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Montag, 28. September 2020, 18:06

Das Wiedergewinnungsprogramm

Kapitel 1 - Die Wiedergewinnung


Irgendwo im Imperium. Ein Hämmern an der Tür riss Dr. Ava Beckett aus dem tiefsten Schlaf, den sie je erlebt hatte. „Beckett, auf geht´s!" Brüllte der Wachmann und klang noch ungeduldiger als sonst. „Du hast einen Patienten. Bewegung!" Immer noch schlaftrunken sah sie auf die Uhr. Dort stand 03:46 Uhr Ortszeit. Nur 120 Minuten waren vergangen, seitdem sie nach 24 Stunden ununterbrochener Arbeit umgefallen war. Weiteres donnerndes Klopfen irritierte ihre Sinne. Es klang wie Schläge eines Gewehrlaufs. „Doc! Ich verliere langsam die Geduld!"

„Bitte, geben Sie mir nur... eine Minute." Murmelte sie und griff nach ihrem Datenpad. Sie war wie betäubt vor Erschöpfung. Ihre Beine fühlten sich an, als ob sie sich durch Schlamm bewegten. Ungeschickt ließ sie das Gerät auf den Boden fallen und dämmerte wieder in die Bewusstlosigkeit.

Dieses mal glitt die Tür auf. Das Zimmer, das jetzt ihr Zuhause war, war winzig. Der Wachmann machte zwei Schritte und erreichte das Bett, auf dem sie schlief.

„Ich sagte, ich brauche nur eine Minute." Murmelte sie. Die Injektionspistole in der Hand des Wachmanns bemerkte sie nicht. Der Mann schob das Haar, das ihren Hals bedeckte, grob zur Seite und drückte die Injektionsmündung gegen ihre Halsschlagader. Ein Zischen ertönte, dann ergoss sich eine konzentrierte Dosis chemischer Stimulanzien in ihren Blutkreislauf. Ihr Herz fing an zu rasen und sie schnappte nach Luft. Dann sprang sie auf.

„Ab durch die Mitte." Grummelte der Wachmann. Ava atmete schnell. „Wie viel war das?" Stammelte sie.

Der Wachmann führte sie am Arm zur Tür. Ein gepanzertes Hoverfahrzeug mit einer befestigten Autokanone stand im Leerlauf draußen. „Wir haben jemanden aufgegriffen, einen Mann." Murmelte er und bugsierte sie auf den Rücksitz. „Der Direktor will, dass Sie ihn wiedergewinnen."

Ava war so aufgedreht, dass sie zitterte. Sie klammerte sich mit aller Macht an einen Handgriff und flog vom Sitz, als das Fahrzeug nach vorne schnellte. Ihre Brust fing an zu schmerzen. „Die Dosis war zu hoch." Stammelte sie. „Ich könnte einen Herzstillstand erleiden."

„Ruhe jetzt!" Grollte der Wachmann und zwang das Fahrzeug in eine Kurve. Es war fast der Zeitpunkt der Dämmerung, und die Sonne würde in weniger als einer Stunde über dem Gebirgszug stehen. Sie rasten durch die Tore eines Wissenschaftlichen-Komplexes und ließen feine Silikonwolken hinter sich.

Ava zog sich eine Schutzbrille für ihre Augen über. Sie sah die zerklüftete Flanke der Berge in der Ferne. Elektrische Stürme warfen sich gegen die Gipfel und erleuchteten die Wolken, die sie umgaben. Die scharfe äquatoriale Neigung des Planeten sorgte für große Temperaturunterschiede zwischen den Polen, die kräftige Jetstreams über den Planeten sandten. Der Gebirgszug besaß nicht nur Unmengen an Rohstoffen, er bot auch Schutz vor dem turbulenten Wetter, das im Winter die Hemisphäre geißelte.

Silhouetten von Installationsgebäuden und weiteren Bauwerken tauchten aus der Dunkelheit auf. Vor ihnen schnitten die Lanzen des weißen Lichts der medizinischen und wissenschaftlichen Abteilung durch die Nacht. Ein Landungsschiff hatte gerade vom Dach abgehoben.

Ava rieb mit der Hand über ihre furchtbar schmerzende Brust und fand den goldenen Anhänger der Macht unter ihrem Arztkittel. Sie schloss die Augen, zwang sich zur Ruhe und betete schweigend ein Gebet des Trostes.

Das Hoverfahrzeug blieb stehen. „Auf!" Befahl der Wachmann, sprang hinaus und öffnete die Tür für sie. Ava fand ihre Stärke in ihren Glauben an die Macht. Sie ignorierte die ausgestreckte Hand des Wachmanns, verließ das Fahrzeug und wünschte, sie hätte dieses Gefühl schon viel früher in ihrem Leben gekannt.

Tief im Inneren der Bodenstation Epsilon 3 standen eingekerkerte Gefangene aufgereiht an den gebogenen Wänden einer riesigen Kammer. Die perfekten Reihen ihrer durchsichtigen Behälterkammern wanden sich wie Larven um einen gigantischen Computerkern. Ähnlich wie Taucher im Wasser schwebten diese Insassen in einem zähflüssigen Gel, das ihr unbewegliches Fleisch hygienisch sauber hielt und ernährte.

Alle Außenflüsse und Sinneseindrücke wurden mittels Dreamcast-Technologie über eine Schnittstelle im Gehirn kontrolliert, deren Leitung Gedankenwächtern unterlag. Ihre Aufgabe bestand darin, die von den Wissenschaftlern vorgeschriebenen Szenarien an den Gefangenen zu vollstrecken.

Die Insassen wurden dauerhaft in REM-Schlaf gehalten, um sicherzustellen, dass die Erinnerungen an ihre Neukonditionierung tief in ihrem neuen Leben verankert blieben. Psychologen arbeiteten mit den Gedankenwächtern zusammen und halfen bei der Rehabilitation. Sie begaben sich direkt in das Bewusstsein der Insassen und versetzten diese in die virtuelle Rolle ihres neuen Lebens. So wurden sie gezwungen, lebhafte Darstellungen tödlicher Gewalt zu erdulden, bis ihre Wiedergewinnung abgeschlossen war.

Ganz gleich, woher die Insassen ursprünglich auch stammten - die Seelen, die hier endeten, vermisste niemand, oder waren, sofern es sich um Menschen aus der Republik handelte, dazu gezwungen worden. So wurden sie auf eine Rückkehr in ihr neues Leben als Imperialer Soldat vorbereitet, und die Technologie würde einen makellosen Wandel gewährleisten.

Viele, die diese Tortur überstanden hatten, wurden mit offenen Armen empfangen. Wie ihr geliebter Anführer Darth Garwig einst erklärte, müssen abtrünnige Kinder hin und wieder auf den rechten Weg zurückgeführt werden. Man sollte ihren Seelen verzeihen, sie als vollkommen wiederhergestellt betrachten und ihre Schulden gegenüber dem Imperium als beglichen ansehen.

Die Aufzeichnungen über die Ankunft der Gefangenen auf Epsilon 3, waren oft der einzige Beweis ihrer Existenz. Bei dem neuesten Insassen Jedi Meister Hektor Merriat würde auch diese aus den Archiven entfernt werden.

Professor Doktor Edward Conor, der engste Berater von Darth Garwig, hatte einzelne, verwaiste Personen für sein einzigartiges Wiedergewinnungsprogramm gesucht. Doch heute fiel ihm ein Jedi Meister in die Hände. Der Professor war sich sicher, mit diesem neuen Probanden wäre er in der Lage seine Forschungsarbeit noch weiter zu beschleunigen.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

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Aico (29.09.2020), Ku'kiri Dhan (20.10.2020)

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Mittwoch, 30. September 2020, 14:14

Kapitel 2 - Und täglich grüßt


Er blickte auf eine surreale Strandküste, die im weichen Licht von Zwillingsmonden glitzerte. Sanfte Wellen schlugen gegen seine Knöchel. Er atmete die frische Luft und dachte nach.

In seinen kühnsten Erinnerungen, den wenigen, an die er zurückdenken konnte, seit er sich in der Wiedergewinnung befand, hatte er sich nicht vorstellen können, dass eine Imperiale Welt, eine derartig weitläufige und atemberaubende Schöpfung sein könnte. Dennoch war er traurig. Er konnte sich nicht mehr an seine Vergangenheit erinnern, wusste aber etwas von einem Ort und einer Gruppe Menschen, die ihm einst etwas bedeutet hatten. Doch das alles schien so weit entfernt, dass es nur mehr wie ein Traum erschien.

Langsam ging Hektor Merriat den Strand entlang, seine Füße sanken sanft in den feinen Sand ein. Die ersten Strahlen der Morgendämmerung kletterten gerade über den Horizont. Er sah, wie sich vor ihm Strukturen formten. Weiter im Landesinneren erkannte er eine majestätische Silhouette. Ein Turm ragte hoch über die anderen Gebäude auf. Die Flagge des Imperiums wehte an seiner Fassade.

Die Menschen dieser Stadt begannen den Tag, der wunderschön zu werden versprach. Händler öffneten die Türen zu ihren Läden entlang der Uferpromenade, eine Gruppe Jugendlicher rannte mit ihren Surfbrettern unter die Arme geklemmt über den Strand. Es kam ihm seltsam vertraut vor.

Noch weiter hinter dem Strandgebiet trafen Schwebebahnen an Plattformen ein, um Passagiere ins Landesinnere zu befördern. Arbeiter taten ihr Bestes, um am Wasser einen neuen Park zu bauen. Soweit Merriat es sehen konnte, gab es keine Anzeichen für Sicherheitskräfte oder andere Institutionen, die Zwang ausüben konnten. Es war ein Paradies.

Ein greller Blitz, blendete Merriat. Er wendete sich instinktiv ab und bedeckte seine Augen. Dann, Sekunden später, erfolgte ein lautes, grässliches Grollen aus der Stadt. Ein Feuerball erhob sich mehrere hundert Meter in die Luft und als die Sicht für Merriat langsam zurück kam, erblickte er die Überreste einer gewaltigen Detonation.

Republikanische Raumjäger von jenseits des Meeres flogen auf den Strand zu, ihre Waffen im Dauerfeuer aktiv. Sie flogen so tief, dass der Lärm ihrer Motoren ihn fast taub werden ließ, während ihre Geschosse in geraden Linien im Wasser und den weichen Sand eintauchten. Instinktiv duckte er sich und rollte zur Seite.

Schreie und Panik erfüllten die Luft und die Menschen liefen wild umher um Deckung zu suchen. Dann zuckte ein zweiter Strahl vom Himmel und legte einen ganzen Häuserblock in Schutt und Asche.

Unzählige Dropships der Republik verdunkelten den Himmel und näherten sich der Stadt wie ein Schwarm Insekten. Eine Staffel Abfangjäger, nur Momente zuvor aufgestiegen, schickte einige von ihnen brennend zu Boden. Merriat drehte sich um und schaute nach den Surfern. Er sah, wie ihre zerfetzten Leichen vor ihm an den Strand gespült wurden.

Das Bild verschwamm und änderte sich. Die großartige Stadt, die den Tag willkommen geheißen hatte, lag in schwelenden Trümmern. Rauch erhob sich aus den Gerippen der zerstörten Gebäude. Der große Turm, der die Silhouette beherrscht hatte, war auf halber Höhe abgebrochen. Das Rattern vereinzelter Schusswechsel wurde über die Landschaft getragen. Gedämpfte Explosionen durchbrachen das Geräusch der ankommenden Strandwellen.

Leichen lagen überall in den Trümmern und auf den Straßen verstreut. Kampfläufer der Republik stampften durch die zerstörten Prachtstraßen, und ihre metallischen Geräusche hallten in der ganzen Metropole wider.

Es war schon Mittag und dennoch war der Himmel dunkel. Die Rauchwolken außer Kontrolle geratener Feuer bedeckten ihn. Merriat starrte immer noch auf die toten Surfer. Ihre leblosen Körper wurden von den Wellen umgedreht. Er glaubte dies bereits erlebt zu haben, konnte sich aber nicht erklären wieso. Er spürte, wie Wut in ihm aufstieg. Es fühlte sich merkwürdig vertraut, ja beinahe beruhigend an. Langsam überwältigte ihn beinahe das Verlangen zu kämpfen. Merriat hörte seinen eigenen Herzschlag, seine Augen waren voller Leidenschaft.

Jedi Meister Hektor Merriat wusste nicht, dass sein Körper bereits schmerzen litt. 53 mal hatte er bereits die selbe Simulation immer und immer wieder durchlebt. Sein Geist war weiterhin an diesem virtuellen Strand, doch über seinen Körper machte sich bereits eine Ärztin her, die sein Fleisch mit erschreckender Präzision durchbohrte und zerschnitt. An seinen Extremitäten wurde das Exoskelett einer schweren Kampfrüstung montiert. Es war damit nicht mehr abnehmbar, verlieh ihm aber permanent erstaunliche Kräfte die sonst nur die besten imperialen Soldaten zur Verfügung hatten.

Über mehrere Zugänge wurde ihm ein Cocktail aus Drogen und Alien-DNA injiziert. Erst diese Mischung machte es möglich, dass sein Geist in dieser virtuellen Welt konditioniert werden konnte. Wieder und wieder musste Merriat diese Simulation durchleben ohne eine Chance, etwas daran oder darin ändern zu können.

Seine Augen starrten weit geöffnet regungslos nach oben. Niemand konnte mehr unterschieden, ob sich seine Pupillen bewegten. Jeder Teil seiner Augen war in Dunkelheit gehüllt, dunkler als das All selbst. Sobald die Umwandlung abgeschlossen war, würde Hektor Merriat mehr als nur ein Mensch sein. Seine Vergangenheit und sein Charakter jedoch… würden ausgelöscht sein.


Dr. Ava Beckett´s Hände bewegten sich mit chirurgischer Präzision und legten vorsichtig einen Mikroservo von der Größe eines Sandkorns auf seine Position. Das Gewebe unter der Brust des Patienten war vollkommen freigelegt. Ein Miniaturschaltkasten - ein winziges anatomisches Labyrinth aus neuen Kabeln, Chips und synthetischen Muskelfasern - dafür geschaffen Anzug und Mensch in eine Einheit zu verbinden, wurde in Merriat´s Brustkorb eingesetzt.

Alles war in das Licht der über ihrem Kopf hängenden Operationslichter getaucht. Hinter ihrer Maske atmete Ava erst dann, als der Baustein leise und sanft einrastete. Der Spielraum für Fehler betrug kaum mehr als Haaresbreite - die kleinste Veränderung im Winkel der Werkzeuge an ihren Fingerspitzen würde einen mühsamen Einsatz, der Stunden eiserner Konzentration erfordert hatte, zunichte machen.

„Eine großartige Leistung." Kommentierte eine männliche Computerstimme. „Sie haben die Fähigkeiten einer Maschine, wenn auch einer langsamen." Ava fasste die selbstgefällige Direktheit der AI als Kompliment auf. Eine große insektenähnliche Drohne mit großen dunklen Augen beiderseits des Kopfes tauchte aus den Schatten heraus auf.

„Du kannst das hier zu Ende führen." Sagte Ava und legte das Operationsbesteck hin. Die Traurigkeit in ihrer Stimme war unüberhörbar. Sie spürte, wie eine Welle von Emotionen ihre Augen erröten ließ. Die Drohne fing an, sie gegen ihr Bein zu stupsen wie ein mitfühlendes Haustier. Jede mechanische Kreatur, in diesem weitläufigen Komplex von Epsilon 3, war Teil der kollektiven AI. Obwohl sie alle unterschiedliche Funktionen hatten und verschieden aussahen, hörten sie alle auf denselben Namen: Valentin.

Valentin war programmiert, Ava und den Wissenschaftlichen-Komplex zu jeder Zeit zu beschützen. Ava entwickelte eine Freundschaft zu der AI, und zusammen versuchten sie alles über das grausame Universum zu lernen.

Die Insektendrohne verschloss die letzten Nähte mit ungeheurer Präzision. Die Operation war beendet - die Wiedergewinnung jedoch, sollte noch weitergehen.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

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Aico (30.09.2020), Ku'kiri Dhan (20.10.2020)

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Montag, 5. Oktober 2020, 13:04

Kapitel 3: Simulationsdurchlauf 276


Fünf Raumschiffe der Republik flogen durch die perlenbesetzte Dunkelheit. Die Macht, die sie zur Schau stellten, glich mehr einer königlichen Gala als einer kriegerischen Armada. Vier Kriegsschiffe der Korvetten-Klasse, von denen jedes fast hundertsiebzig Meter lang war, gehörten dazu. Die Schiffe rahmten ein majestätisch wirkendes Flaggschiff ein. Ein republikanisches Kriegsschiff der Valor Klasse. Ihr Anblick war von solch atemberaubender Schönheit, dass man ihre unglaubliche Zerstörungskraft beinahe darüber vergaß. Ihre Achse war fast fünfhundert Meter lang, ihre Konstruktion der Triumph menschlicher Schiffsbaukunst.

Hektor Merriat sah aus dem Fenster einer imperialen Raumstation – auf ihr war er aufgewacht - und betrachtete wie sich die Hangartore der Valor öffneten. Das winzige Shuttle, in dem sich eine republikanische Friedensdelegation befand, schob sich aus dem Schiff hervor, wendete elegant und flog ohne Zwischenfall in den Hangar der gewaltigen imperialen Raumstation, die dicht um Dromund Kaas kreiste.

Merriat atmete auf, auch wenn er nicht sonderlich erleichtert schien. Er wusste, dass sich seine Angst erst wieder legen würde, wenn das Kriegsschiff auf dem Weg nach Hause war. Offensichtlich war er der Einzige, der mit dem Anblick der Flotte etwas Schreckliches verband. Eine innere Unruhe ergriff ihn. Er sah sich von Gefahren umgeben, doch die Ursache dafür konnte er niemanden erklären. Sein Verstand war nicht in der Lage die falsche Realität, in der er sich befand, richtig zu verarbeiten.


Die Blitze aus dutzenden Kameradrohnen begleiteten die Ankunft der Delegation auf der Flottenraumstation. Dort umarmte der berühmte imperiale Botschafter Conrad Enders die Wirtschaftsministerin der Republik - Iria Saki - wie eine alte Freundin. Die Mitglieder beider Delegationen schüttelten sich enthusiastisch die Hände. Enders ungewöhnliche Kleidung viel auf, und Saki scherzte, sein Anzug wäre ein Zeichen für sein zunehmendes Alter. Die imperialen Organisatoren der Veranstaltung hatten sich große Mühe gegeben, eine angenehme Atmosphäre für ihre Gäste zu schaffen. So hatten sie moderate Bürger eingeladen, von Fließbandarbeitern bis Politikern, die sich darauf freuten, die Republikaner kennen zu lernen.

Auf den Fototermin folgte eine Fragestunde mit den Medien. Botschafter Conrad Enders und Iria Saki äußerten sich zutiefst betroffen über den Ausbruch von rassistischer Gewalt in ihren Grenzgebieten, gaben zu, dass beide Nationen eine Teilschuld daran trugen und schworen sich alles zu tun, um eine erneute Eskalation zu verhindern. Jemand fragte Enders, ob er versuche, den aggressiven Vorstoß der republikanischen Politik in den Staat des Imperiums zu bremsen, worauf er antwortete, er habe keinen Vorstoß bemerkt. Das Publikum lachte. Ernst fügte er hinzu, dass er die Republik bei seinem Wort nehmen würde, der heutigen Friedensinitiative eine Chance zu geben.

Die Hauptattraktion der vorbereiteten Empfangshalle war ein riesiges Aussichtsfenster, groß wie ein Hangar, das aus transparenten Nanoverbindungen bestand und einen spektakulären Blick bot auf das All und die gewaltige Raumflotte, die vor der Station verweilte. Das Kriegsschiff der Republik befand sich in der Mitte, mit ihrer langen, blinkenden und glänzenden Breitseite parallel zur Station. Im Inneren der Empfangshalle unterhielten sich Gäste und angehörige beider Delegationen angeregt miteinander. Hektor Merriat fand Iria Saki in der großen Menschenmenge und ging auf sie zu.

„Die Geschichte ist ein so zerbrechliches Behältnis." Sagte Merriat. „Glaubt Ihr, dass wir heute Abend vorsichtig genug damit umgegangen sind? Man sagt, es sei schwer die richtigen Entscheidungen zu treffen, aber das kann ich nicht bestätigen. Im Gegenteil, ich bin sehr beeindruckt von den Anstrengungen, die wir unternommen haben, um die Schlucht zwischen den Völkern der Republik und des Imperiums zu überwinden."

Iria Saki gab Merriat keine Reaktion, nicht das leistete Zucken.

Das Kriegsschiff der Republik drehte sich langsam und elegant. Die Menge stieß bewundernd den Atem aus, als sich der Bug der Valor auf das Fenster richtete. Merriat bemerkte ebenfalls, dass das Schiff beschleunigte. Die Lichter im Saal flackerten kurz. Die Menge wurde unruhig. Einigen viel auf, dass das Kriegsschiff immer näher kam.

„Der Himmel." Sagte die Botschafterin Iria Saki plötzlich. „Seine goldenen Tore öffnen sich vor mir. Ich werde dem Volk der Republik meinen letzten und größten Gefallen erweisen. Ich habe die Pflicht, für meine geliebte Republik eine Rechnung mit diesem verhassten Volk, diesen verfluchten Imperialen zu begleichen. Mein ganzes Leben lang habe ich um die Toten des Krieges getrauert. Ich habe gehofft und gebetet, dass ich eines Tages die Gelegenheit bekommen würde, all die gefallenen Menschen, die dort fielen, zu rächen. Das Schicksal hat sich an diesem großen Tag gnädig gezeigt. Ich werde all die sühnen, die ihr Leben für die freie Republik gegeben haben. Sie sind die wahren Wächter unseres einzigartigen Volkes. Mögen sie, die mutigen Kämpfer und unschuldigen, in Frieden ruhen... in der Gewissheit, dass ich ihre gestohlenen Leben gerächt habe. Seid verdammt Imperiale... seid verdammt. Möge ich so viele von euch mitnehmen, wie es mir das Schicksal gewährt."

Die Evakuierungssirenen im Inneren der Station fuhren hoch und waren ohrenbetäubend. Zahlreiche zivile Shuttles verließen bereits den großen Stationshangar und flogen ins All. „Meine Damen und Herren, bitte befolgen sie die Anweisungen des Sicherheitspersonals." Rief eine Stimme in die Menschenmenge. Wachen führten die Menschen zu den Ausgängen. Von dort aus wurden sie mit Zügen zum Hangar oder zu den Rettungskapseln gebracht, was auch immer schneller ging. „Dies ist keine Übung! Bitte verlassen sie die Station!"

Zitternd sah Hektor Merriat nach Iria Saki. Er traute weder seinen Augen noch seinen Ohren. Trotzdem setzte sein Überlebenswille ein und übernahm die Kontrolle über seine Taten. Er rannte aus der Empfangshalle in die Richtung der Rettungskapseln, und warf einen Blick zurück auf das riesige Schiff der Valor Klasse. Es nahm mittlerweile fast das ganze Fenster ein.


Das republikanische Kriegsschiff glitt lautlos durch das All, so wie es alle Dinge taten. Unaufhaltsam, ohne zu zögern und mit erschreckender Zielstrebigkeit näherte es sich der imperialen Raumstation und krachte mit apokalyptischer Macht in sie hinein. Der Bug des Schiffes bohrte sich mit schier unglaublicher Leichtigkeit in den ungeschützten Rumpf, pulverisierte die Decks vor, unter und über sich und traf schließlich eine der tragenden Verstrebungen.

Merriat zuckte zusammen. Die letzten Momente seines virtuellen Lebens führten ihn durch die Hölle. Er lief um sein Leben. Eine Explosion, gefolgt von einem lauten Knall, riss den Gang hinter ihm auf. Ein verzweifelter Techniker versuchte sich mit einem Sprung aus der Gefahrenzone zu bringen, wurde jedoch zerquetscht, als sich ein Notschott automatisch schloss. Eine schwere Erschütterung warf Merriat zu Boden.

Das Kriegsschiff stoppte so abrupt, dass sein Heck nach vorn geschoben wurde, hinein in das schmelzende Metall und die beiden Stations-Nuklearreaktoren, deren Explosion Metall und Fleisch verdampfen ließ. Die Schockwellen rasten mit tödlicher Grausamkeit, durch die Station. Wände wurden auseinandergerissen, Metall fiel in sich zusammen, als bestünde es nur aus Rost. Die gesamte Struktur kollabierte.

Überall, hörte man die verzweifelten Schreie von Hektor Merriat.
An einem anderen Ort, in der wahren Realität, ertönte ebenso laut das triumphierende Geheule von Darth Garwig.

Die Raumstation verwandelte sich in einen gewaltigen, dutzende Kilometer umfassenden Feuerball, der den Planeten Dromund Kaas wie ein gleißender Blitz erhellte. In ihm starben zehntausende Menschen und mit ihnen ein weiteres Stück von Hektor Merriats Persönlichkeit. Er nahm jedes Detail seiner Umgebung wahr, als die Wände des Ganges, in dem er sich befand, auseinander brachen. Die Leere des Weltraums riss an seinem Körper, doch Merriat spürte nichts außer dem seltsamen Gefühl, mit dem er langsam aus der virtuellen Realität herausgezogen wurde…
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Aico (06.10.2020), Ku'kiri Dhan (20.10.2020)

4

Montag, 12. Oktober 2020, 15:45

Kapitel 4: Endsimulation


Der Support-Kreuzer der republikanischen Flotte flog auf einen Außenposten zu, die es zu Dutzenden in den Grenzsektoren der Republik gab. Ihre Umgebung überwachten die Posten mit Langstreckensensoranlagen. Selbige schickten regelmäßig getarnte Abhörsonden in die angrenzenden imperialen Gebiete. Sobald sie feindliches Gebiet erreichten, flogen sie zu den Sehenswürdigkeiten. Von dort sendeten sie ihre Daten zu sogenannten Flüssigroutern - Kommunikationsgeräte, die mit Quantentechnik arbeiteten und unabhängig von der Entfernung fast ohne Zeitverlust Kommunizieren konnten.

Die Sonden und Außenposten wurden auch als Grenzzonenverteidigung bezeichnet. Sie stellten nicht nur die erste Verteidigungslinie da, sie versorgen republikanische Planeten mit Informationen und stellten eine Systemübergreifende Kommunikation für Militär und Bürger sicher. Die Republik verließ sich auf die Außenposten vor allem, wenn es um groß angelegte Schiffsbewegungen entlang der Grenzen ging. Die streng geheimen Außenposten aufseiten der Republik standen in direkter Verbindung zu den Waffenstellungen entlang der Grenze. Kriegsschiffe patrouillierten in ihrer Nähe und standen zum Eingreifen bereit.

Der Support-Kreuzer dockte an. Techniker der Navy warteten bereits auf ihren Einsatz. Es handelte sich um einen reinen Wartungsflug. Als sich die Türen der Luftschleuse öffneten, warf der Cheftechniker einen Blick auf die anstehenden Aufgaben. „Alle mal herhören." Rief er. „Stevens, Abschussdüsen eins bis fünf, mechanische und elektrische Verbindungen. Valeres, Antennen und Kameras. Merriat, Flüssigrouter und Logbänke!" Lautes Husten unterbrach ihn. Die Techniker drehten sich zu Specialist Hektor Merriat, der bereits lange Zeit in der Einheit diente, um. Er krümmte sich zusammen und hustete.

„Hektor?" Der Chief wirkte genervt. „Alles in Ordnung?"

Hektor Merriat wusste nichts von seiner wahren Vergangenheit. Dank dem Einsatz von Drogen, anhaltender Gehirnwäsche und ausgeklügelter Konditionierung, war ein Verstand entstanden, der geöffnet, und zu jeder Zeit fast gänzlich neu beschrieben werden konnte. Merriat war davon überzeugt, dass die jetzige Simulation sein echtes Leben war. Er glaubte fest daran, dass er dringend für die Wartung der Flüssigrouter gebraucht wurde. Doch neben dieser Annahme, erkannte sein Verstand noch etwas anderes, das seine weiteren Handlungen bestimmen sollte. Er wusste ihm blieb nicht mehr viel Zeit.

„Ist nur die Hyperraumkrankheit." Keuchte Merriat. Seine Kollegen stützten ihn. Er war blass, Schweißperlen standen auf seiner Stirn. „Ist gleich vorbei." Er richtete sich auf. „Ich wollte Euch nicht unterbrechen. Mir geht es schon wieder gut. Ich übernehme die Flüssigrouter und Logbänke. Wir haben ja nicht viel Zeit." Der Chief musterte Hektor Merriat nachdenklich. „Wir sind in der Navy." Sagte der Chief. „Wer stehen kann, kann auch arbeiten." Er machte eine Handbewegung. „Also gut." Sagte er. „Gehen Sie in die Krankenstation, wenn Sie fertig sind."

Specialist Hektor Merriat griff nach seinem Werkzeugkoffer. „Jawohl, Sir!"


Er hielt sich mühsam aufrecht, bis er die anderen hinter sich gelassen und den Wartungsaufzug betreten hatte. Dann brach er, von Krämpfen geschüttelt, zusammen. Er brachte kaum die Kraft auf, das Stockwerk im Aufzug anzuwählen, in dem sich die Flüssigrouter befanden. Zitternd griff er nach einer Injektionspistole in seiner Brusttasche, ließ sie jedoch fallen. Fluchend hob er sie auf, drückte sie gegen seinen zuckenden Oberschenkel und drückte ab. Simulierte Schmerzmittel, Steroide und Chemikalien schossen in seinen Blutkreislauf und linderten die körperlichen Symptome. Doch der Schmerz blieb, beinahe in all seinen Gliedmaßen. Ein psychotischer Wutanfall überkam ihn. Schreiend machte er seinen Hass auf die Republik Luft.

Nur mühsam war er in der Lage sich zu fassen und auf die Aufgabe zu konzentrierten, die vor ihm lag. Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, doch anstelle des Schweißes, den er erwartet hatte, sah er Blut an seinen Fingern. Er blutete durch die Poren seiner Haut. Er würde bald sterben, doch seine Wut war mächtiger als der Schmerz. Er öffnete die Fahrstuhltür und zerrte den Werkzeugkoffer hinter sich her zu den Reihen nummerierter Flüssigrouter. Eine automatische Sicherheitsabfrage identifizierte ihn als Specialist Hektor Merriat. Die Tür wurde geöffnet. Er machte weiter. Es ging ihm nur noch darum, alles zu vernichten, was der Republik heilig gewesen war. Wut strömte wie Gift durch seine Adern. Er öffnete die Abdeckung der Speicherbänke, die sich hinter den Flüssigroutern befanden. Blut tropfte von seinen Augenbrauen. Fluchend begann er die Flüssigrouter und damit die Grenzzonenverteidigung abzuschalten. Es war eine ungeheuer komplexe und gefährliche Aufgabe, aber dank der neuen Erinnerungen, die ihm das Wiedergewinnungsprogramm gegeben hatte, wusste er genau, was zu tun war.

Ein Alarm heulte auf, als Merriat die letzte Abschaltungs-Sequenz initiierte. Sein Körper war von Blut überströmt. Seine Haut und die ganze Statur quollen auf. Die gefährlichen Chemikalien, die Merriat zuvor mit voller Absicht und dem Wissen seines damit verbundenen Todes, in seinen Körper gejagt hatte, reagierten aufeinander. Sein Organismus verhielt sich wie eine Bombe. Nur Sekunden später zerriss eine ungeheure Explosion den Körper von Hektor Merriat und zerstörte die Flüssigrouter des republikanischen Außenpostens. Und dann umgab ihn wieder eine entspannende Dunkelheit, aus der eine angenehme männliche Computerstimme zu ihm sprach.

„Guten Morgen, Soldat. Ich heiße Valentin. Wie fühlen sie sich?"


Ein älterer Mann öffnete zum ersten Mal seine neuen Augen. Die erste Lebenserfahrung wurde von ihm wahrgenommen als ein heller Punkt, auf den ein entferntes, dumpfes Flüstern folgte. Eine Flut von Gefühlen registrierte sein Bewusstsein, wo es zuvor nur einen schwarzen Ozean des Schlafes gegeben hatte. Sein Geist nahm die Welt um ihn herum in sich auf - Seine Brust, die sich hob und senkte, und das Gefühl des Atems, der seine Lungen füllte; der Geschmack des Speichels und bei jedem Schlucken das Zusammenziehen seiner Kehlmuskulatur; Hände, die sich auf seinen Befehl zu Fäusten ballten; dies alles, so schien es, waren Erfahrungen für einen Mann, der gerade neu geboren worden war.

Er lag auf dem Rücken und blinzelte, versuchte, sein enges Gefängnis zu begreifen. Nur wenige Zentimeter von seinem Gesicht entfernt befand sich eine Scheibe. Frustriert über seine eigene Unsicherheit betrachtete er das Spiegelbild darin, bei dem es sich um sein eigenes handeln musste. Es erwiderte seinen Blick ebenso verwirrt. „Wer bin ich?" Fragte diese verlorene Seele, während sie sich auf der Suche nach Erinnerungen oder Referenzpunkten in die Vergangenheit vortastete. Doch der Mann fand keine Erklärung für seinen merkwürdigen Zustand, nur Schwärze. Als der Mann versuchte, seine Schultern zu heben, senkte sich ein medizinisches Gerät aus der Decke herab. Ein blaues Licht strich langsam über seinen Körper. Erst in diesem Moment erkannte er, dass sein Hinterkopf an dem Bett, auf dem er lag, befestigt war. Das Gerät schwebte über seinen zusammengekniffenen Augen, dann meldete sich die künstliche Stimme Valentins. „Eure körperlichen Werte sind hervorragend. Bitte entspannt Euch, damit ich den Wiederaufbau Eures Temporallappens einleiten kann. Scann beginnt... ich werde Euch nun einige Fragen stellen." Fuhr die Stimme fort. Trotz des künstlichen Tonfalls empfand er sie als beruhigend.

​Die imperialen Wachen im Raum zuckten zusammen, als der Behälter zu zischen und klicken begann. Langsam öffnete sich der Deckel. Ein Mann lag vor ihnen. Die Person unterschied sich deutlich von einem charismatisch, gutaussehenden Mann. Auf den ersten Blick wirkte er wesentlich älter. Sein Kopf war rasiert. Er war ungewöhnlich groß und von schlanker Statur. Seine kybernetischen Verstärkungen – zumindest die Sichtbaren – verliehen ihm ein gespenstisches Aussehen. Seine Augen hatten die offensichtlichste und auffallendste Veränderung erfahren: Die Iriden waren smaragdgrün. Es schien fast, dass seine Gefühlslage an die Farbe gebunden war. Die Schleimhaut der Augen war mit Mikroschaltkreisen durchzogen. An beiden Jochbeinen liefen Metallkanten entlang, die unterhalb des Ohres begannen und am Anfang seines scharfen Kinnes endeten. Niemand von den Wachen wusste, was diese Augen sehen konnten - alle wussten nur, dass er nicht mit diesen Augen geboren worden war.

„Scheiße!" Flüsterte eine Wache und sah weg. „Wir hätten den Deckel besser nicht geöffnet."


„Kennen Ihr das heutige Datum?“ Begann Valentin. Seine Stimme war tief und kam der einer angenehmen Erzählerstimme gleich.
„Nein….“ Sagte der alte Mann verwirrt.
„Kennen Ihr Euren Namen?“
„Nein….“
„Was ist das letzte woran Ihr Euch erinnert?“ Fragte Valentin.

Der alte Mann grub in seinen Erinnerungen. „Ich… weiß nicht woran ich mich erinnere.“ Stellte er fest. Seine Stimme klang hol und von Trauer durchzogen. „Wo bin ich… was ist passiert?“

„Keine Sorge, Soldat.“ Versprach Valentin. „Ihr seid in die Sicherheit des imperialen Territoriums zurückgekehrt. Ihr befindet Euch in einem imperialen Hospital auf der Basis Epsilon 3. Ihr habt im Gefecht gegen unsere Feinde ein schweres Trauma erlitten. Eure Familie wartet draußen bereits und kann es kaum erwarten Euch zu sehen.“

„Gefecht?... Familie?...“ Fragte der Mann unsicher.

„Ja.“ Antwortete Valentin mit seiner beruhigenden Stimme. „Euer Bruder, Darth Garwig ist sofort hier hergereist, als er von Eurer Verletzung im Gefecht erfahren hat. In Abstimmung mit Euren Ärzten wurde der Kontakt zu Eurem Bruder gestattet. Er wird Euch alle Fragen beantworten. Bitte beachtet, dass die nächsten Visiten in einer Stunde stattfinden werden. Eure Genesung und die damit verbundenen Behandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Eure schweren Verletzungen konnten versorgt werden, doch Ihr leidet immer noch an Gedächtnisverlust und Desorientierung. – Keine Sorge, Soldat.“ Versprach Valentin erneut. „Die Ärzte sind sich sicher, dass Ihr voll genesen werdet.“

Der alte Mann schien zu überlegen, bis er dann ein lauter werdendes Knallen schwerer Stiefel, das von außen hereindrang, bemerkte. Die schwere Metalltür zum Patientenzimmer öffnete sich mit einem mechanischen zischen. Ein sich kalt anfühlendes Licht strömte in den Raum und vertrieb die aller letzten Schatten in die Ecken des Patientenzimmers. Eine Gestalt in dunkler Uniform betrat den Raum, wobei sie in der Tür das meiste Licht wieder verdeckte. Nach einem weiteren Schritt in den Raum hinein schloss sich die Metalltür hinter ihr.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

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Aico (15.10.2020), Ku'kiri Dhan (20.10.2020)

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Montag, 19. Oktober 2020, 15:50

Kapitel 5: Neue Liebschaften

Darth Garwig verfügte, das das Imperium die Technologie zur Produktion einer absolut loyalen und gehorsamen Armee haben müsse, und Professor Doktor Edward Conor hatte man aufgetragen, sie zu liefern. Sie wollten einen unaufhaltsamen Kreuzzug, um das Imperium in seiner Gänze zu verbreiten und die Konflikte mit der Republik siegreich zu beenden. Das war gemäß der Denkweise eines Sith für das Allgemeinwohl der Lebewesen dieser Galaxie notwendig.

Es war der Beginn des Wiedergewinnungsprogrammes. Sklaven und Kriegsgefangene aller Völker – außer echten Imperialen, versteht sich – wurden als Testobjekte nach Epsilon 3 gebracht. Nach dem genug Exemplare gesammelt und analysiert worden waren, formte sich mithilfe von Technikern und Ingenieuren, das erste Design der Wiedergewinnungstechnologie. Testsubjekte wurden mit Neuroschnittstellen an ihrem Hirnlappen ausgestattet. Dadurch wurde es einfacher ihr Bewusstsein zu beeinflussen und neue Erinnerungen einzusetzen.

Frühe Testobjekte starben unter entsetzlichen Schmerzen. Diese wurden verursacht durch von falsch vermessenen Nervenbahnen, bis hin zu unkontrollierbaren Autoimmunreaktionen. Einige blieben lange genug bei Bewusstsein, um noch um ihren Tod zu betteln, und glitten dann hinüber. Andere erwachten als Krüppel, Wahnsinnige oder einfach nur leere Hüllen ohne kognitive Fähigkeiten. Die wirklich glücklichen öffneten ihre Augen gar nicht mehr. Unglücklicherweise, aber nicht überraschend, setzte die Wissenschaft sich über die Jahre hinweg durch. Die erste arme Seele, die den verfeinerten Prozess überlebte, war eine kleinkriminelle Twi'lek-Frau, die vom Imperium für ein Verbrechen gesucht wurde, das diese Art der Strafe nicht verdient hatte. Die Übertragung der neuen Essenz in das Bewusstsein der Twi'lek-Frau, war nahtlos. So wurde sie zum Ersten wiedergewonnenen Soldaten des Imperiums.

Um die Forschungen geheim zu halten, wurden die Überreste der gescheiterten Testsubjekte – selbst die, die noch über gute Gesundheit verfügten – verflüssigt, sortiert und einer wachsenden Sammlung von Biomasse hinzugefügt. Sie war eine dickflüssige Suppe aus Aminosäuren, Stammzellen, Proteinen und organischen Molekülen, die darauf wartete in den Kreislauf des Wiedergewinnungsprogramms zurückgeführt und weiter verarbeitet zu werden. So wurde die Flüssigkeit beispielsweise eingesetzt, um Bio-Mimetisches Gel herzustellen, das in die Behälterkammern der Gefangenen geleitet wurde, um ihre Haut sauber zu halten, oder sie über Magensonden damit direkt zu ernähren.

Jetzt, da der Wiedergewinnungsprozess mit den kürzlichen Erfolgen um Hektor Merriat perfektioniert war, entsandte ein äußerst ungeduldiger Darth Garwig zwölf seiner ergebensten Sith-Krieger, damit sie sich der Umformung zu einem noch besseren Soldaten unterzogen. Diesmal waren es freiwillige. Doktor Ava Beckett konnte sich lebhaft vorstellen, wie man ihnen das verkauft hatte. Jeder andere wäre wahrscheinlich stolz auf seine Errungenschaft gewesen. Wäre sie hier allerdings keine Gefangene, hätte sie diesen großen Fortschritt, samt der Basis Epsilon 3, am liebsten in die Luft gesprengt.


Ava stand neben Professor Doktor Edward Conor hinter einer verspiegelten Scheibe. Beide sahen in das Patientenzimmer hinein, wo Darth Garwig, Hektor Merriat umarmte, als wäre er sein eigener Bruder.

„Gut geschlafen, Doktor?“ Fragte Conor. „Ihr werdet Eure Stärke heute brauchen.“ Der Sicherheitsdroide, der hinter Ava stand, umklammerte Ihre Arme, so dass sie sich kaum noch bewegen konnte. Aus seinem Griff gab es kein Entkommen. Die Augen der Maschine fixierten sie.

„Eure Forschungen waren unverantwortliche Wissenschaften, die von bedeutungslosem Ehrgeiz getrieben wurden.“ Sagte Ava. „Ich verachte Euch aufs tiefste. Ihr habt keine Ahnung was Ihr angerichtet habt!..... Ihr habt keine Ahnung!.“

„Ich habe Vertrauen in meine Arbeit.“ Sagte Conor. „Ich erwarte nicht, dass Ihr das versteht.“

Beide sahen anhaltend durch die Scheibe, als Hektor Merriat die Umarmung Garwig´s bedingungslos erwiderte.

„Garwig hat Euch befohlen ein Monster zu erschaffen, das er dazu nutzen wird umso viele Jedi wie möglich zu töten, und in einer gewissenlosen Armee dienen wird.“ Sagte Ava.

„Ein Soldat, den man nicht kontrollieren kann, ist nutzlos.“ Sagte Conor. „Wir haben seinen Verstand im Austausch für seine Dienste an die Leine gelegt. Sein Fleisch und der mechanisch verstärkte Körper sind nur Mittel zum Zweck.“

„Und welcher Zweck soll das sein? Fragte Ava, während der Sicherheitsdroide weiter wie ein bösartiger Krebs an ihren Armen haftete. „Imperiale Banner, die in jeder Halle der Galaxis hängen?“

„Natürlich.“ Sagte Conor. „Zum Besten für uns alle.“

„Ihr konntet diese Technologie nicht richtig verstehen, geschweige denn anwenden.“ Sagte Ava. „Also habt Ihr Eure Unfähigkeit dadurch ausgeglichen, dass Ihr so viele Probanden von ihnen gesammelt habt, wie das Militär nur finden konnte.“

„Es gab keine Zeit, um vorsichtiger vorzugehen.“ Sagte Conor. „Die Sith waren ungeduldig, genau wie Darth Garwig. Ich musste beweisen, dass die Technologie funktioniert. Ihr reitet ja gerne darauf herum, dass ich keine Emotionen habe. Aber wenn ich sie hätte, würde ich jetzt wahrscheinlich Vergnügen bei dem empfinden, was ich mit Euch machen werde, Ava.“

Ava wusste nicht, ob aus Angst oder Belustigung, aber sie brach in Gelächter aus. „Ihr seid so lächerlich.“ Schnaubte und keuchte sie abwechselnd. „Von allen Vergnügungen, die Ihr den Lebenden neiden könntet, ist die Folter diejenige, die Euch daran erinnert, dass Ihr keine Seele habt.“

„Ich werde Euch nicht foltern.“ Sagte Conor so ruhig, als würde er sich beiläufig über das Händewaschen unterhalten. „Ich werde Euch Wiedergewinnen, Ava. Und ich werde es langsam tun. Ihr werdet zu meiner loyalsten Wissenschaftlerin, die je an meiner Seite gearbeitet hat. Ich werde Euren Verstand und Eure Erinnerungen nach meinem Willen formen. Ich werde dafür sorgen, dass Ihr mich lieben werdet, Ava. Ich werde Euch dazu zwingen meine Größe freiwillig anzuerkennen. Und gemeinsam werden wir dem Imperium die Armee schenken, die wir uns zusammen erträumen.“

Ava traute Ihren Ohren nicht. „Ihr seid verrückt.“ Flüsterte sie beinahe, als sie begriff, welcher furchtbare Alptraum seinen Lauf nahm. Sie spürte Qual und Schmerz, das Übelkeit erregende Gefühl des Verlustes. Sie war nicht in der Lage zu begreifen, dass dies wirklich geschah. Der Gedanke, dass dieser ekelerregende Wahnsinnige die Oberhand gewann, machte sie krank.

„Verrückt?“ Fragte Professor Doktor Edward Conor ruhig. „Nun… wir werden ja sehen.“ Dann winkte er mit rechts. „Valentin? Bringe Doktor Beckett zum Operationssaal drei und bereite sie für die Prozedur vor. Unser Gast benötigt eine neurale Schnittstelle.“ – „Ja, Professor.“ Erwiderte Valentin berechnet.

Es begann wie ein Erdbeben. Ein Wutanfall erschütterte Ava´s Körper und vergewaltigte ihre Seele mit brutaler Grausamkeit. Sie sah zur verspiegelten Panzerscheibe. Am liebsten hätte sie sich hindurch geworfen. Selbst der Tod wäre besser, als ein Leben an der Seite dieser Bestie. Sie biss die Zähne zusammen. Ihre Gliedmaßen zitterten. Sie war Opfer und Täter zugleich. Der Lärm in ihren Inneren war ohrenbetäubend. Ein primitiver Schrei, der wie Sonnenwind heulte und sich gegen ihre Seele warf, so als wolle er sie in Stücke schlagen, presste sich aus ihrer Kehle.

Mit aller Macht trat Ava Beckett um sich, doch der Sicherheitsdroide trug sie mit schierer Leichtigkeit davon.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.

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Ku'kiri Dhan (20.10.2020)

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Montag, 26. Oktober 2020, 16:25

Kapitel 6: Persönlichkeiten


Piep................. piep................. piep.................

...drang in Doktor Ava Beckett´s Gehörgang hinein. - Schmerz - Jede Faser ihres Körpers schien ihr Gehirn mit Schmerzimpulsen quälen zu wollen. Obgleich sie einen septisch metallischen Geschmack auf ihrer Zunge schmeckte. Irgendwo in der Tiefe meldete sich ihr Bewusstsein und kämpfte sich langsam hervor. Die verschwommenen Gedanken wurden klarer. Sie versuchte langsam und gleichmäßig zu atmen und konnte so die Schmerzen zu einem dumpfen Pochen reduzieren. Außer ihrem Atemgeräusch konnte sie nur das leise Summen und das Piepsen von einigen elektronischen Geräten wahrnehmen. Nachdem sich dann einige Minuten lang nichts geregt hatte, versuchte Sie vorsichtig die Augen zu öffnen.

Da war er wieder, der Schmerz und sie schloss gepeinigt die Augen. Wer hatte denn die Lampe so aufgestellt, dass sie ihr voll in die Augen leuchten musste? Sie drehte den Kopf und öffnete dann erneut die Augen. Diesmal konnte sie ihre Umgebung einigermaßen erkennen. Ava lag auf einer Liege und die Gerätschaften um sie herum deuteten auf eine medizinische Einrichtung hin. Wo also war sie? „Ich muss unter Drogen gestanden haben." Dachte sie. „Ich kann mich nicht erinnern eingeschlafen zu sein." Auch wusste sie nicht, wie viel Zeit vergangen war. Stunden, Tage oder sogar Wochen?

Ihr Atem beruhige sich. Eine reine und friedvolle Gelassenheit überwältigte Ava´s Sinne. Ihre Kleidung war durchgeschwitzt, doch das hohe Fieber verschwand so schnell, wie es über sie gekommen war. Sie erhob sich langsam von der Liege und taumelte zu einer mit Wasser gefüllten Kristallschale. Sie begann gierig zu trinken, so als könne sie auf diese Weise die glühenden Funken löschen, die das Fieber in ihr zurückgelassen hatte. Schweiß floss in Bahnen über ihre Wangen, ihr Mund war so trocken wie Sand. Sie sog das Wasser förmlich in sich auf, doch sie ließ die Schüssel sinken, als sie ihr gequältes Spiegelbild sah. „Was geschieht mit mir?" Fragte sie sich. „Was ist aus mir geworden?"

Sie hatte sich noch nie so alleine gefühlt. Die Furcht, die ihr aus ihrem Spiegelbild entgegenblickte, bestätigte ihre schlimmsten Befürchtungen. Sie war eine Waise in diesem Universum, und sie fürchtete sich vor dem, was aus ihr geworden war. Die Macht und Glaube hin oder her, die Chancen diesen Alptraum zu beenden waren praktisch gleich null. Ihre Verzweiflung war die gleiche, die Menschen empfanden, wenn sie an einer unheilbaren Krankheit litten. Sie wusste, dass das, was in ihr lauerte, sie eines Tages umbringen würde. Etwas Dunkles und Böses hatte sich in sie geschlichen.

Sie trank das kühle Wasser. Ihr Herz schlug schneller. Panik setzte ein. „So kenne ich mich nicht." Dachte sie, als ihr zum ersten Mal auffiel, wie sehr sich ihr Aussehen verändert hatte. Sie stieg aus ihrem schweißnassen Patientenkleid und betrachtete ebenso entsetzt wie fasziniert ihren Körper. Sie bestand fast vollständig aus perfekt geformten, ihre Weiblichkeit trotzdem betonenden Muskeln. Sie drehte sich um und betrachtete über die Schulter hinweg ihren v-förmigen Rücken und die muskulösen Beine. „Ist das mein Körper?" Fragte sie. „Conor hat ihn verbessert, aber warum? Körperliche Stärke bedeutet mir nichts. Warum hat er das also getan? Worauf will er mich vorbereiten?"

„Er wollte dich auf deine Herrschaft an seiner Seite vorbereiten." Sagte eine Stimme. „In seinem Namen und nicht in deinem."

Erschrocken fuhr Ava Beckett herum, doch sie war allein. „Du hast aus den falschen Gründen an dir gezweifelt." Zischte die Stimme. „Ich werde das noch korrigieren."

Ava erkannte, dass die Stimme ihre eigene war, doch dass sie keine Kontrolle über sie besaß. Sie warf einen weiteren Blick auf ihr Spiegelbild und glaubte, jemanden halb verborgen am Rande ihres Gesichtsfelds stehen zu sehen. „Ich verliere den Verstand." Dachte sie. „Bitte, Macht, hilf mir..." - „Die Macht hat dir geholfen." Fuhr die Andere sie an. „Du bist stärker und klüger als alle anderen und besitzt einzigartige Fähigkeiten. Also nimm es an. Nimm an, was Conor dir gegeben hat, und verstecke dich nicht vor dem Schicksal!"

Ava hielt sich an dem kleinen Tisch vor dem Spiegel fest. Das, was da neben ihr stand, erschien ihr auf der einen Seite fremd, auf der anderen erschreckend vertraut. „Wer bist du?" Begann sie. „Ich bin du!" Schrie die Andere. „Und ich lebe in dem labilen Geist eines ängstlichen, verunsicherten Kindes, das von einer gescheiterten Familie abstammt."

Ava wäre am liebsten gestorben, um diesen Irrsinn ein Ende zu setzen. Es stimmte, dass der Name Beckett innerhalb des Imperiums in Ungnade gefallen war, allerdings aus den falschen Gründen. Es stimmte auch, dass ihr Vater Großadmiral der imperialen Navy gewesen war, bevor er zur Republik überlief. Sie hatte sich geschworen, dass sie die Ehre ihres Familiennamens eines Tages wiederherstellen würde, doch dabei spielte nur Stolz eine Rolle, nicht der Glaube an das Imperium.

„Die dunkle Seite ist stark." Sagte die Andere. Trillionen Menschen teilen diesen Glauben. Denkst du, dass das Zufall ist? Wie willst du dich an die Spitze einer Gesellschaft stellen, wenn du selbst vor der Wahrheit die Augen verschließt? Die dunkle Seite wurde uns durch das Universum gegeben, Ava Beckett." Sie wollte schreien und den Dämon aus ihrem Inneren vertreiben. Um Hilfe rufen konnte sie jedoch nicht. Sie wollte keine Schwäche vor denen zeigen, die sie festhielten.

„Du bist nicht real." Sagte Ava mühsam beherrscht. „Es gibt eine Erklärung für dich! Du bist das, was Conor mir in meinen Verstand gepflanzt hat." Sie berührte das fremde, metallische Anschlussstück in ihrem Nacken. „Ich werde lernen, dich zu besiegen!"

„Sieh dich doch an." Spottete die Andere. „Ich muss dich von der Schwäche befreien. Ich werde aus dir eine echte Herrscherin machen. Einst hattest du das Potenzial, doch dann hast du deinen Weg verloren. Hättest du jemals wirklich einen hauch der dunklen Seite gespürt, wärst du heute stark und würdest dich nicht wie ein verschrecktes Kind benehmen."

Ava wich an die Wand auf der anderen Seite des Raumes zurück. Sie schloss die Augen und fuhr sich mit zitternden Händen durch die Haare. Sie zwang sich zur Ruhe. „Denk nach." Sagte sie laut. „Denk an das, was du gelernt hast und finde einen Ausweg."

„Wirklich?" Spottete die Andere. „Mach die Augen auf, du Närrin. Dich hat die Hand der dunklen Seite berührt." Ava´s Herz hämmerte schmerzhaft in ihrer Brust. Es schien ihre Rippen aufbrechen zu wollen. Sie wurde wütend. Einen Moment lang vergaß sie ihre Angst. „Du wirst nicht gewinnen!" Keuchte sie. „Du bist krank, verrückt, irre... ich werde dich schlagen. Ich will, das du verschwindest! Hörst du mich? RAUS!"

„Leg dein Ich ab. Du wirst damit deinen Namen rehabilitieren. Du wirst die Dummheit deines Vaters ausmerzen, der als Großadmiral alles verspielte. Egoismus zerstört Imperien, Ava. Du solltest das Leben, das dir bevorsteht, dem Imperium widmen. Es geht um den einzig wahren Kreuzzug. Ich warne dich: Nimm diese Verantwortung an, sonst werde ich sie dir wegnehmen. Vertreibe deine Schwäche und stell dich deinem Schicksal als Führerin, Ava Beckett."

Ava´s Wut bahnte sich einen Weg nach draußen. Sie wollte etwas zerstören, doch stattdessen erstarrte sie und zerschmetterte die Kristallschale. Mit einem lauten Knall brach das Kunstwerk auseinander.
Wer bin ich? Ich bin die Summe meiner Erfahrungen und heute bin ich mehr als ich gestern war.