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Fidelio

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Donnerstag, 13. Februar 2020, 09:37

Eskapaden eines Padawans - Fidelio

Die Zukunft des Ordens

Er rannte. Das Echo seiner Schritte hallte in dem sterilen Gang wider, der sich vor ihm entlang schlängelte wie ein schier endloser Fluss aus schwarz-silbrigem Metall. Seine Verfolger mussten ihm dichter auf den Fersen sein, als er gedacht hatte, wie das quietschend-surrende Rollgeräusch in seinem Rücken ihm nur allzu deutlich zu verstehen gab, welches ihm auf Schritt und Tritt zu folgen schien. Dennoch widerstand er dem verlockenden Impuls, sich umzudrehen. Das wäre nicht nur töricht gewesen, sondern auch die reinste Zeitverschwendung, zumal er all seine verbleibende Kraft darauf verwandte, weiterzulaufen, obgleich ihm die Seite schmerzte, als hätte sich eine scharfe Vibroklinge tief in sein Fleisch geschnitten. Nur noch ein Stück weiter. Atmen. Überleben. Das war das Einzige, was zählte. Schlitternd bog er um eine letzte Kurve und sah am Ende des Ganges endlich die lang ersehnte Sicherheitstür. Obgleich er es selbst kaum für möglich gehalten hatte, beschleunigte er seine Schritte ein weiteres Mal, obgleich er das Gefühl hatte, dass seine Lungen drauf und dran waren, die Niederlage einzugestehen und zu kollabieren. Doch dann war er endlich auf Höhe der rautenförmigen Sicherheitstür, vor der er zwangsläufig zum Halten kam. Die Zeit schien stillzustehen, während er das widerspenstige Metall stumm anflehte, sich zu öffnen. Das Rollgeräusch hinter ihm wurde wieder lauter und nun konnte er dem Drang sich umzudrehen tatsächlich nicht mehr widerstehen. Dabei fiel sein Blick auf die Steuerungskonsole der Tür und sein Herz sank ihm in die Hose. Sie war zerstört worden, wie er schon vorher hätte erkennen müssen. Müde Funken stoben von der beschädigten Maschine davon, ein Sinnbild für seine schwindende Hoffnung. Der kalte Griff der Furcht umschloss seine Eingeweide und ließ ihn erstarren. Die Tür würde sich nicht öffnen. Er saß in der Falle. Da leuchtete plötzlich ein grelles Licht auf, welches den Flur erhellte. Obgleich er sich nicht daran erinnern konnte, sein arcetronfarbenes Lichtschwert in die Hand genommen zu haben, war offensichtlich genau das geschehen. Die Klinge der Waffe erstrahlte in einem Farbton zwischen grün und blau, so als hätte sich der Kyberkristall nicht entscheiden können, welche Färbung er hatte annehmen wollen. Wie ein frischer Wind umwehte ihn neuer Mut, den er gierig aufsog wie ein Verdurstender das Wasser. Wenn er schon starb, dann wenigstens als Jedi. Das hatte etwas Beruhigendes. Er rief sich die letzte Zeile des Kodex in Erinnerung: „Es gibt keinen Tod, nur die Macht“. Und plötzlich war er ganz ruhig. Ganz eins mit sich und dem Moment. Das Rollgeräusch war stetig näher gekommen, doch nun verstummte es und der Rotschopf sah endlich seinen Widersachern entgegen und hob die Klinge in Erwartung des unvermeidlichen Angriffs. Dann durchbrach ein lauter Ruf die Stille vor dem Sturm: „Fidelio!“



Er erwachte abrupt. Der Ruf wiederholte sich, doch hatte er nun etwas Strenges, Forderndes. „Padawan Fidelio!“ Blinzelnd und eindeutig noch nicht ganz wach, hob der Angesprochene den Blick und sah in das kantige Antlitz von Meister Ryanor. Verdammt. Ich muss eingeschlafen sein. Es war gestern also doch zu spät geworden. Die hellen, blauen Augen des hochgewachsenen Jedi-Meisters schienen ihn förmlich zu durchbohren, als dieser, nun da er die Aufmerksamkeit des Rotschopfes hatte, streng fortfuhr: „Offensichtlich gibt es einige unter euch, die es sehr schwierig finden, ihre Wahrnehmung auf den Unterricht zu lenken, was umso verwunderlicher ist, wenn man bedenkt, dass wir gerade über die Wahrnehmungsfähigkeiten sprachen.“ Die gleichen Worte, von jedem anderen Meister ausgesprochen, hätten bei dem einen oder anderen Padawan vielleicht ein Schmunzeln hervorgerufen. Nicht so bei Meister Ryanor. Dieser hatte etwas so Strenges an sich, dass keiner wagte, sich zu rühren, geschweige denn zu atmen. Fidelio spürte die Blicke der anderen Padawane im Klassenraum, einige mitfühlend, einige ebenso tadelnd wie die des Jedi-Meisters. „Verzeiht, Meister…ich habe die Augen nur geschlossen, um über die Weisheit hinter Euren Worten zu meditieren“ , hörte er sich selbst sagen, ehe er es verhindern konnte. Idiot! Ein Hauch von Heiterkeit flackerte bei den anderen Padawanen auf, wie er sehr genau spüren konnte, doch der erhabene Meister verengte nur verärgert den Blick. Fidelio schalt sich innerlich. Es war nicht ratsam, den Witzbold heraushängen zu lassen und dennoch passierte es ihm immer wieder. Es war wie ein innerer Verteidigungsreflex um angespannte Situationen zu entschärfen. Nur, dass genau diese Angewohnheit in letzter Zeit eher einen gegenteiligen Effekt zu haben schien. Und das hatte zumeist Konsequenzen, wie Fidelio nur allzu gut wusste. Meister Ryanor hatte mittlerweile von ihm abgelassen, zumindest dem Anschein nach, und war zurück zu seinem Lehrpult getreten. Dort angekommen ließ er den Blick über die ausgedünnten Reihen der Padawane im Lehrsaal schweifen, von einem zum anderen, ehe er erneut das Wort ergriff. „Ich muss leider feststellen, dass nicht jeder von euch es für nötig erachtet, den altehrwürdigen Traditionen unseres Ordens mit dem nötigen Respekt und der nötigen Disziplin zu begegnen, die in Zeiten wie diesen angebracht wäre. Wir Jedi sind in den letzten Jahren an den Rand der Auslöschung gedrängt worden. Es liegt daher an uns allen, unsere Normen und Werte zu achten und Verantwortung für unsere Taten zu übernehmen. Doch vor allem anderen…seid ihr die Generation von Jedi, die entscheidet, ob wir und unser Wissen…unsere Traditionen…unsere Werte fortbestehen oder vergehen. Ihr seid die Zukunft des Ordens und einige von euch täten gut daran, sich dies von Zeit zu Zeit in Erinnerung zu rufen.“ Sein Blick war nun auf Fidelio zum Halten gekommen, der sich bemühte, eine neutrale Miene aufzusetzen. Innerlich hielt er jedoch die Luft an. Die Zukunft des Ordens. Das hörte er wahrlich nicht zum ersten Mal. Zwei Wochen erst war es her, dass eine Miraluka-Ritterin namens Ricun in Anwesenheit von Meisterin Marsadi eine sarkastische Bemerkung fallen lassen hatte, als Fidelio eine scheinbar banale Frage nicht hatte beantworten können. Der beißende Spott in ihrer Stimme hatte ihm noch lange in den Ohren geklungen „Seht ihn Euch an…die Zukunft des Ordens!“ Dann durchbrach Meister Ryanors sonore Stimme seine beunruhigenden Gedankengänge. „Padawan Fidelio…ich möchte, dass du nach dem Unterricht noch einen Moment hierbleibst. Und falls ihr nichts dagegen habt, würde ich nun gerne fortfahren.“

Alles schwieg beflissen und so setzte der Jedi-Meister mit dem Unterricht fort, indem er seinen letzten Vortragspunkt wieder aufgriff. Toll gemacht, du Witzbold. Volle Punktzahl. Fidelio ärgerte sich, ohne genau sagen zu können, ob sich der Ärger vorrangig gegen Meister Ryanor richtete oder gegen sich selbst. Er gab sich große Mühe, interessiert und beteiligt den Ausführungen des dunkelhaarigen Lehrers zu folgen, obgleich er schon nach wenigen Momenten merkte, dass seine Aufmerksamkeit erneut zu bröckeln begann. Die Beziehung zwischen Meister Ryanor und ihm hatte von Anfang an auf wackeligen Beinen gestanden. Gut, Fidelio konnte dem Meister nicht mal wirklich einen Vorwurf daraus machen, dass der ihn nicht besonders gut leiden zu können schien. Immerhin hatte er vor nicht allzu langer Zeit, ein Lichtschwert entwendet und ein Fährschiff gestohlen, um den ganzen Regeln und engen Strukturen des Ordens zu entfliehen. Und dann seine beständigen, wenn auch stets unbeabsichtigten, sonstigen Übertretungen. Nein, da war es wahrlich kein Wunder, dass Meister Ryanor zur scheinbaren Mehrheit der Meister und Ritter gehörte, die in ihm mehr einen Ruhestörer als einen Gewinn für den Orden sahen. Dabei gab er sich wirklich Mühe, niemanden zu enttäuschen aber das schien in einigen Fällen…zu vielen Fällen…offenbar vergebens. Der Blick seiner klaren blauen Augen schwenkte nun durch den Lehrsaal des Tempels. Es gab Dutzende von Stuhlreihen aber nur eine Handvoll Plätze war wirklich belegt. Wie wenige von uns nur noch übrig sind. Vielleicht hatte Meister Ryanor gar nicht so Unrecht. Es lag an ihnen, den Padawanen, dafür zu sorgen, dass das Vermächtnis der Jedi fortlebte. Im Vergleich zu früher gab es kaum noch Jedi auf Tython; vielleicht ein Dutzend Padawane, noch weniger Jünglinge und eine begrenzte Zahl an Rittern und Meistern, obgleich in den letzten Wochen und Monaten doch einige wieder ihren Weg zurück zum Tempel gefunden hatten. Seine Aufmerksamkeit lag jetzt auf der jungen Cathar zwei Reihen links vor ihm, namens Shamirria…oder einfach nur Miri. Sie saß leicht gebeugt auf dem Stuhl, schien dem Unterricht aber ansonsten aufmerksam zu folgen. Fidelio fand es eine Weile ganz amüsant zu beobachten, wie ihre schwarzfelligen Ohren hin und wieder unkontrolliert zu zucken begannen. Dann schwenkte sein Blick unwillkürlich auf einen Platz weiter vorne, der leer war. Eigentlich sollte Livi hier sitzen. Sein Herz gab ihm einen schmerzhaften Stich und er sah rasch woanders hin, um nicht über die Konsequenzen ihres letzten unbefugten Ausfluges nachdenken zu müssen. Dazu war später immer noch Zeit. Dann waren dann noch der Zabrak Corvus, ein regelrechter Besserwisser und Lieblingsschüler von Meister Ryanor, der keine Gelegenheit ausließ, um Fidelio vorzuführen, was die meisten Meister allerdings wohlwollend zu ignorieren schienen und die Togruta Adeeri, die von allen Padawanen den erhabensten Eindruck machte. Eine Reihe weiter rechts von ihm saß die junge Menschenfrau Tethassa. Fidelio war sich immer noch nicht sicher, ob er sie wirklich leiden konnte. Sie behielt ihre Gedanken meist für sich aber wenn sie sich äußerte, wirkte es stets hochmütig und belehrend, schlimmer noch als Corvus, der sich wenigstens niemals anmaßen würde, die Ritter und Meister in Frage zu stellen. Tethassa hingegen tat das mit zynischer Regelmäßigkeit. So bin ich zumindest nicht das einzige schwarze Schaf hier. Ein schwacher Trost.

Seine Aufmerksamkeit lag schon lange nicht mehr bei Meister Ryanor, dessen Vortrag sich nun auf verschiedene Meditationstechniken und ihre Wirkungen bezog. Stattdessen ließ Fidelio den Blick über die steinernen Wände des Tempels schweifen, die trotz aller Verzierungen stets unnahbar und kalt wirkten, so wie der Rest dieses altehrwürdigen Gemäuers. So richtig warm schien es im Inneren zumindest nie zu sein, was, wie Fidelio belustigt durch den Kopf schoss, vielleicht der Grund dafür sein konnte, dass die meisten Jedi lange Roben trugen. Er selbst hatte sich beim Quartiermeister für eine schlichte aber kräftig orange-braune Tunika mit Kapuzenüberwurf und Robenrock entschieden. Nicht, dass er die klassischen Roben nicht mochte aber er hatte irgendwie das Gefühl, sich noch nicht das Recht verdient zu haben, sie auch zu tragen. Als er so die Wand musterte, fiel ihm ein Riss auf, den er zuvor noch nicht bemerkt hatte. Ob der wohl entstanden war, als Zakuul angegriffen hatte? Oder war er sogar noch älter und war vom Imperium verursacht worden? Wer weiß. Fidelio beunruhigte der Gedanke, dass sich in diesem Raum einst womöglich Jünglinge oder Padawane verbarrikadiert hatten, nur um dann gnadenlos von den Sith oder den Zakuul-Rittern niedergemetzelt zu werden. Das durfte sich einfach nicht wiederholen. Zu viele Jedi waren in den letzten Jahren gefallen und da der Krieg ein weiteres Mal tobte, war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis weitere, bei dem Versuch, die Republik zu verteidigen, sterben würden. So wie Joana. Sein Magen verkrampfte sich, als er an die junge aber lebensbejahende Padawan von Meisterin Marsadi dachte, die erst kürzlich auf Ansion ums Leben gekommen war.




Eine Stimme durchbrach seine trüben Gedanken. „Vielleicht kann uns ja Padawan Fidelio die Antwort auf diese Frage geben.“ Alle Blicke waren plötzlich auf ihn gerichtet. Verflucht! Worum ging es nochmal? Irgendwas mit Meditationstechniken. Er spürte, wie seine Ohren sich rosa färbten, während er fieberhaft nach einer Antwort suchte auf eine Frage, die er nicht mal gehört hatte. „Ich…äh…glaube, dass die Bewegungsmeditation dabei hilft, Ablenkungen zu mindern und so die Konzentration erhöht. Außerdem steigert sie das Selbstbewusstsein des Anwenders, so dass auch scheinbar unmögliche Aufgaben…ähm…machbar erscheinen.“ Alles lachte. Nur nicht Meister Ryanor, nur lag diesmal kein Ärger in seinem Blick sondern Resignation. „Wir sprachen gerade über das meditative Mantra, welches ein Jedi nicht selten bei dem Bau seines Lichtschwertes rezitiert. Da du deines erst kürzlich gefertigt hast, nahm ich – offenbar fälschlicherweise – an, dass dir das Mantra noch geläufig sei.“ Er machte eine kurze Pause, wie um dem Rotschopf die Möglichkeit einzuräumen, die richtige Antwort doch noch zu geben, doch in Fidelios Kopf herrschte plötzlich gähnende Leere. Was für ein Mantra? Beim Bau seines Lichtschwertes war er still gewesen. Das hatte ihm geholfen, den meditativen Zustand zu erreichen, der erforderlich war, um die Waffe zu fertigen. Hatte Meisterin Marsadi etwas von einem Mantra gesagt? Vielleicht, doch er konnte sich nicht erinnern. Meister Ryanor nickte, als ob sich wieder einmal eindrucksvoll bestätigt habe, dass Fidelio nicht zum Padawan tauge. „Wir werden das Thema in der nächsten Stunde erneut besprechen, bis dahin erwarte ich, dass jeder von euch, der es bislang noch nicht für notwendig hielt, das Mantra verinnerlicht hat. Ihr könnt gehen.“

Die Padawane packten ihre Sachen zusammen und verließen den Lehrsaal, Miri warf Fidelio einen kurzen mitfühlenden Blick zu, als er nach vorne zum Pult schlurfte, wo Ryanor schon auf ihn wartete, ehe auch sie nach draußen verschwand. „Ihr wolltet mich noch sprechen, Meister?“ Er bemühte sich um einen respektvoll-neutralen Tonfall. Meister Ryanor fasste ihn scharf ins Auge, ehe er antwortete. „Padawan Fidelio, ich muss wohl nicht erwähnen, dass dein heutiger Auftritt zum wiederholten Male außerordentlich beschämend war. Du schläfst im Unterricht und bist auch sonst nicht bei der Sache, wenn wir elementare Grundlagen besprechen.“ Der Meister stapfte um das Pult herum, um ihn streng anzublicken. Von nahem sah Ryanor älter aus, als er vermutlich war. Das schwarze Haar des Meisters war am Haaransatz grau melliert und leichte Augenringe zeigten, dass auch der Lehrer in letzter Zeit wohl nicht genug Schlaf bekommen hatte. Der Bart war jedoch sauber gestutzt und auch die Robe des Meisters wirkte glatt und sauber, im Gegensatz zu Fidelios Tunika, die der junge Padawan erst jüngst beim Mittagessen versehentlich mit Muja-Saft bekleckert hatte. Unbeirrt fuhr der Jedi-Meister jedoch fort. „Ich sage das nur außerordentlich ungern aber…vielleicht ist es langsam an der Zeit für dich, darüber nachzudenken, warum du eigentlich hier bist und ob der Orden wirklich noch der richtige Ort für dich ist, Fidelio. “ Fidelio sank das Herz in die Hose und er zupfte unbehaglich an seinem Padawanzopf, bis es ihm auffiel und er sich innerlich dafür schalt. Das war eine kindische Angewohnheit, die er schon lange hatte ablegen wollen. Nun schien es dafür aber sowieso zu spät zu sein. „Ich…gebe mir Mühe, Meister“, war das Einzige, was ihm dazu einfiel. Wie sollte er auch erklären können, dass nie eine böse Absicht dahinter steckte, wenn er Regeln und Grenzen übertrat? Dass er eigentlich nicht faul und nicht dumm sei, nur manchmal mit den Gedanken woanders? Dass ihm nichts wichtiger war, als ein Jedi-Ritter zu werden? Doch all die Worte, die er hätte sagen wollen oder sollen kamen nicht über seine Lippen. Die Antwort des Meisters fiel dementsprechend recht erbarmungslos aus: „Manchmal genügen all unsere Mühen nicht, wenn der Wille der Macht ein anderer ist.“ Der Blick des Meisters ruhte noch einen Augenblick auf ihm, ehe er seine Sachen zusammenpackte und Richtung Ausgang ging, den erstarrten und sprachlosen Fidelio dabei zurücklassend. Am Eingang hielt er jedoch noch einmal inne, um sich zu Fidelio umzudrehen. „Räum bitte die Datapads der anderen Padawane zusammen und leg sie mir alphabetisch sortiert auf den Schreibtisch, ich werde mir bis morgen Eure Aufsätze angesehen haben.“ Dann ist der Meister draußen, mit wehender Robe, während Fidelio noch immer vor dem Pult steht, welches ihn überragt und gnadenlos über ihn zu richten scheint. Und wieder scheint er jene spöttische Stimme zu hören, die ihm höhnisch entgegenruft: „Seht ihn Euch an…die Zukunft des Ordens!“

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Dienstag, 3. März 2020, 11:11

"Mörder!"

Fidelio erwachte schweißgebadet. Einen Augenblick lang wusste er nicht, wo er war. Die Dunkelheit war so allgegenwärtig, dass er mit der Orientierung nicht hinterher kam. Erst nach und nach gewöhnten sich seine Augen an das fehlende Licht und nahmen die vertrauten Strukturen wahr, die ihm verrieten, dass er sich auf seinem Quartier im Tempel von Tython befand. Ein Blick aufs Chrono bestätigte, was der Rotschopf sowieso schon geahnt hatte. Es war noch mitten in der Nacht und sein aufgeregter Herzschlag ließ ihn erahnen, dass er nun wieder einmal nicht würde einschlafen können. Diese verfluchten Albträume. Es war kein Wunder, dass er sie hatte, nach dem, was geschehen war aber sie ließen ihn auch ein paar Tage später noch immer nicht in Ruhe. Seufzend stemmte Fidelio sich in die Höhe, seine nackte Brust hob und senkte sich noch immer rasch und beunruhigend, während der übermüdete Padawan versuchte einen klaren Gedanken zu fassen.
Die Bilder seines Alptraums standen ihm noch immer vor Augen und jeder Traumdeuter hätte wohl seine wahre Freude an der Interpretation gehabt. Aber Fidelio brauchte keinen Traumdeuter, er wusste selbst, warum er derzeit immer und immer wieder des Nachts heimgesucht wurde. Schuld! Unwillkürlich aber ohne die Kraft sich gegen den Impuls zu wehren, führte Fidelio sich noch einmal jene entscheidende Szene vor Augen. Das Duell mit dem Kiffar namens Kanas. Er sah erneut die einschüchternde bewaffnete Meute mit ihren polierten Speeder-Bikes; das kleine, verängstigte Kiffar-Kind, welches von ihnen gefangen gehalten wurde und seine Meisterin Skye Marsadi, die der Gruppe gegenübergestanden hatte, unfähig oder unwillig, sich in das Duell einzumischen. Das Duell. Fidelio erinnerte sich an alles… an jedes Wort, an jeden Schlagabtausch, wie er alles rings herum ausgeblendet hatte, wie er Furcht aber auch Entschlossenheit verspürt hatte. Aber so oft er es auch durchspielte, es endete immer auf die gleiche Weise…mit einem zornerfüllten Kiffar, der unbewaffnet und rücksichtslos auf ihn zugegangen war, um ihn zu erwürgen…und mit einem Strahl gleißenden Lichtes, der ihn durchbohrt und nur einen leblosen Haufen Fleisch zurückgelassen hatte.



Fidelio wurde allein von dem Gedanken daran übel. Es war ihm, als ob er den beißenden Gestank versengten Fleisches wieder in der Nase hatte. Gerade so schaffte er es noch zur Latrine, ehe ein Schwall Erbrochenes seinen Körper verließ. Fidelio hob die Hand, um die Vakuum-Spülung zu betätigen und merkte dabei, dass sie unkontrolliert zitterte. Der Padawan konnte sich nicht daran erinnern, sich jemals so krank gefühlt zu haben. Es war, als ob sein Körper selbst alle negativen Emotionen auf einmal abstoßen und sich von der Schuld reinwaschen wollte. Aber es gelang ihm nicht. Immer wieder stellte er sich die Frage, was er anders hätte machen können, dabei wusste Fidelio tief im Inneren, dass es keinen anderen Ausgang hatte geben können. Meister Lucian und Meisterin Marsadi hatten ihm beide unabhängig voneinander erklärt, dass sein Handeln gerechtfertigt gewesen sei und obgleich er Trost in ihren Worten fand, so konnte er doch das Geschehene noch immer nicht aus seinem Kopf vertreiben. Das Schlimmste waren nicht die Bilder und auch nicht der Gestank des Toten gewesen, sondern etwas ganz anderes. Fidelio hatte den Moment genau gespürt, als die Präsenz des Kiffars in der Macht langsam verglüht und das pulsierende Lebenslicht seines Kontrahenten so rasch und endgültig verschwunden war, als ob es nie dagewesen wäre. Kanas mit all seinen Erlebnissen, Erinnerungen, Wünschen und Träumen hatte aufgehört zu existieren. Und Fidelio war dafür verantwortlich. Das war neu und es machte ihm schreckliche Angst. Was würde das nächste Mal passieren, wenn er gezwungen sein würde, jemanden zu töten? Würde er sich überwinden können? Würde er zögern und dadurch selbst den Tod finden oder andere, die zu schützen er geschworen hatte? Würde es zur Gewohnheit werden ein Leben zu nehmen? Würde es ihm irgendwann nichts mehr ausmachen, ja vielleicht sogar Spaß machen, sich so mächtig zu fühlen? Fidelio schloss die zitternden Finger zu Fäusten, um sie dann rasch wieder zu öffnen und wiederholte die Geste ein paar Mal. Anspannung…Entspannung…Anspannung…Entspannung; eine scheinbar belanglose Übung, die er von seiner alten Meisterin Jari Ophara gelernt hatte. Aber auch sie war nun fort. Ebenso wie Livi oder Miri. Für einen flüchtigen Augenblick verspürte er einen Stich der Einsamkeit. Mit einem mehr als flauem Gefühl im Magen schlurfte Fidelio zu seinem Bett zurück.




Im Bett angekommen starrte Fidelio mit leerem Blick eine Weile an die dunkle, konturlose Decke, bis seine Augen weh taten. Erst dann fasste er einen Entschluss. Er war ein Jedi und als solcher würde er schlicht und ergreifend seine Pflicht erfüllen müssen. Mit Macht führte Fidelio sich all die guten Dinge vor Augen, die ihm in den letzten Jahren wiederfahren waren: die Orte, die er gesehen hatte; Freundschaften, die er hatte knüpfen können, Erlebnisse, die ihn auch jetzt noch über alle Maßen prägten…und sie alle hatten ihn letztlich zu Skye geführt, die ihn trotz des Verlustes ihres ersten Padawans Joana und trotz seines nicht ganz so guten Rufes unter den Meistern, entgegen aller Wahrscheinlichkeiten als Padawan angenommen hatte. Er war nicht allein! Tiefe Dankbarkeit durchflutete ihn, wie eine Welle der Heilung. Fidelio hatte sich geschworen, sie stolz zu machen – sie und Meister Lucian und all die anderen, die an ihn glaubten - und daran würde sich nichts ändern. Also würde er sich zusammenreißen und das Beste aus der Situation machen, wie er es immer getan hatte.

So schloss der junge Padawan schließlich endlich die Augen und gab vor, Kanas hasserfülltes Gesicht nicht zu sehen, welches vor seinem geistigen Auge immer und immer wieder höhnisch ein Wort wiederholte: „Mörder!“. Es war das Letzte, was Fidelio sah und hörte, ehe er schließlich in einen sehr unruhigen Schlaf fiel.

Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von »Fidelio« (3. März 2020, 11:44)


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