzeln als eine Erinnerung erwachte und sich vor seinem inneren Auge abspielte.

Zitat

Coruscant – das Klackern von Übungsschwertern und das Keuchen von Jünglingen erfüllten den Übungsraum des Tempels, ehe ein lautes „Aua“ die Routine der Geräuschkulisse unterbrach. Der hakennasige Teenager rollte mit den Augen als sich sein Gegenüber stöhnend den Bauch hielt.

„Mensch, Ale, du musst dich schon bewegen wenn ich eine Angriffssequenz durchführe – und außerdem solltest du den Bauch anspannen, dann tut es nicht so weh, wenn ich treffe.“
Der Angesprochene war knapp einen Kopf kleiner und etwas jünger als der schlaksige Braunhaarige, dessen Arme und Beine zu lang für seinen Körper schienen.

„Ja, ich weiß das schon“ Aloncor schnitt eine Grimasse „ich habe nur gerade in diesem Moment dein Inneres gespürt. So klar hab’ ich das bei dir noch nicht gefühlt – irgendwie kühl und fokussiert. Das hat mich verwirrt und dann habe ich vergessen meinen Schritt zu machen.“

Andenus seufzte – ihm war Aloncors Gabe fremd, er konnte es nicht vorstellen wie es war so tief in das Wesen eines anderen einzutauchen. „Das ist aber auch Wurscht, das interessiert doch niemanden. Du musst dich einfach konzentrieren und das Training ernster nehmen. Sonst landest du im Servicecorps – wie Maya. Actio – Reactio, Handlung und Konsequenz. Wenn du dich nicht anstrengst, wird das nichts.“ Andenus Ton wurde etwas lehrerhaft.

Aloncor sah ihn mit diesem merkwürdigen Blick an, der direkt in hineinzublicken schien und Andenus irgendwie unheimlich war. Dann lächelte der Jüngere und hob die Übungsklinge.

„Dann los – ich pass’ dieses Mal auf“

Andenus nickte und begann die Sequenz von Neuem.


Der Jedi schmunzelte. Es waren noch unbeschwerte Zeiten gewesen, als noch nicht die Last der Galaxis auf ihren Schultern zu liegen schien.

Wo der Freund wohl war? Er war kein Krieger und doch wurden Jedi vornehmlich an einer der vielen Fronten gebraucht. Er hoffte, dass die Macht ihn leitete und er von seinen zahlreichen Talenten Gebrauch machen konnte ohne selbst auf dem Schlachtfeld stehen müsste.

Und die anderen? Der strebsame Padawan Varanon, den er einst mentorierte? Hisoka? Der junge Ritter Erauqs? Padawan Aquae? Padawan Saito? Ritterin Deikan?

Als die Personen an ihm vorbeizogen, wurde ihm bewusst wie einsam er war. Er hatte zwar die letzten anderthalb Jahre immer wieder Lebewesen getroffen, doch keine Jedi waren dabei. Und es war etwas anderes, der Orden war seine Familie. Er konnte Meister Balnam nicht um Rat fragen, Aloncor nicht den Kopf waschen, nicht mit Ritterin Deikan tanzen und die Padawane nicht in philosophische Diskurse verwickeln.

Man bemerkte den Wert der Gemeinschaft erst, wenn man sie nicht mehr hatte. Auch hier offenbarte sich wieder die Wahrheit von Ursache und Wirkung, Handlung und Konsequenz. Er hatte sich bewusst für den Dienst an der Front entschieden und zahlte nun den Preis.

Den Preis der Pflicht.
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39

Dienstag, 17. Mai 2016, 17:30

Kapitel V - Clash of Cultures

Fremd


„Schönen Abend noch, Operative Dexter“, hallte die kühle Stimme von Senior Agent Johnson in seinem Kopf nach.

Der Jedi kniete auf dem harten und dreckigen Boden des Stundenhotels, das nun dem SIS als Front für ihr Hauptquartier auf Ylesia diente. Die Wände rochen nach bewegter Vergangenheit und dieser Geruch mischte sich mit den schweren, süßlichen Dämpfen, die der Planet als Drogenumschlagplatz erkennbar machten.

Andenus atmete langsam ein und aus, und mit jedem Atemzug, trat die beharrliche Geräuschkulisse von stöhnenden Gästen und knarzenden Betten in den Hintergrund, bis der Ritter ganz bei sich war.

Operative Dexter

Diese Bezeichnung war ihm fremd, er war kein Operative, kein Consultant, kein Soldat und kein Mitglied des SIS. Der einzige Titel, der für ihn Bedeutung hatte, war Jedi-Ritter. Andenus verstand nicht, wieso man zwanghaft versuchte die Jedi in das bürokratische Schema hineinzupressen für das sie nicht geeignet waren.

Die Einsatzgruppe um Mr. Johnson und Trigger, in der sich interessanterweise auch Ritter Duskweaver und Padwan Sunao befanden, hatte Andenus aus den Händen des Hutten befreit. Sie waren auf der Suche nach einer Waffe, doch fanden nur ihn auf – den Jedi. Es war nicht schwer, den leitende Wille der Macht hier wahrzunehmen: Dass genau die Leute ihn befreiten, die er selber bereits kannte, zeigten die Handschrift der Macht deutlich. Und so war sich der Jedi sicher, hier richtig zu sein – genau dort, wo ihn die Macht haben wollte.

Doch es war schwierig, zu unterschiedlich waren Jedi und Soldaten. Andenus hatte bereits häufig mit Militärs zusammengearbeitet, doch – das musste er sich eingestehen – als Kommandant. Und jetzt sollte er unter einem Kommandanten dienen, der die Macht nicht spüren konnte?

Andenus horchte in sich hinein, ob es Stolz oder Arroganz waren, die ihn zu diesen Gedanken verleiteten. Nein, es waren keine negativen Gefühle, sondern eher Sorge. Die Ansätze waren einfach grundverschieden: Während bei einer militärischen Operation genaue Planung und absoluter Gehorsam gegenüber dem Kommandanten das wichtigste Prinzip darstellten, war es bei Jedi anders. Auch dort gab es Missionsleiter, die Befehle gaben, aber im Endeffekt war es an jedem Ritter selber der Macht zu folgen. Die meisten Jedi-Einsätze waren nicht so akribisch geplant, weil allen bewusst war, dass sich die Macht häufig in der Situation selber am sichtbarsten zeigt und man erst dann „richtig“ zu handeln weiß.

Wenn man Jedi nun in ein Korsett absoluten Gehorsams zwängte, wäre es wie ein Blinder der eine Gruppe Sehende führt und sie anweist Augenbinden zu tragen: Man kommt voran, aber nimmt sich einen großen Vorteil - und läuft Gefahr unversehens in einen Abgrund zu stürzen.

Und es war in gewisserweise Blindheit, die sie führte. Nicht weil Senior Agent Johnsen in irgendeiner Weise inkompetent wäre – Andenus war sich sicher, dass er mehr als nur fähig war – sondern weil ihm einfach ein „Sinn“ fehlte. Die meisten Jedi-Ritter waren nahezu 20 Jahre lang darin geschult diesen Sinn einzusetzen, den Willen der Macht zu spüren und jetzt mussten sich zwei Ritter und ein Padawan dem Kommando eines Nicht-Sensitven unterodenen. Andenus hoffte, dass die Macht durch den Senior Agent, wirkte, denn wenn er vor der Entscheidung stand, ob er der Macht oder dem Agenten folgen sollte, war die Entscheidung immer klar: Der Macht.

Er spürte die Blicke der Soldaten, hörte ihre Worte, nahm war das für sie die Macht nur irgenteine Spezialisierung war, bei der die Jedi beraten und helfen sollten. Doch die Macht war alles, sie war überall. Es war kein Spezialgebiet, sondern ein Generalgebiet. Man konnte sie nicht abtrennen und gesondert betrachten. Dieses Unverständnis verblüffte Andenus und stimmte ihn besorgt.

Diese Sorge wurde noch dadurch gestärkt, dass Coruscant abgeriegelt war und die Zakuul mit drei Armeen gleichzeitig kämpfen konnten. Es war absurd. Was war das für eine Macht, die so mächtig werden konnte, dass sie es mit Republik, Imperium und Hutten zugleich aufnehmen konnte. Es war wie ein Diablo ex Macchina, wie ein dramatischer Kunstgriff, der einen Gegner schuf, der so übermächtig war, dass man einfach nur zusehen musste, bis man verging.Die Hoffnung war nicht verloren, doch es kostete Disziplin sie hochzuhalten und wenn er in die verschlossenen Gesichter der Leute um sich sah, das es den anderen ähnlich ging. Gerade jetzt waren Jedi wichtig, als Hoffnungsspender, denn die Macht hatte sie nicht verlassen – im Gegenteil, sie hatte den Ritter hierher geführt.

Dennoch gab es Dinge zu adressieren: Padawan Sunao, der bis vor einem Jahr noch Anwärter war, verkam in diesem Umfeld mehr zu einem Soldaten als zu einem Padawan. Wie sollte er lernen die Macht zu hören, wenn er auf einer Mission nur Befehle ausführte? Zu einem Jedi gehörte soviel mehr als im Kampf zu bestehen und Andenus wusste nicht, ob der Padawan genügend angeleitet wurde. Er würde sich nicht mehr als notwendig einmischen, schließlich hatte Ritter Duskweaver das letzte Wort – dennoch würde Andenus nicht tatenlos zusehen, wie Jedi ihr Potential verschwendeten.

Verschwendet war auch die Tatsache, dass der Hutte Ikkutell Whuudox noch immer im Besitz seines Lichtschwerts war. Ohne es fühlte er sich fremd und seltsam unvollständig. Er brauchte kein Lichtschwert um ein Jedi zu sein, aber es war sein Begleiter, sein Halt gewesen – ein beständiges Memento, dass er eine Pflicht zu erfüllen hatte.

Was auch immer geschah, er war ein Instrument der Macht. Und wenn sie ihn lichtschwertlos hierher geschickt hatte, dann hatte das einen tieferen Sinn. Er musste ihn nicht erkennen, um zu wissen, dass er da war.

Denn er war ein Jedi-Ritter und die Macht war sein Kommandant.
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40

Dienstag, 17. Mai 2016, 17:31

Verwirrung


Die feuchte Hitze Yliesas vermischte sich mit dem fruchtig-toxischen Geruch von Drogen zu einem üblen Gestank, der auf den Straßen der tropischen Welt noch sehr viel deutlicher zum zur Geltung kam, als in den schäbigen Zimmern des Stundenhotels.

Andenus war dem dringenden Bedürfnis gefolgt, die Enge des Etablissements zu verlassen, um auch die Enge in seinem Kopf zu beseitigen. Er wusste nicht ob es die ständigen Dämpfe, die unangenehme Geräuschkulisse oder die Schwierigkeit der aktuellen Situation waren, die seinen Geist so beschwerten, dass er sich schwer tat, seine innere Balance zu finden.

So schwer hatte er sich seit Jahren nicht mehr getan, seit der Gefangenschaft bei Lord Kifdas hatte ihm nichts so sehr aus der Ruhe gebracht wie die Tage hier auf Yliesas.

Der Jedi war gewahr, dass es nicht an den externen Einflüssen lag, sondern an seinem Inneren, das schwer in Aufruhr war. Er konnte es noch immer nicht begreifen: Was war vorgefallen?

Ohne Mühe rief er sich die Situation in den Geist, die der Höhepunkt seiner Überlegung darstellte.

Ein kleines Zimmer, aufgeräumt aber wie der Rest des Hotels schäbig. Die Luft von Teeduft schwanger, die Aura des Padawan strahlte Unwohlsein aus, der Ritter kühle Distanz.

Andenus hatte damit gerechnet, einen Bruder zu finden. Nach einem Jahr, in der er keinen Jedi sah, endlich einen Ritter zu treffen. Endlich jemanden zu treffen, der die Wege der Macht verstand oder vielleicht auch nur das ständige Pflichtbewusstsein, das Verantwortungsbewusstsein spiegeln konnten – besonders nach den erfahrenen Versuchungen.

Was er fand, war Ilokai Duskweaver. Er wusste nicht, was für ein Problem der Jedi mit ihm hatte, aber er fühlte sich als ob er gegen eine Wand gestoßen wäre. Andenus hatte es in all den Jahren nicht erlebt, jemals mit soviel Respektlosigkeit behandelt worden zu sein, wie in diesem Moment. Alle Jedi sollten Brüder sein, aber schon als er den Ordensfreund nach seinem Befinden frag, sprang er ihm metaphorisch ins Gesicht. Warum er sich Befehlen verweigern wolle? Dass das Interesse nur geheuchelt war. Dass er diese Spielchen unterlassen solle.

Andenus war einen Moment sprachlos. Was bei der Macht war eben geschehen? Kein Versuch seine Position zu verstehen, nichteinmal nachzufragen. Gleich zu Schlussfolgerung kommen, und urteilen – ohne ein Wort der Erklärung gehört zu haben. Das machte Andenus nicht mal mit ordensfremden, nie im Leben wäre er auf die Idee gekommen jemals so mit einem Bruder des Ordens umzugehen. Als der Padawan noch versuchte ihm zu erklären, dass es nur daran lag, dass sie Nichtsensitive nicht als moralisch unterlegen betrachten würden, musste er an sich halten, dass ihm die Kinnlade nicht herunterklappte.

Hatte Padawan Sunao gerade implizit gesagt, er würde Nichtsensitve als moralisch unterlegen bergeifen? Noch ehe etwas antworten konnte, schlug Ritter Duskweaver dem Fass den Boden aus. Andenus hätte sein kritisches Denken zusammen mit seinem Übungsschwert abgegeben.

Das war der Zeitpunkt, als er den halbgetrunkenen Tee auf den Tisch stellte und sich empfahl. Sein Kopf schwirrte und sein Herz war voller Emotionen. Womöglich hatte er auch etwas verletzendes zum Abschied gesagt, er wusste es nicht mehr, zu sehr verwischte die Erinnerung an dieser Stelle.

Enttäuschung, Verletzung, Verwirrung, Empörung, um nur ein paar zu nennen. Warum beleidigte der Bruder ihn? Was in aller Welt war geschehen?

Für Andenus war der Orden immer der Hafen, war das was ihn neben der Macht stützte und nun aus heiterem Himmel beleidigt zu werden, hatte ihn schwerer getroffen als ihm lieb war.

Das Schauspiel hatte dort allerdings noch kein Ende. Andenus dachte, dass diese Meinungsdifferenz beizeiten mit ruhigerem Gemüte von beiden beigelegt werden konnte, doch schon innerhalb von Tagen waren die Jedi Stadtgespräch. Er wusste nicht ob Ritter Duskweaver oder der Padawan den Klatsch verbreitet hatten, aber es führte dazu dass man ihn sofort darauf ansprach. Andenus bestätigte den Vorfall, aber versicherte dass das ordensintern geregelt werden kann. Wo lagen denn die Loyalitäten des Ritters? Nicht beim Orden, denn sonst hätte er ihm aus Gehorsam diesem gegenüber ein Mindestmaß an Respekt entgegengebracht. Nicht der Macht? Denn selbst wenn er eine andere Interpreation der Macht hatte, auf völliges Unverständnis zu stoßen, war verblendet und ließ gerade das kritische Denken vermissen, dass er bei Andenus nicht sehen wollte.

Wahrscheinlich tat er dem Ritter unrecht und seine eigene subjektive Wahrnehmung nahm die Situation schärfer auf, als sie tatsächlich gewesen war. Doch das Gefühl blieb, die Verwirrung ebenfalls. Als sie bei der Übung zusammenarbeiten mussten und Ritter Duskweaver sich anstellte, als wolle er das sie scheitern, wäre Andenus fast die Zunge entglitten.

Dass der fremde Ritter am Ende sich dann noch auf unerfindliche Weise über Andenus Inkompetenz ausließ und ihm indirekt der Lüge bezichtete, weil er sich als Diplomat auf Tython einst vorstellte, aber nun auch Fronterfahrung besaß – war die Verwirrung komplett.

Es war bereits so nicht einfach Halt in der Soldateneinheit zu finden, zu groß waren die Unterschiede. Wenn man dann noch vom eigenen Ordensbruder angegriffen wurde, zehrte das an ihm – und das mehr als er wollte.

Er hatte Senior Agent Johnson seine Dimission angeboten, ein Zug der entgegen seiner Überzeugung passierte. Sein alter Clanspruch erklang in seinem Geiste: "Wenn du zum Drachen-Clan gehörst, bist du beharrlich. Nichts lässt dich zurückweichen solange du nicht willst." Diese Beharrlichkeit hätte er in dieser Verwirrung doch fast verloren.

Als der Jedi durch die Straßen stapfte und seinen Geist vor den umherwabernden Emotionen verschloss (von Depressionen bis zur Ektase war der Planet erfüllt von starken Emotionen, Aloncor würde diesen Ort nicht leiden können, dachte Andenus bei sich), zwang er sich mit jedem Schritt die Last des Vorgefallenen von sich abzustreifen.

Auch er musste mit einem zu schnellen Urteil vorsichtig sein, er wusste nicht was vorgefallen ist, wusste nicht was der Orden getan hatte, um den Bruder so gegen einen anderen Bruder aufzubringen. War es tatsächlich nur seine Transparenz? Dass er den Leitern gesagte hatte, dass er im Zweifelsfall der Macht folgen müsste und nicht ihrem Befehl? Es war ein hypothetischer Fall, klar, aber ihm war es wichtig, dass er sie darüber in Kenntnis setze. Mit offenen Karten spielen. Wenn das der Punkt war, der Ritter Duskweaver so betroffen hinterließ, dass er gegen ihn verbal ausschlug, war das irgendwie ... merkwürdig.

Andenus seufzte und bereute es, weil er daraufhin wieder die scheußliche Luft des Planeten aufnehmen musste.

Er würde dem Ritter weiterhin Chancen geben, denn er war sein Bruder. Vielleicht war das der Grund warum die Macht ihn hierher gesandt hatte. Um von ihm zu lernen und zugleich Wissen zu lehren.

Denn es gab auch Punkte, die der Ritter ansprach, die durchaus Berechtigung besaßen. Sein förmliches Verhalten, gemischt mit der Unbeugsamkeit seines Glaubens, konnte als Arroganz wahrgenommen werden besonders bei den Soldaten. Das war nicht korrekt, aber das war irrelevant. Am Ende zählte was die Soldaten und Agenten von ihm hielten und dass sie ihm vertrauten. Andenus gestand sich eine gewisse Blauäugigkeit ein. Er war gewohnt mit Gläubigen zu interagieren, seien es Soldaten, Jedi oder sogar Sith. Die Atheisten, die er vermeintlich hier traf waren ein neues Kaliber – und eines mit dem er sich schwer tat.

Es half nicht, dass eine ehemalige Grüne Jedi, die den Orden verlassen hatte, noch meinte ihn analysieren zu müssen – und dann überrascht schien, dass er Dinge in Frage stellt. Was dachte man von ihm? Dass er eine stupide Drohne ist? War er nicht Philosoph? War kritisches Denken und Staunen nicht der Fuß aller Philosophie?

Es wäre fast komisch gewesen, wäre es nicht so grotesk.

Wie erschien er den Leuten denn, dass er von ausnahmslos jedem falsch verstanden oder inkorrekt beurteilt wurde. Wie konnten Fremd- und Selbstbild soweit auseinandergehen. Vielleicht war er tatsächlich zulange an der Front gewesen, dass er sein diplomatisches Gespür verloren hatte. Oder sein Wunsch, endlich wieder er selbst und frei zu sein, überstrahlte die Notwendigkeit, sich mit den Kameraden zu verbrüdern. Sollte er so tun als ob er jemand anderes wäre?

Nein, das erschein Andenus der falsche Weg. Er wollte sich dennoch bemühen, sich etwas zurückzunehmen und seine förmliche Art so gut es ging zurückzuschrauben.

Und wer weiß, vielleicht gab ihm die Macht noch eine Chance sich mit Ritter Ilokai zu versöhnen. Wie dem auch war, er würde weitermachen.

Mit Beharrlichkeit, Umsicht und Machtvertrauen – wie er es stets tat.

Hinter ihm übergab sich ein Obdachloser.
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